Ich finde es immer gut, wenn eine Band etwas riskiert, aber deshalb gleich sein Album mit der Zeile „Hey Sugar, ich hab dich gleich gesehen hier“ beginnen? Das wirkt unfreiwillig komisch, erst Recht wenn man so studentisch aussieht wie die drei Nachtwandler Herren. Überhaupt weiß ich nicht so Recht, woran ich bei dieser Band bin. Sind das jetzt ein paar Rapper auf'm Gothic-Trip oder ein paar New-Metaller mit einem Faible für holprige Raps? Nun, blenden wir den katastrophalen, bei Crazy Town abgekupferten Opener mal aus. Danach wird es nämlich schon wesentlich besser, „Angst“ ist sehr atmosphärisch und profitiert nicht zuletzt von den Vocals von 3p Sängerin Franziska. Wie die und DJ Release auf das Nachtwandler Album kommen ist schnell geklärt, die drei produzierten für J-Luv oder Cassandra Stehen (Glashaus), einer war A&R bei 3p, der andere Grafiker. Dass sie produzieren können hört man und so langsam hört man sich auch in ihren Crossover-Stil herein. Zumindest aber braucht man bei den Texten der Offenbacher einen große Faible für Xavier Naidoo & Co, Nachtwandler sudeln sich so richtig im Pathos und tragen dick auf. Regenundmild hieß die Band übrigens früher. „Zurück in den Wald“ sollte man mit Offenheit begegnen, es ist ein mutiges Album mit dem Band kaum gewinnen kann und teilweise auch berechtigt Kritik einstecken wird. Aber es ist auch ein Album mit vorzüglichen Momenten, nichts für jeden Tag, aber für Dichter, Denker und dunkle Nächte. Wertung 6/10.