bumbanet magazine ::: Umoja – im Mannheimer Rosengarten ::: music sports and urbanstyle ::: www.bumbanet.debumbanet ::: music sports and urbanstyle ::: www.bumbanet.de
„Umoja – The Spirit of Togetherness“ prangte auf den Plakaten mit den strahlenden Menschen in den farbenprächtigen Stammesgewändern vor der stimmungsvollen Silhouette der afrikanischen Steppe. „The Drums and Soul of Africa“. Eine Art Konzert also? Ein Musical? Modernes Ballett? Irgendwie von allem ein bißchen.
„Professionelles Musiktheater“, nennen es die Presseleute, sprechen von machtvollen Drums, erhabenen Acapella-Gesängen, dumpfen Klanghölzern (Marimbas), stimmgewaltigen Chören, einem rund 40-köpfigen, schwungvollen, jungen Team. Aber „Umoja“ ist soviel mehr: Landeskunde, Geschichtsunterricht, Anleitung zum Glücklichsein, zum Loslassen, zur Musik. Nur allzu verständlich, dass die Show zwei Jahre durchgehend im Londoner West End gastierte, und über 20 Länder weltweit verzauberte.
Es ist ein Schnellkurs durch die facettenreiche Musikgeschichte Südafrikas: Von den Rhythmen der Stammesmusik über den traditionellen Venda-Schlangentanz, den Gumboot-Dance der Minenarbeiter Johannesburgs oder den Gospel bis zur modernen Jugend-Subkultur „Kwaito“. Musikgeschichte, die aber auch Einblicke in den Terror des Apartheid-Regimes, zum Beispiel über die verhaßten „Dompas“ – Zwangspässe für alle schwarzen SüdafrikanerInnen - oder die verbotenen „Shebeens“- eine Art Nachtclubs für die schwarze Bevölkerung -, bietet.
Es ist eine Art Ballett der Farben im Dienste der Musik, der „auch das Publikum auf den Rängen unweigerlich zum Tanzen bringt“, wie die Werbung ausnahmsweise einmal nicht zu vollmundig versprochen hat, denn viele BesucherInnen hielt es kaum auf ihren Sitzen, was denn auch der Sprecher trocken kommentiert: „Die Musik Afrikas geht ins Blut.“
Es ist eine Körperbeherrschung der Extreme, ein ständiges Pulsieren atemberaubender Energie, die mit deinem Blutdruck um die Wette jagt, und dabei Bewegungen formt, so exakt, so präzise, so perfekt arrangiert.
Vor allem aber ist es eine der wenigen Shows, die vom ersten Moment an mitzureißen versteht. Es sind die Kleinigkeiten, die den Zauber der Atmosphäre ausmachen, wie der Geräuschmix aus Grillenzirpen, Musikfetzen und Verkehrslärm, der für die meisten englischsprachigen AfrikanerInnen so typische Akzent, aber auch die nackten Brüste der hierdurch als unverheiratet markierten Darstellerinnen.
Natürlich tragen die Nationalinstrumente Afrikas einen entscheidenden Teil dazu bei: die Trommeln. Trommeln, die den Saal wie den eigenen Körper durchdringen, und Trommler, die ihre Seele dem Teufel verkauft haben müssen, um eine derartige Geschwindigkeit, gepaart mit absoluter Präzision und atemberaubender Variation erreichen zu können.
Doch nicht nur Rhythmen, die über das Publikum wie Naturgewalten hinwegstürmen, DarstellerInnen, die über die Bühne fegen, besessen von der Energie, die ihre kraftvollen Körper wie Bögen bis zum Zerreißen spannt, oder süße Melodien, die wie gesponnene Seide die Luft streicheln, machen den Zauber dieser Show aus. Auch nicht die Tatsache, dass „Umoja“, anders als „Afrika, Afrika“, nicht spektakulär, sondern authentisch, real, (mit)erlebbar ist.
Vielleicht ist es „Umoja“ selbst. „Umoja“, dieses ostafrikanische Wort für den „Geist des Zusammenseins“, der sich anfühlt, als käme er wahrlich von Herzen – nicht zuletzt durch die wunderschön-versöhnliche Botschaft gegen Ende der Vorstellung: Auf Wassereimer gepinselte bunte Lettern, die den Schriftzug bilden: UMOJA LOVES YOU.
Werbung
Und dann etwas, das mich nicht nur als Frau, sondern vor allem auch als Ästhetin freut: der Anblick wahrer, lebendiger Frauen in ihrer ganzen prallen Schönheit anstelle der mittlerweile allgegenwärtigen Hungerhaken, Frauen ohne falsche Scham, die nicht mit ihren Reizen geizen, sondern vor praller Lebensfreude jenseits von Kalorientabellen explodieren. Frauen, die aber nicht auf die Rolle der schmückend-anmutigen Tänzerin reduziert werden, sondern mindestens so wild wie die natürlich-muskulösen Männer über die Bühne wirbeln. Als einzige Kritikpunkte lassen sich denn auch allein das Fehlen eines farbenfrohen, lebendigen Bühnenbildes nennen, sowie die leichte Langatmigkeit im ersten Teil der Show – die nach der Pause aber um so rasanter zuschlägt.
Auch unter einem sozialkritischen Aspekt sollte die Show gelobt werden: Denn nicht allein wird sie von einer doppelten „Minderheit“ (zwei schwarzen Frauen) in Eigenverantwortung regiert, sondern der Großteil der Einnahmen bleibt in dem Land, aus dem seine DarstellerInnen stammen, und die die Liebe für es so überzeugend herüberzubringen verstehen, dass sie hierfür Preise gewinnen, und insbesondere die mitwirkenden Frauen gewinnen Perspektiven (was sich aufgrund der besseren Ausgangschancen für ihre Nachkommen als Investition in die Zukunft erweist).
Doch wen würde das Temperament dieser Show verblüffen, der einmal das Feuer seiner Schöpferinnen gesehen hat. Todd Twala und Thembi Nyandeni haben mit „Umoja“ nicht nur eine Chance geschaffen, „so viele unterprivilegierte Kinder zusammenzubringen und zu stärken, wie sie konnten“, sondern dank ihres messerscharfen Blickes für das Schöne (wie bei den, durch farbige Armschienen, magisch erscheinenden Wellen während des Schlangentanzes) und untrüglichen Musikgespürs auch ein grandios inszeniertes Bühnenspektakel. Wer sich für die Klänge Afrikas begeistern kann, der wird dieses Konzert der Sinne lieben.
Und so bleibt bloß, einen Stoßseufzer gen Himmel zu schicken: Wenn Geschi-Unterricht nur immer so lebendig sein könnte. (Ob er aber wohl ohne die Kraft des Gospels erhöret wird?)