Auch an der Rheinkultur ging die Fußball-WM nicht spurlos vorbei: So musste das Umsonst-Festival auf der Bonner Rheinaue, das in der Vergangenheit schon bis zu 170.000 Besucher angezogen hatte, dieses Jahr auf die großen Namen im Line-Up verzichten. Nach mehreren Absagen nahmen letztendlich die Mad Caddies, Archive, Death Cab For Cutie, Blumfeld, Olli Banjo und Torch featuring Toni L die Headliner-Positionen am Abend ein. Stars wie The Darkness , Sportfreunde Stiller, Beatsteaks , Incubus, Gentleman, Creed oder die Bloodhoundgang konnten damit diesmal nicht aufgeboten werden.
Trotzdem hielt das 110.000 Menschen, etwas weniger als erwartet, nicht davon ab am Samstag nach Bonn zu pilgern. Auch das reichte aus, um das altbekannte Bonner Strassenbahnproblem herbeizuführen, weil die Verkehrsbetriebe mal wieder viel zu wenige Bahnen einsetzten. Endlich angekommen wunderten sich dann doch einige Besucher, keine Großleinwände für die Viertelfinal-Partien England - Portugal und Brasilien - Frankreich vorzufinden. Lediglich in der VIP-Area war ein großer Flatscreen-TV aufgestellt, und so versuchten einige über den Zaun zu spähen. Der Rest der Besucher musste mit den Zwischenansagen auf den Bühnen Vorlieb nehmen. Doch eins machte die Rheinkultur klar: Es geht auch ohne Fußball. Mehr oder weniger.
Gegen Mittag startete das Programm bei sonnigem Wetter und überwiegend wolkenlosen Himmel. Trotzdem sollte sich das Gelände erst gegen Abend so richtig füllen. Verpasst hatte man da unter anderen schon Sugarplum Fairy und Voltaire auf der Blauen Bühne, Giant Drag und Boozed auf der Blauen, und Stuttgarts Finest featuring Franky Kubrik, Mäckes, Plan B & Pf Squad auf der HipHop-Stage. Über den meisten Andrang freute sich sowieso die Rote Bühne, vor den anderen blieb es auch abends recht leer.
Rote Bühne: Um 17:30 Uhr sorgten Muff Potter für das erste Highlight und viele junge Fans vor der Bühne. Die Securities spritzten so lange mit Wasser in die Menge, bis die ersten Mädels klatschnass das Weite suchten. Danach spielten Madsen und zeigten, dass Rock mit deutschen Texten derzeit einfach groß ist. Durch die kurzfristige Absage von Hundred Reasons entstand eine Lücke im Programm, eine Stunde Umbaupause bis Archive waren einfach viel zu viel. Die Londoner begannen ihr Programm theatralisch langsam und ließen sich auch nicht durch "Finale" und "Football's coming home" Rufe aus dem Publikum stören - England war kurz zuvor ausgeschieden. So richtig freuten sich die Leute dann aber auf die Ska-Punkrocker Mad Caddies, um wieder richtig abgehen zu könnnen. Ein würdiger Headliner - trotz des nicht so großen Bekannheitsgrad!
Blaue Bühne: Die größte Bühne, aber lange Zeit mit gähnender Leere davor. Death Cab For Cutie, Blumfeld und Slut schafften es nicht die große Stimmung zu erzeugen. Eher was zum Chillout das Feld hier.
HipHop-Stage: Viel war dieses Jahr nicht los. Mag auch am Line-Up gelegen haben: Ercandice, Prinz Pi, Blade und sind solide Acts, aber keine Magneten. Highlight des gesamten Tages war dabei schon Prinz Pi. Wenigstens etwas Berlin-Flavour. Danach kamen Olli Banjo, der etwas gelangweilt wirkte, und Torch, bei dem die Leute richtig abgingen, obwohl er anfangs nur Platten spielte. Zur Unterstützung ging Toni L auf die Bühne, ein paar Leute wollten ihn wohl sehen. Ein echter Burner fehlte dieses Jahr leider.
Breakzone: Wie immer der solideste Programmpunkt. Pillen, harte Beats und viel Spaß. Da kann man nicht viel falsch machen.
Sports: Basketball gab es wohl. Wo, das war klar. Wann, das war nicht klar. Ein bisschen war auch bei Halfpipe und Miniramp los, doch auch hier die Frage: Wo ist das Programm?
Es war auch diesmal eine Rheinkultur, die viel Spaß gemacht hat. Schade nur, dass es gegen Ende trotz der geringeren Besucherzahl wieder zu einem Verkehrschaos kam. An der Strassenbahnhaltestelle ging ab 23 Uhr nichts mehr, glücklich konnte sich schätzen, wer mit dem Auto gekommen war.
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