Mit "Overload" schafften sie es nach oben, das folgende
Album "One Touch" überzeugte zwar musikalisch, verkaufte
sich aber nicht wie gewünscht. Als dann auch noch Siobhan Donaghy
im Sommer 2001 das Trio verließ, stand es schlecht um die
innovativste Girl-Group seit den All Saints. So wird es wohl auch
immer ein Geheimnis bleiben, inwieweit die Mädels selber für
die Musik der Sugababes stehen. Offiziell heißt es, Siobhan
hätte die Band aus musikalischen Differenzen verlassen, sie
hätte sich mehr in Richtung Indie-Rock bewegt. Was wir durch
ihren Weggang verpasst haben, wüssten wir wirklich gerne, aber
immerhin rafften sich Keisha Buchanan und Mutya Buena nochmals auf,
fanden ein neues Label und in Heidi Range eine neue Sängerin.
Unter Hochdruck wurde dann weitergearbeitet, schließlich musste
die neue Single "Freak Like Me" erscheinen, solange der
Name Sugababes noch bei den Hörern präsent war. Die Frage
ist natürlich, ob unter solch schwierigen Bedingungen ein gutes
Ergebnis entstehen kann. Zwei Sachen vorweg, ein zweites "Overload"
findet man auf "Angels With Dirty Faces" nicht, aber ihre
Individualität haben die Sugababes nicht verloren. Weg geht
es jedoch auf den 11 neuen Songs vom UK-Underground-Garage geprägten
Sound der ersten Platte. Dagegen bedient man sich frei bei Elementen
aus allen möglichen Stilrichtungen, insgesamt heißt das
Rezept mehr Glamour, mehr 80's Retro und mehr R'n'B. So ist auch
die erste Single "Freak Like Me" in Zusammenarbeit mit
Gary Numan entstanden und stellt eine Neubearbeitung von dessen
Hit "Are Friends Electric?". Auf diese Schiene wird -
leider? - auch im weiteren Verlauf gesetzt, Reproduktion statt Produktion.
Damit liegen die Sugababes im Trend und sicher auf der Erfolgsschiene,
aber das ist nicht das was sie bekannt gemacht hat. So wird man
leider den Eindruck nicht los, dass es bestimmte Vorgaben von der
Plattenfirma gab. Und gerade auch bei den zahlreichen R'n'B Nummern
wirken die Mädels eher blass, können nicht wirklich Profil
zeigen. Dennoch, schlecht ist das Album auf keinen Fall. Insgesamt
gesehen ist es sogar besser als der Vorgänger, weil reifer
und ausgewogener. Die Mischung zwischen den verschiedenen Styles
stimmt, Abwechslung ist genug vorhanden. So hört man sich das
Album auch tatsächlich bis zum Ende an, das gibt es selten
bei einem Pop-Album. Die Produktion ist wie erwartet exzellent,
knackig und frisch. Der bittere Nachgeschmack am Ende ist jedoch
nicht wegzuwischen, es ist schlicht und einfach kein "Overload"
mehr. Overstyled Schulmädchen wird das eh nicht auffallen,
und die sind doch die Zielgruppe? Wertung 7/10.