18
Uhr, Sum 41 stehen in den Startlöchern um ihre deutschen Fans
erneut zu begeistern. Die Schlange vor dem Kölner E-Werk wächst
und wächst. Wer sich traut hat eine Kippe im Mund und eine
Becks-Dose an der Hand, solange die Eltern gerade wegschauen. 19
Uhr, pünktlich gehen die Tore auf, die ersten Girlies rennen
kreischend in die Halle, sichern sich einen Platz in der ersten
Reihe. Hämisch lacht Jeanette, 14, über die Nachgekommenen,
die nicht mehr so nah an ihre Lieblinge rankommen. Ihre Freude wird
nicht langen andauern, beim zweiten Song der adretten Kanadier wird
sie über die Absperrung schwappen, hart mit dem Rücken
auf den Eisenverstrebungen aufkommen und bewusstlos von einem Ordner
aus der Halle getragen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Erst muss sich die Halle noch füllen. Und das tut die Halle
dem Altersschnitt der ersten Reihe gerecht werdend, nun fast, wären
da nicht die ganzen Mütter und Väter, die ihrer Sorgfaltspflicht
nachkommen und ihre Yam und Popcorn gerecht gestylten Töchter
sowie die vielen cool aufgeregten Boys begleiten. Wundern tun sie
sich nur darüber, warum diese doch dauernd solange auf den
Klos verschwinden. Die Boys lutschen dort genüsslich, den strengen
Augen ihrer Eltern entkommen, an einer Zigarette, die Girlies an
Kondomen mit Erdbeer oder Himbeer Geschmack.
Eine
Stunde muss man noch warten, dann betritt eine Band unter lautem
Jubel die Bühne und rockt direkt los. Die Reihen springen und
manche Mutigen unternehmen ihre ersten Stage-Dive Versuche. Die
Band macht ihre Sache gut und professionell, aber doch nicht professionell
genug, denn die erste Reihe deckt gnadenlos alles auf. Und so kreischen
die Mädels von vorne nach dem ersten Song direkt los, wer seit’n
ihr überhaupt? Rene, Michael, Benedikt und Thorsten. Achso,
Three Minute Poetry aus Wuppertal. Damit hatten sie dann auch die
Frage beantwortet, die sich wohl 90 Prozent oder mehr des Publikums
gestellt hatten. Die Menge war zufrieden und kreischte noch lauter
zu dem Emo Sound der Band. 45 Minuten wurden die Wuppertaler abgefeiert
und werden wohl auch noch die eine oder andere CD verkauft haben,
wenn das Taschengeld der ersten Reihe dafür noch reichte. Was
bei den Sum 41 Shirt Preisen von 25,- Euro zu bezweifeln ist.
Diese
folgten pünktlich nach kurzer Pause, schließlich war
am nächsten Tag für die meisten Besucher wieder Schule
angesagt. Bevor die ersten Töne erklungen waren, tobte die
Menge und Sum 41 lieferten eine druckvolle und technisch hervorragende
Show. Mit dabei natürlich alle Hits von „All Killer No
Filler“ und „Does this look infected?“. