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Infos Live: Mama Africa – Circus der Sinne – im Mannheimer Rosengarten News


Mama Africa – Circus der Sinne
Mannheim
Rosengarten

Tickets bekommt ihr hier

 

 


Einen Sinnesrausch voll ehrlicher Schönheit, fernab von zirkuseigener Tierquälerei und Hellerschem Prunk bietet diese außergewöhnliche Produktion der African Acrobats Association unter der Leitung des zimbabwischen ausgebildeten Artisten Winston Ruddle.

Das komplette Konzept ist stimmig und glaubwürdig: Beginnend bei der Auswahl der Artisten von der Straße weg über das Trainingslager in einer „Wedding Hall“ mit Betonboden und Wellblechdach, die Schirmherrin Senait G. Mehari, eine ehemalige Kindersoldatin und Kindernothilfe-Botschafterin, die automatische Ein-Euro-Spende pro verkaufter Eintrittskarte, das rein afrikanische Team, über die Elemente afrikanischer Zirkus- und Comedy-Kultur bis hin zu den erdtonigen oder farbenfrohen, zum Teil Stammestrachten nachgearbeiteten, Kostümen jenseits von Hollywood-Glitzer und westlicher Dekadenz.

Diese ganz besondere Motivation und Lebensfreude, Authentizität und Liebe, die man mit Afrika verbindet, durchdringt auch das Programm in seiner prallen Fülle: Bereits die humorvoll-ironische Interaktion, mit der Ruddle das Publikum begrüßt und zugleich „abkanzelt“, vorschlägt, sozusagen als Händeschwenk-Ersatz „kleine Kinders in die Luft zu werfen“, leitet den Grundton ein, in dem von nun an alles schwingt. Und schafft dabei eine Nähe, von der Shows wie „Africa, Africa“ mit ihren 120 KünstlerInnen und einem Zelt der Superlative nur träumen können. Ruddles 30- Artisten-Produktion kommt sicher nicht so orkanartig daher wie sein großer Bruder, aber dafür echter, wärmer, urtümlicher. Nicht zuletzt durch charmante und Wärme schaffende Kleinigkeiten - so die zum Zelt gerafften Stoffbahnen über der Band oder die Kübelpflanzen davor - setzt sie westlichem Spektakulum und anonymer Akrobatik ethnische Phantasie und verspieltes Leuchten entgegen. Sie raubt vielleicht nicht den Atem, aber schubst an, läßt bereits durch die – bis auf passende Lieder wie „Black Magic Woman“ oder „One Love“ - traditionellen afrikanischen Weisen, großartig dargeboten durch stimmgewaltige SängerInnen, eine lebendig-schwungvoll-pulsierende, fast aufgeputschte Atmosphäre entstehen, in dem während mancher Nummern dann auch die ArtistInnen selbst mitwippen müssen (gerne auch mal einen Fußsohlen-Charleston auf Tischplatten hinlegen).

ArtistInnen überhaupt von umwerfendem Charisma. Seien es nun die hinreißend-charmante Zauberin (!), die mit elegantester Fingerfertigkeit Tricks darbietet, der wohl gänzlich angstbefreite Hasardeur, welcher in waghalsigem Balanceakt auf frei „stehender“ Leiter mittels der Füße Plastikschüsseln auf seinen Kopf schleudert, die typisch afrikanische Clown-Nummer der lebendigen Hütte, der göttlich komische Steve Urkel-Fan, der dank speicheliger Gleitflüssigkeit seinen spinnenhaften Körper durch einen entkernten Tennisschläger zwängt, die großartigen – wenn auch leider unangenehm entblößten - SängerInnen und TänzerInnen, welche sich in „Gumbo Dances“ oder wunderschön-wilden Stammestänzen austoben, die anmutige Jongleurin, die das Bekanntgeglaubte so grazil-phantasievoll neu zu erfinden versteht, der Wirbelsäulenlose, der sich im umgeklappten Handstand mit den Zehen eine Zigarette anzündet (ach ja, um es mit Mama Africa zu sagen: „Do not try this at home - Smoking kills!“), die Menschenpyramide, die Stelzengänger, die Schlangenmenschen, die Masken, die, ach, einfach alle.

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(Und) Sie alle sprühen nur so vor liebenswerter Lebenslust und zeichnen sich durch dabei durch solch hemmungslose Spielfreudigkeit aus, dass mensch ihnen kleinere Patzer – oder die grellbunten, psychedelischen Motive auf der Leinwand - nur allzugern verzeiht.

Hier ist eben ständig etwas in Bewegung, und es herrscht eine Stimmung fast wie auf einem Reggae-Konzert, welche selbst die älteren BesucherInnen mitzureißen vermag. Selbst die sonst oft erlösende Pause verkommt in einer Show, bei der selbst aus der KünstlerInnenvorstellung eine Vorstellung in sich, ein Freudenfest kultureller Identität bar platten Patriotismusses, entsteht, zur Qual. Denn diese ArtistInnen laden nicht zum bloßen Anfassen ein, I bewahre, sie verlangen nach Mitmachen: Springen ins Publikum, zerren BesucherInnen auf die Bühne, bauen sie ein in das Programm oder bringen sie zum Tanzen. In entkrampfteren Ländern als der Bundesrepublik hätten solche Animationsversuche sicher zu einem fröhlichen Fest (vielleicht bis in die frühen Morgenstunden) geführt…
Abschließend bleibt denn auch nur ein Manko an diesem großartigen Spektakel festzustellen: Man kann dabei einfach nicht mitschreiben, weil man sofort irgend etwas Tolles verpaßt!

 

Tickets bekommt ihr hier

 



Autor:
Natascha Salem
Photos:
Pressefreigaben


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