Thumb waren immer eine Ausnahmeband, sie waren immer eine der besten
deutschen Bands, und dabei nie wirklich deutsch. Thumb bildeten
die Schnittstelle zwischen Jugendkultur, Szene und musikalischem
und inhaltlichem Anspruch. Diese Position konnte Thumb lange Zeit
halten, obwohl oder gerade weil sie sich immer weiterentwickelt
hatten. Mit "Exposure" waren sie ihrer Zeit einen Schritt im Voraus.
Auch wenn sie damit einige Hardcore-Fans verjagt hatten, Thumb waren
immer noch mehr als eine Band. Nun ist aber Thumbs große Zeit vorbei.
Thumb haben sich wieder weiterentwickelt, aber diesmal nicht unbedingt
in die richtige Richtung. Natürlich sind auch Claus Grabke & Co
älter geworden und der Mensch verändert sich nun mal wenn er älter
wird. Das ist so und sollte auch so sein. Von daher will ich der
Band auch nichts vorwerfen, Thumb können eben nicht für immer den
Status, den sie vor einigen Jahren hatten, halten. Was man der Band
aber vorwerfen kann ist, dass sie zu sehr in die Alternative und
Emo Ecke gegangen sind, und da haben wir schon genug Bands die hervorspriessen.
"3" ist für Thumb ein Schritt weg von der musikalischen Selbständigkeit.
Dennoch ist "3" ein sehr gutes Album mit dem typischen Thumb Sound.
Die 13 Songs (inklusive Interlude) sind vollgepackt mit Energie
und Emotionen. Dabei ist die Single "Down Like Me" nicht der beste
Song. Tracks wie "Stupid", "Lie To You" und "Break My Back" können
wesentlich mehr überzeugen. Außerdem ist "3" wieder eine Nummer
härter als "Exposure", obwohl Claus Grabke noch mehr singt. Überzeugend
ist auf jeden Fall die neue dezente DJ Arbeit von Lupe, die auf
dem Vorgänger zu sehr untergegangen war. Bei dem Interlude "Thumbtune"
(die alten Songs zusammengemischt) kommt dann aber doch wieder Wehmut
auf. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, musikalisch ist "3"
erstklassig, aber Thumb sind nur noch eine Band und nicht mehr.
Und das könnte der erste Schritt zur Vergänglichkeit sein. Denn
wenn Thumb ihren Sound nicht mehr hätten wäre dieses Album austauschbar.
Wertung 7/10.