Wie sich im Vorfeld bereits abgezeichnet hatte, versprach dieses Konzert etwas besonderes zu werden, schließlich wurde man auf den meisten lokalen Radiosendungen nachmittags daran erinnert und nachher noch auf der Fahrt nach Hause gegrüßt. Zur Erklärung: Die Helden haben 3 Tage hintereinander in Hamburg den Stadtpark ausverkauft und so etwa 10000 Leute beglückt. Dazu kamen noch die Vorgruppen aus dem Hause Van Cleef inklusive Tomte und wie heute Kettcar.
Mit denen ging es dann auch los, leider schon um 19.00 aber dafür mit Sonne, was in Hamburg schon eine Seltenheit ist. Ich hatte nicht das Gefühl, dass viele Besucher Kettcar kannten, trotzdem wurden sie respektvoll angenommen. Zwischendrin haben sie auch versichert, dass die Helden auch wirklich gleich kommen! Ich halte unglaublich viel von deren Album „Du und wie viel von Deinen Freunden“ und hatte mich auf die Liveumsetzung gefreut – und war leider nicht wirklich begeistert. Die Songs sind ja gut, aber Live gehört einfach etwas mehr dazu, etwas, was mit Atmosphäre und Charisma zu tun hat. Das größte Manko war sicherlich der frühe Abend und die Masse an Menschen, die einfach nicht begeisterungsfähig war. Aber auch Kettcar würde ich nach dem Auftritt nicht als die Livebrenner bezeichnen, weil die Show doch mehr nach Hühnerhaufen als nach Gig aussah. Schade, aber was gelernt hat man: Kettcars nächstes Album kaufen (!) und eventuell besser auf die Tour verzichten.
Dann eine Pause, die zum Menschenbestaunen und Bratwurstessen ideal war. Ein Haufen Normalos trieb sich hier rum, soll keine Kritik sein. Nur dass die üblicherweise vorherrschenden Erkennungsmerkmale einer Szene fehlten. Insgesamt war das Publikum gesetzt und gemütlich, bis auf die Gruppe vor der Bühne. Hier hatten sich die Bald-Erwachsenen versammelt, die auf ihren ersten Schritten in Richtung Rockmusik wandeln. Die waren mir äußerst sympathisch, auch wenn ich doch seit einigen Jahren weit davon entfernt bin.
Als die Helden komplett unspektakulär und gerade dadurch zum knuddeln süß die Bühne betraten ging der erste Sturm los. Der hat sich aber meines Erachtens doch bald wieder gelegt, irgendwie konnte ich den Songs nicht die Großartigkeit abgewinnen, die ich erwartet hatte. Letztendlich lief es auf ein Warten auf die 4 Hits heraus, die dann auch glücklicherweise kamen. Auch hier war der Konzertspaß getrübt durch die gelassene Atmosphäre, die so gar nicht zu der energiegeladenen Musik passte. Und wieder das Licht – als es zur Zugabe dunkler wurde, begann ich mich wohl zu fühlen, nur dass das Konzert dann ja auch vorbei war... Aber nun zu den positiven Überraschungen in Form zweier Coverversionen: Bei dem Rio Reiser Song „Halt dich an Deiner Liebe fest“ hat die Judith so herzzerreißend gesungen, dass Freundeskreis und Rio persönlich hätten einpacken können! Das zweite Cover war „51st State“ von New Model Army – einfach dieses Stück zu hören hat den Helden große Pluspunkte für die Songauswahl und Coolness gebracht.
Ich kann mir nun denken, was diese Band ausmacht: Sie tun nicht weh und sind nett. Das hat gute wie auch schlechte Seiten. Die Helden sind sympathisch und schreiben zum Teil wirklich gute Songs, dafür ist aber die Gefahr von Langeweile doch recht groß. Aber ich werde sie weiterhin toll und super und klasse finden, glaube ich.