Und wieder ist es noch länger her, dass man das erste Mal von den Sternen gehört hat. Die Glanzzeiten der Hamburger Schule sind vorbei, und lange wurde der Output dieser Stadt nicht würdig genug betrachtet. Inzwischen macht sich hier das Grand Hotel Van Cleef Label einen großen Namen und lässt Berlin-Mitte alt aussehen. Und was hat man daraus gelernt? Die Sterne gibt es immer noch, sie klingen schon seit Jahren gut und wenn nichts erstes passiert, werden sie es auch weiterhin tun. Besinnen wir uns also auf altbekannte Tugenden und gute Musik abseits von Hypes und medienbestimmtem Zeitgeist.
Zur neuen Platte gab es also dieses Jahr eine Tour und zumindest das Hamburger Konzert war restlos ausverkauft. Dies an einem Pfingstmontag zu erleben hatte mich dann auch gewundert, schließlich war sogar die Wiese vor der Halle besetzt mit netten Menschen, die alle kennenlernenswert aussahen. Insofern hätte es auch nicht unbedingt gestört, draußen bleiben zu müssen. Da wir Presseschweine aber bevorzugt behandelt werden, kamen wir in den Genuss einer fast schon sommerlichen Sauna im Knust, bewirkt durch einen restlos vollgeknallten Konzertraum. Der Beginn des Abends gehörte da schon zum netten Teil, da sich hier noch Auswege in Form des Cafes geboten haben, wo man dann inmitten von Gleichgesinnten plaudern konnte.
Das Konzert begann dann mit einer deutlichen Prägung von den neuen Stücken. Was schon in den Rezensionen deutlich wurde war auch hier offensichtlich: Die Songs sind weniger funklastig und der Inhalt direkt und politisch. Leider kann ich nicht behaupten, dass mich diese Wandlung anspricht. Von den neueren Platten ich fand die Irres Licht gut, wenn ich auch relativ einsam mit dieser Meinung dastehen dürfte. So plätscherte es zu Beginn mehr dahin, obwohl der Großteil des Publikums schon deutlich mehr Spaß hatte als ich. Ab der zweiten Hälfte des Auftritts häuften sich dann die Klassiker von Universal Tellerwäscher bis Was hat Dich bloß... und die Stimmung wurde noch einmal gesteigert. An sich war dies der Teil, der mir am meisten Freude bereitet hat – gemein aber war, ich war einer der Best Of Sets fordert.
An sich ein nettes Konzert mit einer Band, die nach wie vor druckvoll und energisch auftritt. Gefehlt hat mir eigentlich nur 123 Tier, was ich nach einem Interview aus der Vorwoche doch auf der Setlist erwartet hätte (als eins von den merkwürdigen abstrusen und immer wieder gern gehörten Titeln).