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Musical Starlights
Mannheim
Rosengarten

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Sternenlichter versprach dieser Abend, gähnende Dunkelheit ließ er zurück. Langeweile vom Feinsten, Grauen von solcher Perfektion, dass einen Anfang zu finden unmöglich erscheint: Unpassende, aus dem Zusammenhang gerissene Instrumental- Ouverturen und –einlagen, billigste Kostüme, wohl aus dem Schultheaterfundus,  wackelige Tanzdarbietungen, die einen um die Gesundheit der Zappelnden bangen lassen, DarstellerInnen, deren Mittelmäßigkeit sich nahtlos in die schablonenhafte Leere des „Bühnenbildes“ einreiht, eine Akustik wie aus dem Blechdosen-Bindfaden-Telefon, ein fast eindimensional wirkendes, vielmals zu leises, Orchester, Choreographien, so lahm, dass es selbst einer Schnecke zu bunt würde, Duette, dissonant genug, um selbst Laien gruselige Schauer über den Rücken zu jagen.

Was nützen noch so viele Akteure („mehr als 60 Mitwirkende“, werben die VeranstalterInnen), wenn die meisten (vor allem die männlichen) zum Davonlaufen schlecht sind? Die weiblichen Akteure beeindrucken zwar durch Stimme und Körpergefühl, irritieren aber durch ungesunde Körpermaße: So hat zwar die Evita-Darstellerin unbestritten eine gute Stimme, aber seit wann war Eva Perón magersüchtig? Oder, anders ausgedrückt: Wo, bitte, findet eine solche Stimme in diesem Skelettgestell noch Platz? Die Kleine Meerjungfrau hingegen hat mal eben die ätherische Schönheit eines Wassergeistes mit der Fülle eines Flußpferdes vertauscht. Man füge überstark forciertes Tempo hinzu, und so können schnell selbst die schönsten Lieder verhunzt werden (Ob auch die Musiker diese Performance-Parodie nicht länger ertragen konnten?).

Sogar die wenigen gute Ideen werden konsequent verdorben: Zwar war es wirklich angenehm, dass auf der animierten Video-Leinwand immer der entsprechende Musical- /Disneyfilm-Name angezeigt wurden – aber wie viele ZuschauerInnen kennen wohl den englischen Originaltitel? Und die Idee, mit dieser bewegten LCD-Tafel beinahe ein komplettes Bühnenbild ersetzen zu wollen, ist einfach grotesk.

Diskutiert werden sollte zudem das Konzept in sich: So wurde alleine auf ein Potpourri des Musical-Monopolisten Andrew Lloyd Webber gesetzt, dem man „Hits“ aus den Filmen des Zeichentrick-Monopolisten Walt Disney beimischte, wobei Broadway-Größen wie „West Side Story“, „Les Misérables“, „Hair“ „My Fair Lady“, „Miss Saigon“, „A Chorus Line“, „Hello Dolly!“, „Rocky Horror Show“, „The King and I“, „The Sound of Music“, “Mary Poppins” oder “Tanz der Vampire” völlig übergangen werden.


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Doch um nun einige „Glanzleistungen“ im Detail zu nennen:
Aida: „Gesang“, der Mikrofon wie Gehörgänge gnadenlos überstrapaziert. Gewandung wie Bademantel (sie) und billigste Touri(sten)fummel (er).
Cats: Kostüme, welche allein aufgrund der Bürstenkopf-Perücken einen Preis für Unkreativität verdienten (vielleicht in der Hoffnung, es fiele niemanden auf?). Die Hauptsängerin aspiriert zudem so stark, dass es einem komplett den Genuß an der Stimme verdirbt.

Der Glöckner von Notre-Dame: Der, im englischen Original „Bucklige“ genannte, beweist Modebewußtsein: Chic ist halt mehr Bodenwelle als Buckel. Das Soldatenkostüm dagegen um so weniger: Mit Gürteln und Stiefelschäften wie angeklebt, erscheint es wie aus dem Faschingsdiscounter. Dazu „Schauspielerei“, die selbst leiderprobte Bühnenbretter verzweifelt nach Erlösung schreien läßt
Die Kleine Meerjungfrau: Zum ersten und letzten Mal präsentieren sich hier nette Einfälle (wie springende Plüschfische mit LED-Augen, Möwen an der Wasseroberfläche, ein Hai, der einen Taucher jagt), ein Hauch von Humor, aber leider kaum phantasievolle Bekleidung.

Die Schöne und das Biest: Statt zierlicher Belle tanzt sich hier ein plumpes Pummelchen geradewegs aus unseren Herzen heraus, während auf das Biest gleich ganz verzichtet wurde – oder war dieser lahme Tänzer an ihrer Seite einfach nur sehr schlecht verkleidet?

Der König der Löwen: Bizarre Besen aus einem Paralleluniversum tanzen als „raffinierte“ Kopfbedeckung – warum nicht, wenn der Rest genauso billig wirkt? Auch die anderen Kostüme stellen eine geschmacklose Beleidigung der Augen des noch nicht in den Schlaf gesunkenen Publikums dar: Ein dümmlich-grinsender Timon, und ein abgehackter Riesen-Pumba-Kopf an (nicht etwa auf!) einem spindeldürren, wahrscheinlich mit Zeitungspapier zu einem Warzenschwein-Hinterteil ausgestopften, Menschen im braunen Anzug machen mehr Angst als Freude. Den Abschluß dieser Visual-Kackophonie bilden blendende Lichter und ein erschreckend unharmonisches SängerInnenpaar.

Pocahontas: Beeindruckt durch dahingejagte „Colours in the Wind“ im lieblos zusammengeschusterten Stoffetzen vor beinahe leerer Bühne an einem völlig ungewohnten - nämlich nett gestalteten - und durch Luftstrom bewegten Fluß.
„…woher der Wind weht“: Schockt durch etwas ganz Neues: einen Gospelchor, der gewandet in schreiend-grelle Bonbonroben, sich im zuckenden Discolicht, anscheinend der Ekstase eines Techno-Raves hingibt.

Und so bleibt denn - vielleicht allenthalben - der Eindruck: Gebt mir diese zwei Stunden meiner Lebenszeit zurück! Denn nicht allein ist jeder Euro Eintritt für diese Musical-Farce eine Unverschämtheit (wer professionelle Preise verlangt - immerhin 35 Euro für die billigsten Plätze -, muß auch Professionalität bieten), sondern auch jede Minute frevelhafte Zeitverschwendung – und recht bedacht sogar jede einzelne Zeile, die daran verschrieben wird.

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Autor:
Natascha Salem
Photos:
Pressefreigaben


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