Björk, immerhin bald 40 Jahre alt, klingt immer noch so unverbraucht und neu wie am Anfang. Nach „Vespertine“ gab es einen Cut, den das „Greatest Hits“ Album abschloss. Nachdem die Isländerin zuletzt mit großem Orchester und Band unterwegs war, widmet sie sich jetzt ganz der menschlichen Stimme. Das heißt freilich nicht, dass „Medulla“ nicht mehr instrumentiert ist, aber man findet durchaus tonlose Passagen vor, überhaupt wurde wesentlich dezenter gearbeitet, kleine Gesten mit großer Wirkung. Das war bei Björk schon immer so, nur wurde es auf dem sechsten Album noch verstärkt. Im Endeffekt führt das auch dazu, dass die 14 neuen Songs schwerere Kost sind, Melodien die Hittauglichkeit ausmachen sind Mangelware. Dafür gibt es grandiose Gäste. Mike Patton (Faith no More) und Rahzel dürfen gleich mehrfach auftreten. Überragende Nummern gibt es jede Menge, „öll birtan“ vor allem, wogegen anderes für bestimmte Geschmäcker zu choral klingen wird, fast schon christlich andächtig. Am Ende bleibt es ein klasse Werk, nicht nur weil die Künstlerin Björk heißt. Wertung 8/10.