bumbanet magazine ::: Das Phantom der Oper – Rosengarten Mannheim ::: music sports and urbanstyle ::: www.bumbanet.debumbanet ::: music sports and urbanstyle ::: www.bumbanet.de
Es ist eines der bekanntesten Musicals überhaupt, und, wie bei so vielen anderen auch, fast untrennbar mit dem Namen Andrew Lloyd Webber verknüpft. Eigentlich schade, wenn bedacht wird, daß Webber das Phantom als sehr eindimensional, schlicht grausam und mysteriös darstellt.
Die Interworld-Produktion Karl Heinz Strackes nach dem Skript von Karlheinz Freynik und Ingfried Hoffmann hingegen widmet sich mehr der tieferen Seite, die unter der Oberfläche vor sich hin brodelt, den „mystischen Gegensätzen von Diesseits und Jenseits, von Unterwelt, Hässlichkeit und Grauen mit seinem Gegenpol von der menschlichen Sehnsucht nach Liebe, Schönheit und Erfolg“. Oder, wie es Phantom Erik selbst ausdrückt: „Was ist meine Hässlichkeit gegen Eure Mittelmäßigkeit?“. Als Dreh- und Angelpunkt setzen Freynik und Hoffmann denn auch keine effektbetonte Geisterwelt, sondern einen wirklichen Menschen, ein vor Einsamkeit leidendes, künstlerisches Wesen, das an der gesellschaftlichen Zurückweisung, seiner Sehnsucht nach Liebe und seinem Haß auf die Menschen zugrunde geht. Seinen zart-süßen Gegenpol bildet das hochbegabte, aber naive Chormädchen Christine, das im Phantom den „Engel der Musik“, eine geliebte Fantasiegestalt aus den mütterlichen Erzählungen, sieht. Während jedoch Erik ein, zwar ungewohnt korpulentes und irgendwie rockrebellenartiges, stimmgewaltiges, kraftvoll-düsteres, gequältes und doch nicht so recht bemitleidenswertes Phantom gibt, wurde bei Christine der Eindruck der zerbrechlichen Unschuld trotz blonder Locken, engelsgleichem Gesicht und glasklarer Stimme verfehlt. Denn auch die feinsten Züge lassen sich in brauner, zentimeterdick aufgespachtelter, Theaterschminke ertränken. Insbesondere der Kontrast zur schrillen, violett- und glittergeschminkten Paradiesvogel-Diva Carlotta will sich so nicht recht einstellen.
Überhaupt müssen die Stimmen der DarstellerInnen als größtes Plus dieser Inszenierung gelten, denn weder weist die Geschichte besondere Höhepunkte auf, noch heben sich die Charaktere stark von der Masse ab, oder verstehen die Lieder, leider gänzlich frei von jeglichen Hitqualitäten, Emotionen zu wecken. Alles in allem stellt sich die „Show“ als langweilig-zähes, uninspiriertes Potpourri unpassender Balletteinlagen, zumeist einfallsloser Dialoge und stimmlich schöner, aber musikalisch gefühlloser, Gesänge dar. Mehr Oper als Musical, mehr drittklassiges Theater als aufwühlender Thriller, enttäuscht diese Inszenierung insbesondere BesucherInnen, die die bekannte Webber-Version erwartet haben, mit all ihren geheimnisvollen Elementen, ihrer aufwändigen Bühnentechnik und natürlich ganz besonders ihren eingängigen „Ohrwürmern“. Hinzu kommt, dass damit geworben wurde, die ganze Show finde „komplett in deutscher Sprache“ statt, dieser Genuß aber durch die Akzente und Sprachfehler diverser DarstellerInnen beträchtlich getrübt wird. Viele mögen es deshalb als Betrug empfinden, dass sich in den Vorankündigungen keine klaren Hinweise darauf finden lassen, dass es sich bei dieser Produktion um eine gänzliche Neuinterpretation des bekannten Klassikers handelt.
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Zwar überzeugt sie durch köstliche, subtile Ironie – wenn auch leider viel zu selten –, die sich gelegentlich verbal äußert, mehr jedoch auf visueller Ebene. Das kann von kleinen Seitenhieben gegen ein abstraktes Publikum, welches zum ersten Mal die Pause in einer Vorstellung als Strafe empfindet, über bewußt kitschig gehaltene Bühnenbilder inklusive Disconebels, oder äußerst skurrile Kostüme bis zu Rundbögen gehen, die sich, einem Spiegel der parallel stattfindenden menschlichen Verbindung gleich, sanft aufeinander zu bewegen, nur um im letzten Augenblick aneinander vorbeizugleiten.
Auch die Spezialeffekte vermögen durchaus zu überraschen: So beginnt ein Ikonenbild, aus sich heraus zu leuchten, erschrecken unvermittelte Schüsse, dumpfes Nachhallen dämonischen Lachens, neben der Bühne, unter der Bühne, aus der Bühne, oder lautes Knallen, das zusammenzucken läßt, gefolgt von Lichtblitzen und Flammenbünden, die auf der Bühne auflodern, so nah, dass auf den vorderen Rängen die Hitze körperlich gespürt wird. In diese Kategorie fallen denn auch die unwillkürlich Ekel oder bestenfalls naturwissenschaftliches Interesse erregenden, übergroßen Attrappen von Skorpion und Heuschrecke, die, Christine als Teil eines potenziell todbringenden Rätsels vorgestellt, in unheimlichem Lichtflackern zu abscheulichem Leben erweckt scheinen. Auch hier tritt Doppeldeutigkeit zutage, denn wollte man diese Tiere als Andeutung auf die biblischen Plagen sehen, so könnte mensch die schauderlich-dissonante Komposition, mit der Erik Christine quält, als Symphonie der Hölle und somit als Strafe deuten.
Letztendlich aber soll ein Musical durch seine instrumentale Kraft begeistern – was Interworld mehr als haarscharf verfehlt hat.