„Deutsch, Jung und Erfolgreich“, das gab es doch schon mal, wenn ich an Tocotronic und die Comet Verleihung zurückdenke. Anscheinend geht es gerade wieder los, nicht nur dass Bands wie die allerliebsten „Helden“ die Charts rocken, nein auch bei so was wie heute ist pralles Leben angesagt! In einem schönen Berliner Club, bei angenehmer Größe und direkt an der Spree bei Fabrikhallen und einer hübsch beleuchteten Brücke war deutlich, dass deutsche Musik und insbesondere Tomte heute einen großen Abend haben werden. Die Zielgruppe einer solchen Veranstaltung wird sich auch nie ändern, ein Bauernjunge aus dem Sauerland würde die Gäste allesamt nach wie vor als Studentenpack abstempeln. Zusammenfassend also eine höchst angenehme Atmosphäre!
Mein Konzertabend startete dann auch gleich mit einem schönen Tomte-Rocker - das heißt ohne Vorband, falls da eine war - und der gefiel mir extrem gut. Die ersten Eindrücke waren unter diesem Einfluss auch durchweg positiv: Was für eine coole Band mit den Gitarren (Fender Tele Standard, Fender Tele Thinline und ein Rickenbacker Bass!), so was gehört definitiv zur cooleren Seite der Equipment Welt. Dann fiel mir das riesige Banner des "Grand Hotel Van Cleef" Labels hinter der Band auf. Ist nett das eigene Label zu promoten finde ich, besonders wenn da noch die tollen Kettcar drauf sind. Dann war der Song auch zu Ende und dem Sänger Thees ihm seine Sprückeklopferskills wurden ausgepackt, so wie es nur die Ruhrpottjungens am besten können. Es ging los mit Kommentaren zu seiner selbstgemachten weltbesten vegetarischen Lasagne („Bechamelsoße!“), alles in Interaktion mit dem Publikum. Im Laufe des Abends kam dann noch ein Kommentar zu seinem wie erwähnt coolen Instrument, als er merkte wie prollig/rockig das klang folgte auch prompt ein Metalriff.
Aber nun mal zur Musik: Die fand ich doch sehr gut gelungen! Besonders der Klang, der Live rüberkam war der Hit und machte so einige Sachen besser als von Platte. Leider kann ich genau dies aber nicht von den ruhigeren Songs sagen... Irgendwie fehlte denen der letzte Kick, um das Gefühl zu transportieren. Ich bin der Meinung, dass die guten dieser Songs doch besser auf Platte und auf dem heimischen Player aufgehoben sind. Der erste Block wurde mit „Schreit den Namen meiner Mutter“ abgeschlossen, nach etwa 10 Sekunden war Thees aber wieder da, um ein Song mit der Akustikklampfe zu spielen. Witzig, dass danach ein Publikumswunsch mit der Begründung abgelehnt wurde, dass die akustische Zuhause war. Am Ende dieses Blocks wurde „Nach England mit der Mofa" gespielt, der latent nach oder um ehrlich zu sein fast genau wie "Bahrenfeld im Bus" der Tocos klingt (verzeiht mir diesen Kommentar). Der dritte Teil folgte auch sogleich nach einigen Sekunden, bevor irgendwelche Zugabe Rufe kommen konnten. Als Abschluss kann dann auch der Knaller des neuen Albums „Schönheit der Chance“.
Insgesamt fand ich das Konzert schwierig, da die ruhigen Sachen hinter denen der Genrebesten zurückbleiben (Jan Plevka, Tocotronic). Dennoch wirken sie besonders auf dem Album mit den schönen Lyrics perfekt. Die Texte von Tomte kann man sowohl in Melodie, Wortwahl und Sinn zu den momentanen Guten zählen. Die schnellen Songs rocken einfach und machen Spaß! Ich mag Tomte und ich mochte das Konzert trotz allem, weil ich glaube dass eine Band, die nur Spaßsongs macht belanglos wird wie die Sportfreunde (die dennoch toll sind). Insgesamt sage ich jetzt mal, dass Tomte eine tolle deutsche Band mit anständig Charisma auf dem richtigen Weg ist, dazu in den richtigen musikalischen Kontext eingebettet und doch eigenständig genug. Also Danke zurück an Tomte für den „musikerfüllten“ Abend und Danke an die Maria für mein Hamburger-Heimat-Astra!