Es ist die immer gleiche Situation: Anstrengender Tag, CD in den Player geworfen, Musik an, endlich Entspannung. Nein, um es gleich vorweg zu sagen, dafür eignet sich „AIE“, die aktuelle Scheibe der Band Fugo, nun wirklich ganz und gar nicht. Der Grund: Die experimentelle musikalische Ausrichtung ist alle andere als leicht zugänglich. Alternative Rock trifft auf Space Rock trifft auf Prog Rock – so ließe sich der musikalische Horizont in etwa umschreiben. Und doch greift diese Beschreibung zu kurz, denn die Melange, die Fugo präsentieren, ist weitaus vielschichtiger. Originell, intellektuell, anspruchsvoll? Durchaus. So sind die Songs keineswegs „normal“ benannt, sondern mit einzelnen Buchstaben gekennzeichnet. Nur ein Detail, das zeigt, dass „AIE“ vor allem auch eines ist: anstrengend. Vor allem zu Beginn, als aggressive Vocals auf experimentelle Sounds treffen, überzeugt das nicht. Zwar tut jeder Hörer gut daran, sich davon nicht abschrecken zu lassen, denn es kommen bessere Songs, aber dieser Teil nervt schon. Im weiteren Fortgang der Scheibe erreichen dann aber tatsächlich wesentlich melodischere und nachdenklichere Sounds den überraschten Gehörgang. Und insbesondere in diesen Momenten ist „AIE“ stark. Musikalisch (nicht vom Gesang) wird der geneigte Hörer in diesen Phasen öfter mal an Muse denken müssen. Apropos Gesang: Der zeigt sich auf „AIE“ wirklich kontrovers. Von wunderbar melodisch über aggressiv shoutend bis hin zu nervtötend attonal – eine solche Bandbreite an Vocals auf nur einem Album ist extrem außergewöhnlich. Fazit? Fugo sind auf „AIE“ immer dann gut, wenn sie melodisch und nachdenklich klingen. In diesen Phasen hat die Scheibe einige wirklich starke Momente. Insgesamt wirkt „AIE“ aber überfrachtet – kaum ein Song, der mal auf den Punkt kommt, vieles ist zu sehr abgedreht. Für den häufigeren Einsatz im Player kann sich diese CD jedenfalls nicht empfehlen. Wertung 3/10.