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Infos Live: Dizzee Rascal News


29.11.2004
Hamburg
Knust

Dizzee Rascal



Alles klar, man will ja nicht engstirnig und ungebildet sein, wenn man eh mit 27 Jahren den Rockstartod sterben will – also auf zum neusten Hype des Großen Britanniens. Dieses mal kommt der Pressewahn allerdings nicht von den Magazinen, die auf ewig dem Britpop hinterher jammern und Beatles und Paul Weller als einzige wahre Einflüsse auf die Musik akzeptieren. Heute ging es um Hip Hop gepaart mit Drum and Base – beides so Dinge, auf die ich mich nicht wirklich spezialisieren konnte bisher. Dennoch musste ich mir zumindest die Show anschauen (Pressejunkie…) und konnte so mal sehen, was aus Vorurteilen und Geschichten denn so übrig bleibt.

Grime heißt es, das Modewort: irgendetwas in der Richtung Schmutz, Dreck, wenn man das übersetzt – wie auch schon Grunge, was ja bekanntlich einiges an Verzückung ausgelöst hat. Die Musik sollte aus nem abgefahrenen jungen Rapper aus dem East End Londons bestehen, der wahnsinnig abgefahren und dirty/ehrlich über Drum and Base rappt. Bei dieser Kombination hatte ich mir immer etwas rockendes und nach-vorne gehendes vorgestellt, was irgendwie eher die Elektro Zielgruppe als die Hip Hop Heads anspricht. Jedoch kamen mir schon bei den Flyern erste Zweifel: Präsentiert von Rap.de und weiteren Magazinen. Der Einmarsch ins Knust und ein kurzer Blick ins Publikum und auf die Bühne überzeugten mich dann von meiner ersten fehlgeleiteten Vorstellung – Hip Hop überall! Da war es dann auch logisch, sich erst einmal an die Bar zu setzen um gemütlich zu starten. Eine kurze Frage an der Bar bestätigte dann das Unerwartete: die Kerle auf der Bühne waren der Main Act. Schade eigentlich, dass man einen neuen Style nicht von Standard Hip Hop unterscheiden kann. Wenn so was passiert liegt es ja dummerweise oft an falschen Erwartungen, aber das wollte ich heute einfach nicht – Kopfnicken ist ja OK, aber nicht als neuer Trend, oder? Als dann aber die ersten schnellen Beats kamen und die guten alten clubbigen Elektrobeats dröhnten konnte man sich das Geschehen doch wieder ansehen. Dabei wurde es dann auch noch richtig spannend – zu sehen wie das Publikum reagiert (Kopfnicken wird dabei zum Headbangen) und zu hören, wie cool das klingt! Dafür hatte sich der Aufwand dann doch noch gelohnt. Dabei kam wirklich einiges von dem zum Vorschein, was so geschrieben wird. Der kleine Junge, der sich einen Dreck um die gängigen Normen schert und sich einfach mal das aus der Seele pustet, was sich aufgestaut hatte.

Insgesamt aber leider nicht die Erleuchtung, die ich erwartet hatte. Ist Hip Hop denn inzwischen so weit, dass man schon erzkonservativ auf die guten alten Werte besteht und schon einzelne Beats als Revolution feiert? Sehen wir mal weiter.

 

Autor:
Karl Mieske
Photos:
XL Recordings

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