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Infos Live: Popkomm 2006 News


20.-23.09.2006
Berlin

Photogallery Popkomm, Messe und Konzerte

Photogallery Joy Denalane

Photogallery Dendemann

Photogallery Kulturbrauerei Festivalzentrum

Photogallery Intro Intim

 


Der dritte Anlauf in Berlin und es wird immer besser. Die Popkomm konnte sich dieses Jahr nicht nur zum ersten Mal über strahlendes Sommerwetter freuen, sondern auch über jede Menge gute Parties und viel Internationalität auf der Messe.

Trotzdem ist die Popkomm nicht mehr das, was sie Ende der 90er in Köln war: Die Messe ist, auch wenn ausgebucht, überschaubar und klein, das Festival geht im urbanen Berlin-Dschungel bei den ganzen anderen Veranstaltungen unter, die Bands sind keine Superstars, denn zu den Größen der Popkomm zählten Billy Talent, Joy Denalane oder Rob Birch von den Stereo MCs.

Beginnen wir mit dem Mittwoch, an dem die Popkomm, sprich die Messe, auch offiziell eröffnet wurde. 15.000 Fachbesucher sollten an den drei Tagen kommen, 70 Prozent davon aus dem Ausland. Dazu gesellen sich 817 Aussteller aus 55 Ländern und 71.000 Gäste beim Musikfestival, bei dem rund 400 Acts aus 26 Ländern spielten. Trotzdem war der Messe die Krise der Musikindustrie anzumerken, große Stände gab es nur von Majors Sony BMG oder branchenfremden Akteuren wie Yahoo oder Jamba. Der Trend zur mobilen Vermarktung und Digitalisierung ist allgegenwärtig. Abends startete das Musikprogramm mit Konzerten von Juliette & The Licks (Columbiaclub), Jazzanova und Mr. Scruff (Icon), und Trashmonkeys, Pale, Radio 4 und Sugarplum Fairy (Kesselhaus / Kulturbrauerei).

 

 
Donnerstag sollte es dann so richtig losgehen, nicht nur auf der Messe sondern auch was Parties und Konzerte angeht. Was ging also so ab? In der Britischen Botschaft nahe des Brandenburger Tor wurde in exklusiver Atmosphäre zu Fingerfood und alkohlhaltigen Getränken geladen, irgendeine Band spielte im Hintergrund um Werbung für die Insel zu machen. Auf dem Schiff Hoppetosse wurde vier Jahre Herbclub gefeiert, wozu unter anderem Gunjah Deluxe und P.R. Kantate kamen.

Das größte Konzert aber gab es in der Columbiahalle und im Columbiaclub. Während die Halle bei Joy Denalane, deren Set von Max Herre eröffnet wurde, nicht ganz voll wurde, platzte der Club bei Dendemann und Blumentopf aus allen Nähten. Auch in Berlin gehen eben nicht alle nur auf Aggro Sound steil. John Legend hatte seinen Auftritt leider abgesagt. Im Icon am Prenzlauer Berg gab es auch HipHop, dort mit Static & Nat Ill (Dänemark), Ty und DJ Mad. In der Kulturbrauerei spielten beim Kanada Showcase The Golden Dogs im Frannz, beim Norwegen Showcase Kaizers Orchestra im Kesselhaus und Bermuda Triangle im Maschinenhaus. Und ganz klar war auch das Popkomm-Partnerland Brasilien im Palais vertreten. Überhaupt auffällig dieses Konzept mit den nach Ländern geordneten Showcases. Tourismuswerbung eben, denn die entsprechenden Länder finanzierten die Ausflüge ihrer Bands.

Für den Nachwuchs sorgte Coca Cola mit der Coke + iTunes "New Talent Discovery Tour": vier Bands aus vier Ländern in vier Clubs. Das waren Leash aus Deutschland im White Trash, Skywards aus der Schweiz im Magnet, Silicone Pumpgun im Lido und My Luminaries im Maria am Ostbahnhof (Ufer), dort fand auch das Intro Intim statt, traditionell ein fester Punkt im Popkomm-Programm und damit auch mit entsprechender Warteschlange am Eingang.

