Willkommen zu zumindest meinem ersten Reggaekonzert in diesem jungen 2004. Eventuell hab ich da schon was tolles verpasst, aber ganz sicher war das hier und heute ein spannender Abend! Schließlich ging es darum festzustellen, wie weit Reggae aus Deutschland auf deutsch wirklich ist. Außerdem war es die perfekte Gelegenheit, zwei Vertreter dieses Genres in einer netten Location live zu sehen. Das Echochamber ist an sich schon den Eintritt wert, für Hamburger sei vor allem die Palm Dancehall Party empfohlen. Das Publikum war sehr „unfarbig“, was nach meinen bisherigen Eindrücken meist auf mangelnde Qualität des Konzerts hinweist. Dafür waren eine Menge junger Menschen und Vertreter der Sozialpädagogensparte da. Es war zudem eher leer, was entweder auf mangelndes Interesse oder auf einen eingeschworenen Fankreis schließen lässt.
Bei Nattyflo war die Stimmung und das Ambiente dann auch eher auf Schülerbandniveau. Im Laufe des Konzerts kam mir auch immer wieder der Gedanke, dass ich das zwar gut finden möchte, es aber trotzdem nicht zündet – dummerweise fand ich auch Wochenend nicht unbedingt gut. Die Riddims wirken nicht mitreißend, bis auf den einen vom „upcoming album“ von General Degree. Die politischen Statements wirken recht platt im Gegensatz zu dem, was Patrice in einem Interview mal als „universelle Wahrheit“ bezeichnet hat. Dennoch gab es schon die ersten Tänzer. Insgesamt würde ich ihn als einen Neuling bezeichnen, der aber durchaus auf einem richtigen Weg ist.
Bei Nosliw dann der Hammer: Das war es! Nicht nur die Stimme klang schön, auch die Bewegungen und der Style stimmten. Nach einer ruhigeren Anfangsperiode ging es mit drei Dancehall – Feuerwerken los. Hier stimmten die Riddims, die die One Drop Band rausfeuerte, die groovigen Sachen swingten und die Rocker rockten. Das hier ist der Beweis, dass unsere ach so uncoole Sprache voll und ganz Reggaetauglich sein kann. Die Texte waren inhaltlich und vom Flow her das beste was ich bisher gehört habe, nach den zarten Anfängen mit D-Flame und Tolga also hier erste Erfolge. Insgesamt ist er noch nicht in der Liga, in der sich Patrice und Gentleman schon tummeln, die es mit englisch ja auch einfacher haben. Aber er ist, was Innovation und Verbreitung von unpeinlichem deutschen Texten angeht, ganz weit vorne.
Also endlich haben wir die logische Konsequenz der steigenden Reggaemania und Soundsystempräsenz in Deutschland, nämlich eine Generation von Artists, die auf (fast) internationalem Niveau arbeiten können! Startschwierigkeiten sind üblich und normal, da wir noch die ein oder andere Lachnummer aufkreuzen, aber zumindest die heutigen beiden sind auf einem guten Weg.