Jeah, ein Teil einer Jugendbewegung zu sein, ist schon seit Tocotronic-Zeiten immer das Ziel aller Träume gewesen, oder nicht? Heute war wieder eine Gelegenheit: Zumindest die Hamburger Stadtmagazine und diverse Internetseiten haben sich ja geradezu überschlagen beim Erscheinen des Albums „Colorz“ – jetzt war es soweit, dass die Tour anlief.
So fiel auch das Publikum aus, das das erste Thema der Gespräche mit meiner Begleiterin wurde. Wir waren der Meinung, dass hier unterschiedliche Welten aufeinander trafen. Nein, nicht Rocker und Elektrofreaks, vielmehr die Szenemagazinleser und die Szenemacher, was soviel heißt wie: die Leute, meistens jung, die den Scheiß einfach mögen, ohne darüber zu reden. War aber schon nett da, besonders weil die Atmosphäre im Knust toll ist, mit einem Konzertraum und einem Ruhe/Barraum.
Als das Konzert dann losging musste ich mich stark wundern, das Stück was das gespielt wurde klang (bis auf die Drums) original nach Punkrock! Das gefiel mir doch extrem gut und den Trendsettern in den ersten Reihen offensichtlich auch. Danach wandelte sich das und die verzerrte Gitarre kam weniger offensichtlich zum Einsatz. Insgesamt wurde die Musik eher zu dem, was ich erwartet hatte: eine Mischung aus den Rock und Elektroelementen. Ich bin ja persönlich der Meinung, das so was doch auf lange Sicht eher die Elektrofraktion ansprechen wird. Es ist einfach so, dass die Spannungsbögen und Wechsel der Gitarrenmusik fehlen. Zumindest mir, als Verehrer der Gitarre, macht genau das Probleme, elektronische Gitarrenmusik zu hören (übrigens schon seit Prodigy). Aber interessant und neu war das – auf jeden Fall deutlich zu sehen, dass sich da doch ordentlich drauf „abgehen“ lässt. Was mir am Gig nicht gefiel, war ein DJ Set in der Mitte, in dem eine der größten Musiksünden begangen wurde: „Smells like teen spirit“ darf NIE einen Discobeat kriegen!
Die abschließenden Beratungen mit meiner Begleitung kamen dann zu der Feststellung, dass diese Musik, die Band und die Fans doch extreme Stylefetischisten sind. Das könnte eine Identifikation für eine Horde Jugendlicher bedeuten. Dabei waren wir auch schon beim Streitpunkt: Ob dies hier die Zukunft ist. Ich glaube nicht, dass sich das im großen Stil durchsetzt, meine Begleitung (mit dem Ohr an der Mode) denkt das schon. Lassen wir uns überraschen!