Gibt es so was wie Art Jazz? Jedenfalls befindet sich Johnny Liebling auf seinem Debütalbum an der Grenze zwischen Jazz und Kunst, zwischen Improvisation und Stilisierung. Vertontes Spoken Word könnte man auch sagen, die Macher sprechen von Schicksals-Schlager, Polka-Jazz und Bukowski-Beat. Textlastig gestaltet sind die 13 Stücke jedenfalls, auch werden Kinski, Hemingway und Mario Puzos aufgegriffen, und wenn es mal nach Tom Waits klingt, verwundert dies auch nicht, „Karl“ ist die Übersetzung eines seiner Texte. Musik für verrauchte Bars, einsame Samstagabende, Coolness regiert auf „Goldene Zeiten“. Ein einfacher Trip ist es sicherlich nicht durch das Album, Spannung und Entspannung bietet es zugleich, Zeit muss man sich aber nehmen. Abdriften in die „Goldenen Zeiten“, eine dreiviertel Stunde lang, großes Kino für stille Stunden. Wertung 9/10.