Die Halle ist komplett dunkel. Plötzlich gehen einzelne Spots an. Leuchten auf vier stehende ganz in schwarz gekleidete Herren, jeweils mit Cello in der Hand. Weiter hinten auf der Bühne: ein stehender Drummer. Ein Bild, das gleich zu Beginn klar macht: Apocalyptica rocken!
Angelzoom, eine talentierte Gothic-Rock Band aus Deutschland, hatten zuvor den Abend im Wiesbadener Schlachthof eröffnet. Mit ihrer Musik irgendwo zwischen Nightwish und vor allem Lab (inklusive Geige und Piano) sind sie zwar nicht geeignet, die Stimmung richtig anzuheizen - die ruhige Musik macht jedoch durchaus Spaß und erntet von den Zuschauern für eine Vorband ordentlichen Applaus. Im Auge behalten sollte der geneigte Fan Angelzoom jedenfalls definitiv.
Mit dem Beginn des Auftritts Apocalypticas ändert sich dann schlagartig die Lautstärke: Die Finnen sind gefühlt gleich mal doppelt so laut wie ihre Vorband. Und nicht nur das beweist die schwermetallische Ausrichtung: Bereits als zweiten Song spielen Apocalyptica das erste Metallica-Cover „Master Of Puppets“ und starten so furios in den Abend. Immer mit dabei: der Drummer. Er verleiht dem Sound der Finnen den nötigen Druck, was sich merklich positiv im Vergleich zu früheren Tagen auswirkt. Mit einer anderen Tradition brechen Apocalyptica hingegen nicht: Es kommt kein Sänger zum Einsatz. Was das ausmacht, zeigt besonders das fantastische „Life Burns!“, das zwar auch ohne Gesang sehr gut ankommt, aber mit Lauri Ylönen (The Rasmus) einfach mehr Spaß macht.
Ansonsten präsentieren die Finnen die ganze Bandbreite ihres Schaffens: Nebeneinander stehen so Songs wie das sehr melodiöse „Bittersweet“ und der harte Metalsong „Betrayal“. Auf welch wunderbare Weise diese Emotionen zusammenspielen können, zeigen immer wieder besonders die Lieder des vorletzten Albums „Reflections“, die ordentliche Härte immer mit viel Melodie kombinieren. Wider Erwarten funktioniert das auch live sehr gut, wenn der Zuhörer durch diese krassen Stimmungswechsel eine Art Achterbahnfahrt der Musik und Gefühle erlebt.
Apropos Zuschauer: Die bleiben völlig unverständlicherweise sehr ruhig. Nur vereinzelt sind Reaktionen auszumachen. Und wenn, dann vor allem bei den Metallica-Covern, die die Finnen immer wieder ins Set einstreuen. Besonders bei „Nothing Else Matters“, normalerweise die Garantie für atmosphärische Mitsing-Parts, mag keine rechte Gänsehautstimmung aufkommen. An Apocalyptica liegt dies jedoch zweifelsohne nicht, denn die vier geben auf der Bühne merklich alles. Spätestens zur Hälfte des Abends muss der „normale“ Zuschauer die riesige Kondition der Finnen bewundern, die munter weiter und weiter rocken.
Nach etwas über 100 Minuten beschließen schließlich das siebte Metallica-Cover „Enter Sandman“ sowie „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg den insgesamt gelungenen Abend. Dass es spieltechnisch an der Darbietung der Finnen nichts auszusetzen gibt, versteht sich von selbst. Schade allerdings, dass das Publikum so wenig zu einer richtig guten Atmosphäre beigetragen hat. Möglicherweise lässt sich das mit den äußerst unterschiedlichen Zuschauern erklären, es waren schließlich wirklich alle Altersgruppen vertreten. Apocalyptica dafür verantwortlich zu machen, wäre hingegen unfair, denn die Finnen gaben wirklich alles und überzeugten restlos!