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Infos Live: Holiday on Ice “Mystery” – Sap Arena, Mannheim News


Holiday on Ice “Mystery”
Sap Arena
Mannheim

Tickets bekommt ihr hier

 

 


Enttäuschenderweise beeindruckte die diesjährige Holiday on Ice-Präsentation weniger durch fantasievolle Ideen oder Geschichten als vielmehr durch ihr grandioses Zusammenspiel von Choreographie, Lichteffekten, Musik und – obgleich minimaler – Eisbahngestaltung, die der Show zum Teil einen wahrlich märchenhaften Anschein verlieh. Vor allem die, dank Michael Reed wunderschön arrangierten, Hits von „Could it be Magic“ über „Cup of Life“ bis zu „It Takes Two“ schufen eine einzigartige Atmosphäre.
Sonst aber hielt mensch sich an das gängige Rezept für Erfolgsspektakel: ein bißchen Tanz, eine Prise Magie, ein Quentchen Humor, ein Hauch Akrobatik, dazu glitzernde Kostüme und einen ordentlichen Schluck Chartmusik.

Hier wurde nichts gezeigt, was nicht auch bei internationalen Eiskunstlauf-Wettbewerben gesehen werden kann, auch wenn die Figuren bei dieser Darbietung einen ganz eigenen Charme entwickeln, nicht zuletzt durch die clever ausgeklügelten Details jenseits des Tanzes. Zwar wartet der Veranstalter mit einer millionenteuren Materialschlacht auf, für die weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. Sie versteht aber dennoch nicht so richtig zu begeistern. Viele TeilnehmerInnen von Meisterschaften würden durch ihre liebevoll gestalteten Choreographien den Kampf um die Herzen der Menschen sicher eher gewinnen. Die ganze Aufführung gleicht einer Show mit Stars, aber ohne Substanz, einer willkürlichen Zusammenstückung einzelner Szenerien; da kann auch Ehrengast Kati Witt mit ihrem, obgleich anmutigen, aber ebenfalls kontextlosen, Auftritt nichts dran rütteln.

Skurrile Kostüme und comic-haft überdimensionierte Musikinstrumente, eine Alice im 50er-Jahre-Stil und zuckersüß-verruchte Erdbeerbaisers, Highschool-Sweethearts im Schulbus mit Schlittschuh-Antrieb, die ewige Cinderella-Komponente, ohne die wohl kaum eine Geschichte auskommt, eine Sternzeichen-Parade, bei der nur Löwe, Schütze und Widder mehr durch Humor und Ausdruck als durch ein auffälliges Kostüm erfreuten, alleine machen eben noch keinen Wintertraum, sondern allenfalls einen Familienspaß mit Zirkuseffekten. Hierzu paßt auch die spießig-heteronormative Ausgestaltung einer Episode, in welcher ein junger Mann mit Blumenstrauß auf einer Parkbank sitzt und wartet. Beim Eintreffen eines anderen Jünglings springt er sogleich auf und fährt ihm entgegen, doch wer hier freudig-überrascht an ein gleichgeschlechtliches Liebesbild denkt, wird durch das Herangleiten eines – natürlich blonden – Mädchens jäh aus seinen utopischen Träumen gerissen. Das Ganze endet im Machokampf um das auserwählte Beuteobjekt. Schließlich ist die Liebe schon seit biblischen Zeiten Mutter, Vater, Kind vorbehalten.

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Mit einem spanischen Trommler-Trio kommt endlich etwas Schwung in das nichtssagende Glitzergegleite. Allerdings dient auch hier der weibliche Teil wieder als hübsches Zierwerk, das – oh Wunder – auch noch ein wenig Vorführbares kann. Zum ersten Mal tobt die Halle vor Begeisterung, denn die drei beherrschen auch noch eine Art Stock-Steppen.

Wirklich atemberaubend wird es jedoch erst gegen Ende des Abends, als eine Elfenhochzeit im detailverliebten Mystery-Dekor (hieß so nicht auch das ganze Programm?) den Rahmen für den unaufhörlichen Kampf des Guten gegen das Böse liefert. Nachtleuchtende Skelette steigen im Feuerknall aus großen Truhen auf, schweben unterhalb der Decke, werden von den Hütern der Erde gejagt, und verlassen schließlich die Szenerie, um Platz zu schaffen für eine Unmenge häßlich-liebenswerter, tänzelnder Trolle. Beinahe das komplette Team hat sich zusammengefunden, um im jagenden Rhythmus kolossaler Musik eine, die komplette Breite der Eisfläche ausfüllende, Körpermauer zu bilden, die immer schneller, wahnwitzig schnell, um sich selbst rotiert, so schnell, dass es die letzten Eiskobolde schwer haben, das Ende der Kameraden noch zu erreichen. Dieses sensationelle Erlebnis wird jedoch gleich darauf durch das bisherige Glamour-Getingel zerstört. Da hätte sich der Veranstalter den pompösen Namen „Mystery“ auch wirklich schenken können. Schließlich könnte gerade die letzte Darbietung auch geradewegs als „Romanza“ durchgehen: Alle TänzerInnen erscheinen mit riesigen, weiß-irisierenden Schmetterlingsflügeln, die plötzlich durch farblose Lichtschlangen erleuchtet werden, danach durch bunte im Wechsel. Das ganze gekrönt von ein paar Feuerwerks-Fontänen, die aus dem Boden schießen, und die Massen sind begeistert vom Ami-Barbie-Weihnachts-Kitsch.

Tickets bekommt ihr hier

 



Autor:
Natascha Salem
Photos:
Pressefreigaben


Bumbanet Magazine

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