bumbanet magazine ::: Cirque du Soleil - Dralion ::: music sports and urbanstyle ::: www.bumbanet.debumbanet ::: music sports and urbanstyle ::: www.bumbanet.de
Das Land Oz trifft auf den Venezianischen Karneval. Nicht einmal so ließe sich der Farbenrausch beschreiben, das tosende Feuer, das der Cirque du Soleil in seiner neuen Show „Dralion“ entfacht. Eine bizarr-skurrile Parallelwelt, die nicht so sehr mit Zirkus als vielmehr mit Märchen zu tun hat. Deutlich sind hier die Wurzeln des mittlerweile weltumspannenden Unterhaltungsgiganten zu erkennen: die Fête Foraine de Baie-Saint-Paul, ein quebecisches Festival für Straßenkunst. Diese „eindrucksvolle, dramatische Mischung aus Zirkusartistik und Straßenkunst mit wilden, provokanten Kostümen, aufgeführt in magischer Beleuchtung und unterlegt mit origineller Musik“ läßt die Sonne nicht nur im Namen leuchten, sondern beweist auch, daß das Glück unterm Zirkuszelt nicht mit dem Leid (wilder) Tiere erkauft werden muß.
Dralion soll laut Unternehmensangaben Elemente der chinesischen Akrobatiktradition mit der zeitgenössischen Zirkuskunst des Cirque du Soleil vereinen, wobei bereits das Bühnengeschöpf, der Dralion – aus Dragon (Drache) und Lion (Löwe) – an die fernöstlichen Sagengestalten erinnere. Dieses Wesen diene als symbolisches Bindeglied zwischen östlicher und weltlicher Kultur. Beherrscht werde die ganze Show zudem von den vier Grundelementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, die durch entsprechend kostümierte und oft die einzelnen Darbietungen begleitende TänzerInnen verkörpert würden. Abgerundet wird der – salopp ausgedrückt – Ethno-Anspruch durch einen Sänger und eine Sängerin, die, ebenfalls in wandelnder Kleidung und in einer Fantasiesprache, für die musikalische „Untermalung“ sorgen. Dies allerdings oft viel zu laut und eher störend, so daß kein völliges Hineintauchen in die vorgeträumte Welt möglich ist.
Die Kostüme hingegen bestechen angenehmerweise weniger durch haltlose Entblößung als vielmehr durch phantasievolle Originalität. Sie beeindrucken nicht alleine durch die 5000 Meter verarbeiteten Stoff oder die Kombination so unterschiedlicher Gewebe wie Seide und Leder, sondern auch durch den Einsatz völlig ungewöhnlicher Materialien: von Pferdehaar über Kristall bis hin zu Sprungfedern.
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Solcherlei Prachtgewänder verlangen natürlich auch nach einer angemessenen Kulisse, die ihnen durch beeindruckende Spezialeffekte eher futuristischer Natur wie eine hohe Metallwand über die komplette Bühne, an der Trampolinspringer, allen Gesetzen der Schwerkraft trotzend, Fliegen gleich hinauf- und hinab“gleiten“, oder zwei riesige Ringe, die sich herabsenken und Trapezkünstler wie Sänger mit in die Höhe tragen, geboten wird. Selbst der Nebel wird in einem großen, leicht unheimlich wirkenden Metallkäfer erzeugt, der gelegentlich auch Artisten ausspuckt.
60 Artisten, die Atemberaubendes zeigen: von sinnlichen Lufttänzen eines Akrobatenpaares über Spitzentanzballette auf leuchtenden Glühlampen zu einem Jongleur / Schlangenmenschen, dessen schon unheimlich geschmeidiger Körper mit den Bällen eine überirdische Verbindung einzugehen scheint. Da springen zehn Artisten teils gleichzeitig übereinander durch schmale Holzreifen. Oder zeigt ein Clownstrio zum einen, wie köstlich ein meisterhaft konstruierter „running gag“ sein kann, und zum anderen, wieviel Begeisterung sie gerade in der abgeklärten Welt der Erwachsenen entfachen.
Auch die klare zirkustypische Trennung zwischen den einzelnen Nummern und vielleicht noch einem gutgelaunten Direktor für die Ansagen verschwimmt zu einer prunkvollen, magischen (Fantasie)Welt. Ein Effekt, der noch dadurch verstärkt wird, daß es keinerlei störende Umbauten gibt, sondern die benötigten Requisiten mit den Artisten auf die Bühne kommen, beziehungsweise gerüstintensive Nummern auf den Teil nach der Pause gelegt wurden.
Aber die bis ins Detail nachverfolgbare Liebe kehrt sich auch ins Gegenteil um, dann zum Beispiel, wenn vor lauter unterschiedlichen Charakteren, die alle gleichzeitig etwas anderes auf der Bühne vorführen, eine Reizüberflutung stattfindet, der Zuschauer gar nicht mehr weiß, wo er hinschauen soll. Überhaupt wird er zu sehr außen vorgelassen, er erfährt – außer im Programmheft – nichts von der durchchoreografierten Hintergrundgeschichte, so daß für ihn kein Zusammenhang erkennbar ist, vieles eher zusammengewürfelt und unpassend wirkt. Hierbei mag es sich jedoch um eine – wenngleich wenig gelungene – Strategie handeln, die dann wieder zu dem starken Eindruck passen würde, daß alles Dargebotene irgendwie nicht von dieser Welt ist.