Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unpassende Kleidung. Wie wahr! Dabei war die Hoffnung auf einen besonnten Reggaetag am Morgen noch so groß. Strahlend blauer Himmel und die positive Vorahnung des Herrn Kachelmann am Vorabend ließen keinen Kartenbesitzer zuhause bleiben. Verspäteter Einlass um 12.30 Uhr, das Wetter immer noch in Ordnung. Doch mit dem Beginn des ersten Gigs, den Ohrbooten aus Berlin, begann das Unwetter. Nur wenige feierten anfangs vor der Bühne im Regen mit, für die Jungs von Ohrbooten war dies kein Problem.
Bis zu den nächsten Acts Culcha Candela und Martin Jondo hatte sich der schlammige Platz im vorderen Bereich ein wenig mehr gefüllt und ein Teil der Menge war trotz Gummistiefel zum Tanzen bereit. The Locos läuteten darauf hin die nachmittägliche Reggaepause ein. Der Ex-Frontsänger der Gruppe Ska-P bot den rockigsten Höhepunkt mit Trompete und Posaune und hatte es damit schwer, die Massen zu motivieren, da diese zum größten Teil für die Reggaemusik angereist waren.
Auch die folgenden zwei Acts, Kosheen und Calexico hatten es schwer und schafften es leider nicht das Publikum wieder vor die Bühne zu reißen. Neben einem kleinem harten Kern, der sich weiterhin die vordersten Plätze zu sichern versuchte, hatte sich der Großteil der Zuschauer nach hinten auf die noch intakte Wiese und Bierstandplätze zurück gezogen. Das lag jedoch keinesfalls an einer schlechten Performance der Musikmachenden. Die Gruppe Kosheen überzeugte mit stampfenden elektronischen Beats, die bei besserem Wetter jeden zum Wackeln gebracht hätten und auch die Wüstenrocker Calexico machten ihre Sache für die Verhältnisse mehr als gut. Zwischenzeitlich beschäftigten sich einige Besucher schon mit Schlammkettchen und Rutschpartien mittels Luftmatratze.
Passend zum Start des ersten Mainacts hörte auch der Regen auf und der knöchelhohe Matsch schien auch keinen mehr zu interessieren. Alles schob sich nach vorne um Gentleman und die Far East Band zu feiern. Der Kölner gab seine Singles und Lieder des letzten Album zum Besten und holte seinen alten Freund Martin Jondo wieder auf die Bühne. Zum Ende hin verließ Gentleman und die Band mehrmals die Bühne, kamen aber jedes mal mit Zugaben zurück, obwohl diese keiner lautstark verlangte.
Nachdem die Band fertig war, startete ein längere Pause und ein roter Vorhang verhinderte ein Blick auf die Umbauarbeiten, welche die Bühne um weitere Ebenen, Lichter und Stroboskope erweiterten. Auch der Sound wurde für Seeed noch mal ein Stückchen weiter aufgedreht, der Himmel wurde dunkel und der Schlamm zwischen den Füßen war vergessen, die Stimmung war perfekt. Auch die elf Jungs aus Berlin präsentierten hauptsächlich Stücke des letzten Album, teils verpackt in interessanten Remix Versionen und brachte die Menge zum Tanzen und Springen. Die Lichtershow ließ helle Punkte im Blickfeld und der Sound ein Piepen in den Ohren zurück.
Die darauf folgenden Stereo MCs fungierten als ungewollte Rausschmeißer, denn der Größte Teil der Zuschauer hatte das Festivalgelände nach Seeed verlassen, man war durchgenässt und hatte schon seit zwölf Stunden im Matsch gestanden, Spaß gemacht hat's trotzdem. Vor jedem Gig gab Ingo Popp, der Chef der veranstaltenden Konzertagentur Poppconcerts sein Bestes. Er ließ es sich nicht nehmen jeden Gig höchstpersönlich anzusagen.