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Infos Live: Melt! Festival 2007 News


13. bis 15. Juli 2007
Ferropolis

 


Endlich soll es wieder warm werden - so richtig warm. Für den Sonntag sind bis zu 34 Grad Celsius angesagt, auch der Freitag und der Samstag sollen jedoch regenfrei und äußerst warm daherkommen. Nachdem das Line Up dieses Jahr einmal mehr sensationell ist, scheinen die Weichen für ein grandioses Festival gestellt zu sein.

Doch irgendwie sind es letztendlich genau diese beiden Faktoren, die das Wochenende auch etwas schwierig gestalten. Da wäre zum einen das Wetter: Wie und vor allem wann soll man zum schlafen kommen, wenn man bis sieben Uhr morgens Bands und DJs anguckt, es aber ab neun Uhr bereits zu heiß ist, um im Zelt zu liegen? Schwierig. Ich rechne nach und komme auf insgesamt zwei Stunden Schlaf, mehr ging nicht. Das andere Problem ist paradoxerweise das famose Line Up: Aufgrund der unzähligen sehenswerten Künstler bleibt einem nichts anderes übrig, als einen Super Act nach dem anderen zu verpassen, man muss immer Prioritäten setzen. Nachdem es zusätzlich erstmal ums warm trinken geht, müssen die ersten Bands ohnehin gänzlich ins Wasser fallen. Später dann die große Entscheidungskrise: Die Freitags-Entscheidung für The Notwist und deren einziges Deutschland Konzert im Jahre 2007 erweist sich leider als Fehler. Technische Probleme und kein "Consequence" sorgen dafür, dass es nur ein durchschnittliches Konzert bleibt. Parallel spielen die Puppetmastaz drüben im Zelt einen sensaionell berauschenden Auftritt, wie man so hört - nutzt aber nix. Ansonsten lässt es der Freitag eher ruhig angehen, die großen Höhepunkte warten erst am kommenden Samstag. Doch erstmal sorgen auf der Hauptbühne Dizzee Rascal und sein Anabolika-Back Up für mächtig Wirbel. Der Auftritt ist zwar im Großen und Ganzen nichts Besonderes, Dizzees Flow und Auro hingegen aber schon, weshalb es sich durchaus rentiert, in den ersten Reihen pompös herumzuhüpfen. In diesem Atemzug fällt mir ein: Das Besondere am Melt! ist, dass es hier immer möglich ist, auch bei später Ankunft an der Bühne, einen guten Platz zu ergattern. Hier wird nicht gedrängelt, hier wird getanzt. So entsteht Platz und Luft, sehr gut. So geschieht das dann auch bei DJ Koze, welcher auf der Big Wheel Stage ein sehr lässiges Set herunterrockt, bis die Sonne aufgeht. Das Drumm&Bass Massaker von Goldie und seinem MC LowQui ist mir hingegen ein Stück weit zu stressig. Also: ab ins Zelt. Schlaf von sechs bis acht, danach heißt es ab in den See. Der restliche Tag wird sich ausgeruht und mental auf den unfassbaren Samstag Abend, Nacht vorbereitet.

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Den Anfang für mich geben die Shout Out Louds, welche bereits um 18.20 auf der Main Stage spielen. Solides Ding, in kleinen Clubs dennoch wesentlich passender. Auch The Rifles ziehen keine Wurst vom Teller, Gitarrengeballer ohne Seele, zumindest kommt es hier so rüber. Danach passiert dann aber endlich der erste heftige AHA-Moment. Hot Chip betreten die Bühne, fakeln sie trotz technischer Probleme ab, hinterlassen eine tobende und staunende Menge - großes Kino. Mit Tocotronic geht es im Anschluß gleich weiter, sie sind gut drauf, spielen eine Art Best-Of Set und drehen nach dem finalen "Hi Freaks" nochmal alles auf, damit das Ohr auch ja einen Schaden davonträgt. Noise galore zu einem sich am Boden wälzenden Dirk von Lowtzow. Danach geht es schnell, hier ein bisschen Mouse on Mars, dort ein wenig Trentemöller, dann etwas Booka Shade. Man will ja nichts verpassen - man muss aber. Kelis beginnt nun eine Stunde zu spät auf der Hauptbühne ihre Show, doch zuvor erzählt sie, dass all ihr Gepäck verloren gegangen sei und sie nun ohne Unterwäsche auf der Bühne stehen müsse. Freilich stürze ich mich daraufhin umgehend in den Graben, bewaffnet mit einer Digitalkamera. Musikalisch eher "Geht so", optisch aber eine glatte eins. Darf auch mal gesagt werden. Im Anschluß wieder rüber auf die Gemini Stage, Digitalism bitten zum Tanz. Die beiden Hamburger waren für mich eine der größten Vorfreuden überhaupt, doch letzten Endes leider die größte Entäuschung des Festivals. Musikalisch zwar schon ganz okay, doch so arrogant und posig, dass mir irgendwann die Lust vergeht und ich genervt von dannen ziehe. Dann lieber zum Asia Mann und die leckere Asia Nudelpfanne mit gehörig scharfer Soße ins Gesicht. Nun gibt es noch ein wenig Jan Delay als Zeitvertreib, ein großes Feuerwerk, bevor die Sonne aufgeht und das große Highlight bringt: Deichkind. Die Jungs sind diesmal der krönende Abschluß, zerstören alles bisher niemals Dagewesene, hüpfen auf einem Trampolin auf den Händen des Publikums, surfen in Schlauchbooten durch die Menge, drehen alles komplett durch. Wahnsinn. Zwischendrin folgt der Auftritt von Fraktus, einer Fantasieband von Studio Braun, welche die Gelegenheit nützen um für ihren Film zu drehen, in welchem auch Christian Ulmen zu sehen sein wird. All dies kann dennoch getoppt werden, der Wahnsinn hat einen Namen: Snap. Um halb sieben Uhr morgens betritt Snap die Bühne und die Menschen drehen durch, als die ersten Takte von "Rhythm is a Dancer" erklingen. Ein mehr als würdiger Abschluß.

Was bleibt? Ein grandioses Festival mit unglaublich lockerer Atmosphäre, ur-angenehmen Menschen, frei von Proleten, vollgestopft mit schönen Menschen und noch viel schönerer Musik. Wer das nicht miterleben will ist selbst Schuld.

 

Autor:
Stefan Kronthaler
Photos:
Stefan Kronthaler


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