| Das fing alles schon richtig schön an, als ich den ersten Kontakt für die Anfrage hatte. Anstatt dass mir jemand von der Plattenfirma oder ähnlichem zurückschreibt, bekam ich Post von Mr. Balk persönlich. In der Folge konnten wir dann auch klären, wie ich überhaupt auf das Album gekommen bin und dann noch kurz Fachsimpeln über John Frusciante (siehe unten). Auf jeden Fall sehr angenehm.
Ich war als alter Cucumber Men Freund seit den frühen Tagen und als Musiker aus der gleichen Ecke Hamburgs unglaublich gespannt darauf, was die neue Platte bringen würde. Schließlich bedeutet diese Platte eine gänzlich neue Musik, die sich in dem kompletten Stil von dem unterscheidet, was zu alten Funk Tagen einmal war. Das dachten anscheinend einige, die an diesem Abend ins Logo gekommen sind. Was allerdings schön zu sehen war und für die musikalische Zukunft von Justin Balk Hoffnung macht, ist, dass auch solche da waren, die frisch dazugekommen sind. Das Logo war angenehm gefüllt und es glich zum Teil einem großen Wiedersehensfest. Dazwischen verteilt standen einige Grüppchen von Teenie Mädchen und Mittzwanzigern, die offensichtlich nur für Justin Balk und nicht für den „Ex-Cucumber Man“ gekommen waren.
Die ganze Atmosphäre war also schon so einladend, dass sich die positive Grundhaltung des Albums schon ausgebreitet haben muss... Die erste Nummer mit der Akustischen und die ersten Eindrücke von der Band waren grandios. Die Band bestand aus dem gitarrespielenden Sänger, dem Ex-Cucumber Men Bassisten, einem Schlagzeuger mit „Union Jack“ lackierten Trommeln (er musste sich auch ne schöne Ansage dazu gefallen lassen) und einem Typen an der Orgel, der latent Ähnlichkeit mit John Lennon hatte. Mir gefiel der Orgeleinsatz besonders, weil dadurch ein relaxtes retroartiges Gefühl aufkam. Das in Verbindung mit den Songs brachte von ganz allein das Lächeln ins Gesicht, wovon im Vorwort zur Platte die Rede ist. Ich hab mich dann gefreut, als die Akustische der guten alten Fender weichen musste. Denn wenn es Leute gibt, die mit dem Klang einer Gitarre und der richtigen Bedienung schon Freudenschreie auslösen können, dann sollen sie das auch tun – und die Beziehung zwischen Justin Balk und der Fender passt definitiv in diese Kategorie! Aber eigentlich war das nebensächlich, denn es geht um Songs. Diese waren groß, auch wenn ich kein Textfan bin, kamen Stimmungen rüber, die von Verzweiflung bis Liebe alles abdeckten, was auch ekelhafte Schlager ausmacht. Aber hier war es von einer Art, die nach einer Aufwärmphase zu Beginn des Konzerts direkt in Herz und Seele eindrang. Das waren Gefühle, die von der Verpackung und der Intensität mit solchen Bands zu vergleichen sind, die die deutsche Musik wieder groß gemacht haben. Es war ein schöner Augenblick, als ich merkte, dass eine solche Ehrlichkeit nicht peinlich wirkt und auch nicht als so was angenommen wird. Schließlich ist genau das der Weg, auf den man sich begibt, wenn man Dinge ehrlich und offen anspricht – und dieser Weg wurde heute wieder einmal gnadenlos gut begangen und gemeistert. Die Musik selber pendelte zwischen Songwriter Stücken und uptempo Rocksachen mit schönen Mitsing-Refrains, also durchweg angenehme Dinge.
Danke für den Abend und Danke für das Album. Ich denke Justin Balk spielt zumindest von der Qualität und dem Anspruch in der Liga, die von Selig und der Nationalgalerie gegründet wurde. Zu Hoffen bleibt, dass sich das auch in Verkaufszahlen und dem komerziellen Erfolg ausdrücken wird.
Frage Bumbanet:
Ich hab mir jetzt wieder mal das neue John Frusciante Werk angetan und war spontan begeistert - da ich gerade auch dabei bin, mich auf das Konzert zu freuen, kamen mir Parallelen in den Sinn:
Ich dachte dabei daran, dass Ihr als Cucumber Men besonders in der Frühzeit mit den Peppers verglichen wurdet, nicht zuletzt wegen Deines Gitarrenspiels. Ist es dann nicht merkwürdig zu sehen, dass gerade Dieser Mensch immer stärkere Solo-Ambitionen zeigt? Eure Musik kann man vom Stil her zwar gar nicht vergleichen, aber die Herangehensweise scheint auf der gleichen Ehrlichkeit und Liebe zur Musik zu basieren - Wie stehst Du zu dem, was er macht und wie gefallen Dir die Songs ganz subjektiv, besonders im Bezug auf die neueste Platte (falls Du die kennst)?
Antwort Balk:
ich halte ihn für einen der besten zeitgenössischen gitarristen und musikern, die es gibt. er war ein immenser einfluss für mich - seit ich ich ihn 1989 zum ersten mal gehört habe.
ich besitze alle bisherigen drei alben von ihm - das neuste kenne ich noch nicht vollständig, habe aber ein paar songs auf seiner site angehört. und sie gefielen mir besser als alles, was ich bisher von ihm gehört habe. ich teile seine verehrung für bands wie velvet underground und meine (und das gefällt mir wohl am meisten), dass es ihm wirklich um musik geht.
die chili peppers dagegen respektiere ich weiterhin als seit jeher innovative band, nur: richtig berühren tun sie mich mittlerweile nicht mehr - weiß gar nicht, woran das liegt, außer vielleicht am sänger. ich denke, ich habe einfach meine zeit mit ihnen gehabt. |