Kanye West, internationaler Shootingstar der HipHop Szene, traf pünktlich zum Release seines Albums "College Dropout" in der Kölner Live Music Hall ein. Kein Rapper, der wie 50 Cent oder Nelly auf die Kacke haut, sondern einer, der mit der Musik spielt. Das hat sich in kleinen Kreisen schon rumgesprochen, reichte aber noch nicht, um die Massen nach Köln-Ehrenfeld zu bewegen. Und wahrscheinlich spielten auch die 25,- Euro Eintritt eine Rolle, dass mancher noch lieber abwartete den Erben Jay-Z zu sehen.
Als der Support, das recht unbekannten Niederlande-Köln Duo DJ Boh und MC Jeloh, die Bühne betritt, ist die Halle noch recht leer. Die Ladies in den ersten Reihen bouncen zu dem Bounce-HipHop, der aber leider schnell zu langweilen beginnt. Boh und Jeloh bieten zwar eine engagierte Performance, das Ergebnis bleibt jedoch flach und erinnert an die Provinz.
Nach einer guten halben Stunde Pause betritt dann DJ Don Crawley die Stage und schmeißt die Plattendreher für seinen Mann Kanye West an. Der stürmt auf die Bühne und legt in einem Wahnsinnstempo und mit viel Bewegung los. Action gibt es auch so auf der Bühne genug, dafür sorgen Violinistin Miri Ben Ari und Keyboarder & Sänger John Stephens, der auch mal solo ran darf. Die Live Music Hall hat sich mittlerweile einigermaßen gut gefüllt, ohne dass man Platzangst haben müsste, wie es sonst oft hier der Fall ist. Die Stimmung ist aber gut und relaxt und passt so perfekt zum smooth jazzigen Vibe den Kanye West verbreitet. Insgesamt eine Stunde bietet der Rapper eine sehr musikalische Show, vieles wirkt improvisiert, abgedrehte Violineneinlagen oder rührende Keyboardparts sorgen für soviel Abwechslung, wie man sie sonst nur selten von HipHop Konzerten gewohnt ist. Neben dem Material von seinem aktuellen Album präsentiert Kanye dabei auch die Single "Hey Mama" vom nächsten Album. Ohne großartige Zugaben ist dann Schluss und man hat eines der stimmigsten HipHop Konzerte in Köln gesehen, von einem Rapper, der an diesem Abend seinen großes Talent durchblitzen ließ. Eine große Karriere dürfte vor ihm liegen.