Latino-Pop ist so eine Sache, oft künstlich und mit Klischees beladen. Ricky Martin gebührt zwar der Erfolg aber nicht das Lob der Kritiker. Seine großen Hits „Living La Vida Loca“ und „The Cup of Life“ stammen aus der Feder eines 33-jährigen alten Weggefährten aus L.A., der früher mit ihm in der Boyband Menudo war. Robi Draco Rosa heißt dieser und ist längst nicht so poppig und glatt, wie diese Zusammenarbeit und das Cover verspricht. Sein neuestes Album widmete er der Schauspielerin und Regisseurin Angela Alvarado, seiner Freundin. Eingespielt mit hervorragenden Studiomusikern und Band findet man hier keine Latino-Schnulzen, dagegen wird gerockt, Jazz, Soul und Flamenco mischen sich in Songs, die auch gerne mal die fünf Minuten Hürde nehmen. Meist in gemäßigtem Tempo vorgetragen, erinnern die Arrangements an heiße Siesta-Stunden und nicht an überfüllte Dancefloors, sinnliche Texte bereiten den Boden für ein sehr tiefgängiges Album. Bis auf eine Nummer „Como Me Acuerdo“ (bereist 2001 veröffentlicht) sind dabei alle Texte auf Englisch, als Bonus-Tracks warten jedoch noch zwei spanische Versionen von „Crash Push“ und „Dancing in the rain“. Richtig laut kann es auf „Mad Love“ auch werden, so ist „Heaven Can Wait“ waschechter Rock mit verzerrten Gitarren, überwiegend jedoch kann man sich aber über einfühlsame Songs mit Profil freuen. In über einer Stunde zeigt Robi Draco Rosa, was er mit Latino so alles kann, und damit werden nicht nur Latino-Fans etwas anfangen können, von „Mad Love“ kann man einfach nur begeistert sein. Wertung 9/10.