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Infos Live: Monumentum 2 im Rahmen des WGT News


25.05.2007
Leipzig

 


Zur Eröffnung des 16. Wave-Gotik-Treffens in Leipzig haben sich die Veranstalter dieses Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Nicht einfach ein Eröffnungskonzert, sondern ein Spektakel aus Licht und Ton vor der beeindruckenden Kulisse des Völkerschlacht-denkmals.

Der schwarze Koloss, mit 91 Metern das höchste Denkmal Europas, wurde im Jahr 1913 zum hundertjährigen Gedenken der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 erbaut und mit zahlreichen freimaurerischen Symbolen versehen. An diesem Abend soll er mit Musik und Licht aus der Dunkelheit geholt und zum Leben erweckt werden. Zu Tausenden strömt das schwarze Volk dem Spektakel entgegen und auch zahlreiche bunt gekleidete Normal-Leipziger lassen sich vom freien Eintritt anlocken: „Gruftis-gucken“ ist hier für viele zu Pfingsten ein beliebtes Hobby geworden. Um die Wartezeit zu verkürzen, bietet eine Feuershow Kurzweil und Einstimmung zugleich. Und dann, gegen 23 Uhr, beginnt es zu nieseln – und das, obwohl es sich bereits bei einem Gewitter am frühen Abend abgeregnet hatte. Wie Pilze wachsen die Regenschirme aus der Menschenmasse und versperren die Sicht auf das Denkmal, das sich schwarz kaum vor den bleigrauen Wolken abhebt. Als der Donner grollt und der Regen stärker wird, ziehen sich die ersten Zuschauer ohne Schirm zurück, die Masse drängt sich weiter zusammen. Dann die letzten Beleuchtungstests, bevor um 23.12 Uhr das Spektakel beginnt. Mit Licht wird der Titel „Monumentum 2“ auf das Denkmal projiziert, die Musik setzt ein, rotes Lichtgewaber hüllt die Steinstatue des Erzengels Michael in Feuerschein. Pyroexplosionen zerreißen die Dunkelheit und der aufsteigende Rauch wird von hinter dem Denkmal angestrahlt, grün, blau, lila und gelb. Die zum Auftakt dramatische Musik wird etwas ruhiger, das Bauwerk ragt als von hellem Licht eingerahmte Silhouette aus der Nacht. Rechts und links am Fuße des Denkmals stehen zwei weiße Pavillonzelte, in denen die Musiker Aufstellung genommen haben: die Brüder Klive und Nigel Humberstone von der englischen Gruppe „In The Nursery“, deren Kompositionen auf einzigartige Weise klassische und elektronische Musik verbinden und oft an Filmmusik gemahnen. Ihre Musik für „Monumentum 2“ bedient sich neben Eigenkompositionen auch Themen von Richard Wagner, Edvard Grieg, Gustav Mahler und Franz Liszt, deren Gemeinsamkeit ihre besondere Beziehung zu Leipzig ist.

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Zunächst wird an der Basis des Denkmals mit Formen und Farben gespielt. Der Engel wird rot hervorgehoben und mit Flügeln aus gelbem Licht versehen, ein blaues Kreuz auf die Oberfläche projiziert. Zur von der In The Nursery-typischen Military Snare dominierten Musik strömt ein Wasserfall aus blauen Licht die Vorderfront herab, dann werden die Fenster abwechselnd lila, blau, rot und gelb erleuchtet, dem Takt der Musik folgend – aus der Menge brandet Jubel auf. Die Musik schwillt jetzt sanft an, düstere Orgelklänge paaren sich mit zarten Streichern und das Denkmal scheint tatsächlich zum Leben zu erwachen: Die drei kleinen viereckigen Fenster wirken wie Augen, das große Bogenfenster darunter wie ein aufgerissener Mund. Als nächstes werden zu den Klängen von Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ die Kriegerstatuen auf der Kuppel des Denkmals in raschem Wechsel der Farben angeleuchtet, mal auf Paukenschlag einzelne Figuren, dann wieder das Ensemble. Erneut brandet Jubel auf. Zu den geheimnisvoll-düsteren Klängen des Stücks „Kryptka“ vom letzten In The Nursery-Album „Era“ recken Himmelsstrahler wie Lichtblitze ihr Finger in die Nacht, erst weiß, dann in verschiedenen Farben. Anschließend werden erneut die Kriegerstatuen illuminiert, erst blau-grün, später rot und orange. In Verbindung mit den Nebelwerfern scheint es, als stünde das Denkmal in Flammen. Die Farbpalette wechselt zu Lila, Blau und Pink, bevor das ganze Denkmal zu fast ätherischer Musik in gelbes, dann grünes Licht getaucht wird. Das Schauspiel ist bombastisch. Äußerst störend wirkt nur der Kamerakran, der penetrant alle zwei Minuten über die Menge schwenkt und dabei auch noch das bißchen Sicht versperrt, das die Regenschirme übriglassen. Plötzlich versinkt alles wieder im Dunkeln, nur die Kriegerstatuen werden weiterhin angestrahlt. Doch nicht lange: Die Himmelsstrahler vereinigen sich zu einem grandiosen Lichtdom, der das Denkmal wie eine konische Doppelpyramide einhüllt und bis in den Himmel ragt. Ritter und Monument werden nun nochmals in verschwenderische Farben getaucht, gelb und lila, dann die Fenster weiß und der Rest des Denkmals rot.

Gegen 23.45 Uhr hört der Regen langsam auf und die Schirme werden zusammengeklappt, so dass die Zuschauer freie Sicht auf das Finale haben: Zum zweiten Mal hüllen die Himmelsstrahler das Denkmal ein und schaffen ein Bild von ausgesuchter Schönheit. Anhaltender Jubel ist die Folge, Zugabe-Rufe werden laut, als das Denkmal dunkel und von Nebel umwabert zurückbleibt. Vielleicht als Antwort darauf erfolgt ganz unerwartet doch noch eine Illumination: Die Kriegerstatuen werden rot erleuchtet, aber ohne Musik. Das Spektakel ist nach einer starken halben Stunde vorbei und die Menge zerstreut sich in die Nacht – zahlreiche Partys warten in den Clubs der Stadt auf die Gothic-Fans. Die Eröffnung des Festivals hat den Zuschauern gut gefallen, auch wenn das Wetter nicht mitgespielt hat und die Sicht durch die Schirme beeinträchtigt war. Sigrid und Bernd aus Leipzig sind als „Normalbürger“ mit schwarzgewandetem Sohn und ebensolcher Schwiegertochter zum Völkerschlacht­denkmal gekommen. Ihnen hat es „sehr gut“ gefallen und sie sprechen aus, was überall zu hören ist: Monumentum 2 war „ein würdiger Auftakt des 16. Treffens“. 

 

 

Autor:
Louisa Knobloch
Photos:
Louisa Knobloch


Bumbanet Magazine

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