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Infos Live: Carlos Santana Neu


23.05.2006
Köln
Kölnarena


Ich sehe Bauchladen-schwangere Sektverkäufer, Rucksack-beladene Zapfsäulen-Bierverkäufer und mit Brezeln behangene Kleiderständer-Träger. Wo bin ich? Natürlich im Hedonisten-Tempel: Kölnarena.

Dies wird mir dann auch spätestens bewusst, als eine sanfte Stimme per Lautsprecher-Ansage mitteilt: „Liebe Gäste, gönnen Sie sich eine Pause an unseren Gastronomie-Stationen ...“ Hier findet kein Konzert statt, sondern ein Event. Auch die Vielfalt der hier flanierenden Personen, die eher einen Querschnitt aller Bürgerschichten repräsentiert, vermittelt eher den Eindruck einer Menschenmasse, die sich beim Einkaufen durch die Stadt schlängelt. Ob groß oder klein, dick oder dünn, alt oder jung; das einzige, was man vermisst, ist das eigentlich zu erwartende lateinamerikanische Flair, angesichts der Tatsache, dass Carlos Santana sich heute die Ehre gibt. Stattdessen tönt die Original-Version von „Lady Marmelade“ aus den Lautsprecher-Boxen über die Gänge und auf den Monitoren wird auf die kommenden Events, wie „Pur“, „Michael Bublé“ oder das Oktoberfest im September hingewiesen, begleitet von bayrischer Bierzelt-Blasmusik. Ob das den eingefleischten Santana-Fan interessiert?

Mir gelingt es jedenfalls noch gerade so, vor Konzertbeginn mein XXL-Menü (ein Kölsch im 1-Liter-Plastik-Becher mit einer ½-Meter-langen Bratwurst im aufgewärmten Baguette-Brötchen) zu verdrücken, als mich bei meinem Vorhaben, in die Höhle bzw. Hölle des Innenraums hinabzusteigen, ein Mann mittleren Alters von hinten anspricht, ob ich meinen Stehplatz gegen seine teurere Sitzplatzkarte eintauschen will. Dankend willige ich ein, da ich mir die im Endeffekt 3 ½ Stunden dauernde Stehtortur nicht unbedingt antun möchte. Kaum habe ich Platz genommen, da erscheint pünktlich um 20.00 Uhr eine unspektakulär gekleidete Truppe vor spartanisch gestaltetem Bühnenbild. Es ist die Salvador Santana Band. Schon mal was von gehört? Ich auch nicht, aber wie man sich denken kann, handelt es sich bei dem Kopf der Band um den Sohn Carlos Santanas, dessen Stücke zum Teil sehr jazzig klingen und bei dem, sobald er selbst das Mic in die Hand nimmt auch mal Hip-Hop-Vocals angeschlagen werden, natürlich jeweils unterlegt mit einem lateinamerikanischen Rhythmus. Ansonsten ist er in seiner Funktion wohl auch schon in die Fußstapfen seines Vaters getreten, da er sich meist im Hintergrund, also hinter den Tasten seines Keyboards aufhält. Die anfänglich als Backround-Sängerin vermutete Schönheit entpuppt sich nach einer Weile als die eigentliche Frontfrau und heizt den Zuhörern und Zuschauern mit ihrer kräftigen Stimme ein. Wie immer ist natürlich auch ein Multiinstrumentalist dabei, der mal das Saxophon an den Lippen hat, dann die Flute wie Ian Anderson von Jethro Tull und wenn er dann nix zu tun hat, schnappt er sich Percussionsinstrumente und singt dazu.

