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15.11.2006
Brückenforum
Bonn

 


Bereits vor dem Eingang zum Brückenforum begegnete ich zwei dezent geschminkten Fans, so wie man es auch von Fish aus seinen Anfangstagen als Frontmann von Marillion gewohnt war. Im Konzertsaal herrschte weniger eine angespannte als vielmehr erwartungsvolle Atmosphäre. Gegen 20.00 Uhr betritt ein Veranstaltungstechniker die Bühne und betätigt eine Keyboardtaste. Ein hämmernder elektronischer Ton, der einem Herzschlag gleicht, begleitet die Band auf die Bühne. Die Musiker greifen zu den Instrumenten und das Konzert beginnt mit „Faith Healer“.

Von Anfang an erfüllt die charismatische Präsenz von Fish den ganzen Raum und auch die variationsreiche Stimme von tief sonor bis in krächzende, aber melodische Höhen trägt das ihre dazu bei. „Faith Healer“ ist das Paradestück für Fish, um seine theatralische Ader zu zeigen. Immer wieder suggeriert er dem Publikum mit Auflegen seiner Hand auf die Stirn seines Gitarristen oder auch auf die von Fans aus der ersten Reihe, dass er die Rolle des Faith Healer innehat. Seine beeindruckende Körperlänge intensiviert die Assoziation mit einem übermenschlichen Wesen.

Mit dem zweiten Song „The big wedge“ greift er tief in die Mottenkiste, handelt es sich doch um seine erste Solo-Single nach dem Weggang von Marillion. Sein etwas längerer Monolog nach dem Song greift das Cover dieser Single auf und es hat schon etwas Unheimliches, sich zu erinnern, dass dort „Uncle Sam“ mit einem Bündel Dollarscheine in der Hand zu sehen ist, in dessen Hintergrund ein Flugzeug auf die Twintowers hinabstürzt. Dazu Fish: „Call me Nostradamus. It was in 1989.“ Neben im Vergleich zu Marillion einfacher strukturierten Rocksongs, schlägt Fish auch sanfte Töne an und steht bei der Ballade „A gentleman’s excuse me“ schließlich alleine mit seinem Keyboarder im Duett auf der Bühne.
Hier und da gibt es doch versteckte Missgeschicke, wie etwa der missglückte Versuch des Gitarristen, rechtzeitig zum Solo sein Solo-Pedal zu erreichen. Aber Fish bügelt mit seinem schottischen Charme einiges wieder aus. Auch sein schottischer Akzent ist nicht mehr so stark, vielmehr gibt er sich Mühe, einige Sätze in deutsch zu sprechen. Mit „Goldfish & Clowns“ nähert sich sein Soloprogramm allmählich dem Ende. Nach gut einer Stunde verlassen nach und nach die Musiker die Bühne, aber die Show ist noch nicht zu Ende. Vielmehr findet eine Zäsur statt. Es gibt aber keinen weiteren Umbau.

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Nach einer gewissen Pause ertönt mit „La gazza ladra“, der Ouvertüre zur gleichnamigen Oper von Rossini, das Intro, das seinerzeit bei der letzten gemeinsamen Tour von Fish mit Marillion bei jedem Auftritt verwendet wurde. Um kurz nach 21.00 Uhr beginnt der Marillion-Teil des Konzerts, the „Return of the childhood“. Es versteht sich ohne jeden Kommentar von selbst, dass nun die gesamte „Misplaced childhood“-LP gespielt wird, ein zusammenhängendes Stück bzw. Konzeptalbum, das aus zehn Songs besteht. Dabei werden vor allem die langsamen und auch unter Fans berühmten Übergangspassagen sehr betont und lange herausgezögert. Natürlich werden die beiden Welthits „Kayleigh“ und „Lavender“ nicht ausgelassen. Für Marillion-Puristen entsteht jedoch schnell das Gefühl, dass der Sound in einigen Nuancen anders klingt. Fish bewegt sich trotz seiner eckigen und klobig wirkenden Verrenkungen geschmeidig. Seine Arme fuchteln schlaksig in der Gegend herum. Immer wieder gelingt es ihm, die Fans zu ermuntern, ihre Arme hochzustrecken und diverse Rhythmen mitzuklatschen.

Nach gut einer Stunde dann der Schlussakkord von „White feather“. Nach der obligatorischen Vorstellung der Band und einem Abschiedsgruß, verlassen sie die Bühne. Natürlich lässt die Zugabe nicht lange auf sich warten. Fish kommt mit dem Fußballtrikot seines Lieblingsvereins aus Edinburgh und einer Flasche Weißwein auf die Bühne und nutzt die Gelegenheit, das Publikum sanft darauf vorzubereiten, dass Deutschland in der EM-Quali gerade 1:1 auf Zypern gespielt hat. Er meint jedoch, dass man sich nichts daraus machen solle. Er als Schotte kenne dieses Gefühl. Dann nimmt er einen kräftigen Schluck aus der Flasche und kündigt situationsangemessen „Incommunicado“ an. Wie einst im Video kommt es auch auf der Bühne an der entsprechenden Stelle zur gemeinsamen Tanzeinlage mit seiner Band. Danach noch „Market Square Heroes“, das erstaunlich frisch klingt und dann ab in die Katakomben des Brückenforums. Doch die Fans halten nicht still und Fish muss noch mal auf die Bühne, um mit „Fugazi“ einen weiteren Klassiker der Marillion-Ära vorzutragen.

Alles in allem eine mehr im Hintergrund agierende Begleitband und ein in Entertainer-Manier auftretender Sänger, der sich wie ein Fish im Wasser fühlt.


Autor:
Frank Findeiß
Photos:
Lars K. Lande


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