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Die kleinen Götter - Der Schatz der Riffpiraten
MossBeach Music VÖ: 19.09.2005

„Die kleinen Götter“ – dieser Bandname wirkt zunächst etwas anmaßend, erweist sich aber bei genauerem Hinsehen und Hinhören eher als selbstironische Betitelung, so als habe man auf ewig den kindlichen Status von Unbeflecktheit, Unantastbarkeit und genialer Naivität gepachtet. Dabei kommt einem angesichts der karikaturesken Ebenbildnisse der vier Protagonisten, die auf der CD vor dem Hintergrund einer Dünenlandschaft vor rauer See zu sehen sind, zunächst einmal das Cover einer spannenden TKKG-Kassette in den Kopf, was sich nicht gänzlich als falsch erweist, da es ja immerhin um ein Abenteuer geht. Musikalisch ist das Werk im Bereich zwischen Extrabreit und den Ärzten (letzteres nach eigenen Aussagen) einzuordnen, so dass man getrost von einer Mixtur aus Neuer-Deutscher-Welle-Elementen und früher deutscher Punkmusik, soundmäßig getrimmt auf die Gegenwart, sprechen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die vier aus Konstanz stammenden Musiker sich Namen geben wie Till Toll, Dani Debilo, Schwester Tino und Bassgott Schock. Vor allem aber ist ihre nach 2002 nun zweite offizielle CD, abgesehen von zwei Demo-Pressungen aus den Jahren 1997 und 1999 ein Gesamtkunstwerk, in dem letztlich auch die Lebensgeschichte des Quartetts verwoben ist. Ganz deutlich ist hier die Verbundenheit der Bandmitglieder untereinander seit frühesten Jugend-, ich nehme mal an, sogar Kindertagen zu spüren, denn, so wird in ihrer Bandinfo das Ge-rücht einer Legende in die Welt gesetzt, der Titel ihrer CD „Der Schatz der Riffpiraten“ basiere auf der wahren Begebenheit eines Besuches der vier bei Tills Tante Lisalotte, „... bei der wir eines der spannendsten Abenteuer unserer Kindheit verlebten, als wir den Schatz der Riffpiraten fanden.“ Schon früh haben sie ihr eigenes Label mossBEACH gegründet und stellen somit den klassischen Fall einer Indie-Punk-Band dar. Dabei vermittelt das optisch einladende Cover, das im alten klassi-schen Stil eines Platten-Albums zum Aufklappen mit einem liebevoll gestalteten Booklet in Form eines Abenteuerromans ausgestattet ist, zum einen den Eindruck von Hingabe zum eigens hergestellten Produkt, zum anderen wird zugleich die Möglichkeit eröffnet, jedem als schlichte Kopie und somit als Massenware wirkenden Einzelexemplar den individuellen Stempel bzw. Charme seines Käufers aufzudrücken, indem man, ähnlich der Aufforderung in einem Poesie-Album in das Kästchen: „Diese CD gehört: ...“ seinen eigenen Namen eintragen kann. Auch textlich ist eine gewisse Anti-Konsumhaltung erkennbar, wie etwa in „Investieren, Baby“ aber auch allgemein sozialkritische Texte, die in einen persönlichen Bezug eingekleidet sind, wie „1976“ oder „Tage wie diese“. Wertung 8/10.

Autor:
Frank Findeiß

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