Nach der Eröffnung des Abenda dort durch My Luminaries folgten Electro-Rap-Artist Mocky, Badly Drawn Boy, Jeans Team und Kid Koala, da waren allerdings die meisten Gäste schon wieder abgezogen. Auf der Tanzfläche, sprich dem Josef, rockten Henrik Schwarz und Cassius zu Visuals. Wer danach noch nicht genug hatte, ging ins WaterGate, wo auf der BPitch Party unter anderen Sascha Funke bis in den Morgen hinein auflegte, richtige Rockerei eben.

Freitag war der letzte Messetag, gleichzeitig aber auch der Beginn eines langen und harten Wochenendes. Versuchen wir mal die Highlights des freitäglichen Alkoholrausches zusammenzufassen: Das Popkomm Reggae Festival auf der Hoppetosse und in der Arena Berlin bot ein interessant internationales Programm von Berlin Locals bis Famara aus der Schweiz und Natasja Saad aus Dänemark. Allerdings war der Zeitplan viel zu eng. Das Sonar Kollektiv lud wie schon im Vorjahr zur SK Labelnite in den beeindruckenden Apollosaal der Staatsoper, wo Jazzanova und Henrik Schwarz auflegten. In der Columbiahalle und dem Club kamen beim Sally*Sounds 06 mit Samiam, The Subways und Billy Talent internationale Rockgrößen zusammen. Im verwinkelten Icon gaben sich Chicks on Speed und Rob Birch von den Stereo MCs die Ehre. In der Kulturbrauerei gab es für Popkomm-Besucher Freibier, für alle anderen Krezip und The Gathering aus den Niederlanden, brasilianische Tunes von Sonic Junior, und bei der Bodog Music Night (Kanada) spielten The Vincent Shadow, Bif Naked und die HipHopper Dead Celebrity Status. Wer es hart und minimal mochte ging zu Magda ins WaterGate, während die HipHop-Party der Stadt vom Label Streetlife im Sage Club veranstaltet wurde. Die Party rockte dermaßen, wahrscheinlich auch, weil die legendären Arrested Development dort auftraten. Das war so viel Programm, dass andere Clubs wie das 2BE in dieser Nacht floppten. Kein Flop war die Party mit den Turntable Rockers im Week12end, Sonnenaufgang mit Rundumblick aus der 12. Etage.

Wer geschlafen hatte, konnte den Samstag ruhig angehen, denn die Popkomm Clubnacht sollte erst spät beginnen. Das Konzept war wie in den letzten Jahren auch: Einmal zahlen (11,- Euro) und bis zu 31 Clubs besuchen. Musikalisch war hier alles vertreten. So richtig ging das Clubnacht-Konzept aber auch diesmal nicht auf. Die Leute gingen in die Clubs, in die sie immer gehen. Business as usual. Berlin ist vielleicht für richtiges Club-Hopping auch etwas zu groß. Auch gab es keinen Shuttle-Bus. Abzuchecken gab es jedenfalls viel. Ob Electro und House im gepflegten 1A Lauschgift, oder Techno und Minimal im dreckigen Kinzo, Rock und Indie im Magnet Club und SilverWings, oder R'n'B und Black im Steinhaus und Soda Club in der Kulturbrauerei. Es war für jeden was dabei. Letztlich ging es auch darum, mit dem Besuch ein politisches Statement zu setzen: für den Erhalt der Berliner Club- und Veranstalterszene.

Die Popkomm war dieses Jahr vieles. Und bis wir darüber nachgedacht haben, was sie genau war, steht schon fest, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sind. Vielleicht auch wegen Berlin. Denn Berlin macht Spaß. Und mit der Popkomm ganz besonders.

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Autor:
Rob Labas
Photos:
Bumbanet, Popkomm


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