Oh Danke, dass ich dabei gewesen bin! Das war ein würdiger Start in den Reggaesommer, wenn nicht sogar ein sehr frühes Highlight... Ein feiner Dreierpack, der gehalten hat, was er versprach, das hat man gerne.
Die Markthalle, Hamburgs Live Location mit dem besten Aufbau, wo man von überall gute Sicht hat und die dazu auch noch einen angenehm druckvollen Sound bietet, war recht gut besucht. Es ging zwar recht früh los, 21 Uhr dürften die ersten Klänge schon zu hören gewesen sein, doch dennoch war es angenehm gefüllt. So hatte man keine Platzprobleme und konnte die Hüfen angenehm kreisen lassen. Das Publikum unterschied sich doch gewaltig vom Nosliw Konzert vor einigen Wochen: Hier war es mehr die Roots Reggae Szene, viele Dreads, Farbige und nur einige wenige sozialpädagogischen Ausfälle (nur als vorurteilsbehaftete Metapher).
Starten durfte dann Turbulence, was im nachhinein doch die richtige Wahl war, was der Verlauf des Abends beweisen sollte. Turbulence „The Future“ hätte ich persönlich an die Zwei gesetzt, was meinen persönlichen Geschmack angeht. Aber die energiegeladene Show war genau das, was es gebraucht hat, um das Publikum heißlaufen zu lassen. Schon nach einigen Songs startete das Gehüpfe vor der Bühne und die Ränge bewegten sich gemütlich im Takt. Der Uptempo Dancehall Style war in Kombination mit einigen entspannteren Conscious Tunes in etwa das, was man von ihm auch auf Platte gewohnt ist – nur dass es hier im Live Zusammenhang deutlich intensiver rübergekommen ist. Ein sympathischer Mann, der es schafft auf der Bühne gleichzeitig Unity und Spaß zu verbreiten.
Als nächstes kam Jah Mason nach einer angenehm nicht vorhandenen Umbaupause, da die Backing Band nicht gewechselt wurde. Zu der gibt es im übrigen nicht viel zu sagen, weil die mich nicht vom Hocker gerissen hat. Sie war eher eine solide Untermalung für die Hauptakteure, die doch wesentlich mehr im Mittelpunkt standen. Jah Mason hatte dann leider auch das Pech, nach der druckvollen Show von Turbulence spielen zu müssen, was mit seinen doch eher softeren Tunes mäßig erfolgreich war. Ich bin mir sicher, dass er in einem anderen Zusammenhang besser angekommen wäre, hier hat sich aber der Saal um einiges geleert und die Vorhalle war gut gefüllt. Das war jedoch ideal, um Leute zu treffen und entspannte Konversation zu betreiben.
Junior Kelly war also der krönende und würdige Abschluss. Nachdem ich ihn im letzten Jahr in Berlin gesehen hatte, war ich mehr auf einen ruhigen Gig eingestellt. Das Gegenteil war aber der Fall: Anscheinend hatte er bei Turbulence erkannt, dass einige krachende Dancehall Nummern einiges an Atmosphäre schaffen können und die ersten „More Fire“ Rufe kamen auch prompt. Er war auch der Künstler mit den meisten schon bekannten Hits und konnte so die ersten Rewinds einfahren, Songs wie „Love So Nice“, „Boom Draw“ oder „Push A Fire“ sprechen halt eine deutliche Sprache. Doch auch das neue Album „Smile“ kam gut an, was letztendlich dazu führte, dass die Stimmung ununterbrochen auf einem hohen Level blieb. Nicht zu vergessen sind seine Ansagen und Speeches zwischen den Songs, die, obwohl nicht komplett verstanden, doch ein Gefühl der Einheit hervorzauberten.