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17.12.2006
Harmonie
Bonn

 


Als Kneipe war mir die „Harmonie“ in Bonn schon länger bekannt, so war ich dann positiv überrascht, den an die eigentliche Lokalität anschließenden Konzertsaal kennen lernen zu dürfen. Recht überschaubar und mit vielen eingerahmten Fotos bekannter Künstler an der Wand beschmückt betrat ich den mit gedämpftem Licht durchfluteten Raum, der wahrlich eine weihnachtliche Stimmung verströmte. Lediglich die Diskokugel an der Decke wirkte etwas deplatziert. Im Saal verteilt eine Menge bereits besetzter Stühle mit Tischen, weiter hinten Stehtische und quasi entlang der gesamten Wandbreite gegenüber der Bühne eine bestuhlte Empore. Es hatte schon Clubatmosphäre, zumal wenn die typischen Rauchschwaden durchs Scheinwerferlicht zogen.

Punkt 20.00 Uhr wurde dann das gedämpfte Licht ganz runtergezogen und die sieben Musiker betraten die Bühne. Gleich zu Beginn erst mal ein paar Worte des charismatischen Sängers mit dem Hinweis, ein mehr oder weniger „Unplugged-Konzert mit elektronischen Instrumenten“ abgeben zu wollen. Trotz des Widerspruchs war da was dran, zumal alle bis auf die Bläserfraktion (Posaune, Klarinette/Saxophon) auf einem Stuhl Platz nahmen. Als Opener „Nichts geht verloren“ vom aktuellen Album „Die Tiere sind unruhig“. Insgesamt eine sehr facettenreiche Mischung durch die Geschichte der Musikalben der Band. Ob „Ein warmer Abend“, „New Babylon“, „Baron Samedi“ oder „Zombi“ vom gleichnamigen Album oder „Zweilicht“ bzw. „Die Summe der einzelnen Teile“ vom Album „Zweilicht“ bis hin zu den neuen Sachen wie „Ich hab’s gesehen“, „Die Wahrheit“ oder eben „Die Tiere sind unruhig“. Ein Streifzug der aber auch tiefer in die Mottenkiste greift und dabei alte Instrumentals herausholt.

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Stilmäßig wird ein Spagat nach dem anderen vollzogen: von rockig über Jazz, ja eigentlich schon Freejazz, also Passagen, in denen strukturell gesehen nur noch Improvisation angesagt zu sein scheint und von dort ist es auch nicht mehr weit bis zu komplett experimentellen Klängen. Nebenbei dann orientalische Einflüsse durch den Einsatz einer Sitar, aber auch andere außereuropäische Instrumente wie etwa das afrikanische Kalimba, tragen hier zu ungekannten Hörgenüssen bei. So ziemlich jedes erdenkliche Instrument aus der Percussionskiste wird hervorgezaubert und der Keyboarder greift hier und da zur Melodica. In dieser Band wird Musik handgemacht und sogar der Manager überreicht hier nach jedem Stück die notwendigen Instrumente persönlich. Vor allem der Sänger erweist sich als Multiinstrumentalist, zupft er doch sowohl an der Gitarre, wie am Kontrabass und schließlich um 22.15 Uhr bei der einzigen Zugabe auch mal am Keyboard. Eine Truppe, die auch textlich sehr schön in die nachdenkliche, besinnliche Vorweihnachtszeit mit eingestimmt hat.


Autor:
Frank Findeiß
Photos:
Labels Germany


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