Wie aus dem Nichts steht nach einer guten halben Stunde plötzlich ein im weißen Anzug mit Bundfaltenhose gekleideter Mann mit dunkler Leder-Schirmmütze auf der Bühne, nachdem schon einige Klänge seiner Gitarre über die Lautsprecher gingen: Carlos Santana. Man rechnet mit einem fliegenden Wechsel aber nach einer weiteren viertel Stunde ist erst einmal Pause angesagt, wie im Kino bei Überlänge. Geordnet schlagen sich die Menschen von den zum Teil gerade erst eroberten Plätzen wahlweise zur Toilette oder zum Bierstand durch, um nochmal aufzutanken bzw. abzulassen und zehn Minuten später geht’s schon weiter. Auf einer Videoleinwand direkt halbrechts über der Bühne sieht man bei einigen Stücken Videos von tanzenden afrikanischen Eingeborenen-Stämmen, manchmal auch Ausschnitte aus Santana-Videos und dazu gibt es dann viele alte Klassiker zu hören, wie „Oye como va“, „Black magic woman“, „No one to depend on“. Santana hat zwischenzeitlich seine Leder-Kappe gegen einen seriöser wirkenden weißen Hut getauscht und irgendwie hat man das Gefühl, dass er weniger der Kölnarena die Aufwartung macht, als dass er sich vielmehr im Scheinwerfer-Licht sonnt, genießt und das Gefühl vermittelt, alle seien für ihn, zu seiner Party gekommen. Vocal-Parts wechseln sich mit teils ausufernden Instrumental-Übergängen ab, aber von „Samba pa ti“ nicht eine Spur. Dafür aber alle Hits des „Supernatural“-Albums von ’99, von dem „Maria, Maria“ den Anfang macht und plötzlich keimt echte Stimmung auf.


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Die ersten sitzenden Menschen erheben sich von ihren Plätzen und klatschen (sogar im Takt) und der vor mir, nimmt sogar (echt kein Witz) sein Opernglas raus, um sich die Sache von näherem zu betrachten. Die einzig übrig gebliebene unbesetzte Fläche (natürlich im Innenraum) hinterm Mischpult wird zur Tanzfläche umfunktioniert. Immerhin sind außer dem Schlagzeuger, der sich später bei seinem bestimmt 10-minütigen Solo noch als Tier herausstellen soll, auch noch zwei Percussionisten am Werk, eine Musikerspezies, die angesichts immer ausgefeilter werdender Elektronik-Synthie-Sounds vom Aussterben bedroht zu sein scheint. Alle zusammen entfachen ein Feuerwerk lateinamerikanischer Rhythmik, in dem Santana „nur“ noch, quasi wie ein Feinschliff, seine dezenten aber brillianten Gitarren-Einwürfe als Senf dazu zu geben braucht. Nach etwa 50 Minuten ist dann auch bei ihm selbst das Eis gebrochen und er hält eine längere Rede am Mikrofon in dem er auf englisch bezeugt: „Santana and Music is the opposite of what Bush does“. Als sich alle in einen Rausch gespielt und getanzt haben ist es 22.30 Uhr und die Band verlässt erstmals die Bühne.

Die Zugabe scheint einkalkuliert, wen wunderts, aber es wird nicht einmal auf Zugabe-Rufe gewartet. Schon kurz nach dem Abgang steht die Band wieder bereit. Santana lässt es sich nicht nehmen, nun auch die kleinsten Gäste, drei Jungs im Alter zwischen 10 und 13 von den Security-Leuten aus dem Publikum zu holen, um sie mit Rasseln auf der Bühne am Geschehen teilhaben zu lassen und die drei machen auch bereitwillig mit. Auch die Bläserfraktion sollte nicht unerwähnt bleiben, ein sehr jazzig angehauchter Trompeter und ein Posaunist, bei dessen Solo sogar Albert Mangelsdorff verblasst wäre, wenn er nicht letztes Jahr schon verblichen wäre. Nachdem Santana seine Band ausführlich vorgestellt hat, ist es schließlich 23.30 Uhr als die letzten Klänge seiner Band durch das Oval strömen und dann verstummen. Schade nur, dass er seinen aktuellen Hit „Just feel better“ nicht performt hat.

Das Licht geht wieder an, wie im Kino und zufrieden verlassen alle Besucher die Stätte. Auch wenn ich in den 60ern noch nicht gelebt habe, vage ich die Vermutung zu äußern, dass es doch etwas anderes ist, Santana 1969 bei Woodstock gesehen zu haben, als 2006 in der Köln-Arena.

 

Autor:
Frank Findeiß
Photos:
Sony BMG


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