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Infos Live: TAO – The Martial Art of Noise / Die Kunst des Trommelns News


TAO – The Martial Art of Noise / Die Kunst des Trommelns
Mannheim
Rosengarten

Tickets bekommt ihr hier

 

 


Was mensch sich unter einer „martial art of noise“ genau vorzustellen hat, beschreiben die Veranstalter folgendermaßen: „Aufpeitschendes Rhythmusgeflecht gepaart mit wilder Kampfeslust und eindrucksvollem Körperspiel wechseln mit sinnlichen Momenten voll zarter Anmut und Poetik im Bann spiritueller Macht.“ Zudem sei „TAO nicht nur eine Kunstform, sondern eine Lebensphilosophie.“ Schließlich galt „in Japan die Trommel bereits in den religiösen Kulten der Frühzeit als bedeutendes Klanggerät. Sie sollte dazu dienen, die Menschen den höheren Mächten nahe zu bringen.“ Und so sind auch die bis zu 400 Kilogramm schweren
Wadaiko-Trommeln, die bis zu 1,70 Meter Durchmesser haben, nur „Teil ihres umfangreichen Instrumentariums an faszinierenden Klangkörpern und weiteren traditionellen Schlagwerken ihres Landes.“ Doch wer einen Abend lang diese „traditionelle Schlagwerken“ und ihre KünstlerInnen über sich brausen läßt, merkt schnell, wieviel ehrlicher folgende Zitate klingen: „Sie sind jung, kraftvoll, sexy und athletisch“ oder „Nicht zuletzt sind ihre durchtrainierten Körper eine besondere Augenweide.“ So erklärt sich nämlich auch die unverständliche ohrenbetäubende Begeisterung des Publikums – denn wie viele genießen hier wohl einfach das imposante Schauspiel maskuliner Kraft nackter, gebräunter, schweißglänzender Oberkörper und muskulöser, die engen Hosen fast sprengender, Schenkel in erotischem Grätschstand. Fairerweise muß aber zugestanden werden, dass die zahlenmäßig zwar üblicherweise unterrepräsentierten Frauen hier nicht nur als liebreizende Zierde mit Flöte oder Becken eingesetzt werden, sondern genauso an die mächtigen Trommeln, die seit jeher männlich assoziiert werden, dürfen. Durch anmutig schwebende Gewänder oder körperbetonte Outfits werden sie aber sogleich wieder in das klassische Rollenschema verwiesen.

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Das Hauptaugenmerk liegt jedoch unzweifelhaft auf dem starken Geschlecht, das durch ein minimalistisches Bühnenbild mit warmen Naturmotiven, schlichte schwarze Kleidung und gezielte Lichteinsätze optimal zur Geltung kommt. So fasziniert eine Riesentrommel, an deren Vorder- und Rückseite zwei fast winzig erscheinende Männer simultan oder versetzt wie in einem Chor, stehen und der Bespannung raumfüllendes, aber zugleich trippelndes Dröhnen entlocken, hypnotisierend-langsame Schläge, von Regenrieseln bis Donnersturz, ein dreidimensionales Klangerlebnis schaffen.
Von ganz anderer Stimmung zeugt dagegen eine Nummer, bei der sechs Männer und eine Frau in der ersten Reihe vor ihren Trommeln stehen, dahinter zwei andere Frauen. Durch makellose Übereinstimmung in der Bewegung entsteht so ein ekstatisches Ballet perfekter Synchronität, das bei den trommelnden Frauen ausdrucksstark wirkt, in Bezug auf die Herren aber auch schon mal Neandertaler-Assoziationen weckt. Einfach atemberaubend sind die virtuosen Wellen und die unglaublich schnellen Kreuzwechsel zwischen den Instrumenten. Insgesamt aber sind die einzelnen Nummern oft strapaziös lang und werden durch merkwürdig-barbarisch anmutenden Grölgesang, Schreie und andere kaum identifizierbare Laute gestört. Zudem darf nicht der Fehler gemacht werden, eine Show zu erwarten. Denn „TAO“ ist ein Konzert, ein zweifelsohne meisterhaftes, aber doch ein Konzert, dem Charme, Witz und die ironische Leichtigkeit von Darbietungen wie zum Beispiel „Stomp“ fehlen. „TAO“ hingegen bietet mehr „schwere Kost“ mit traditionell-historischem Akzent, mehr Japanreise oder bewegte Kunst als ein musikalisches Spektakel.

 

Tickets bekommt ihr hier

 



Autor:
Natascha Salem
Photos:
Pressefreigaben


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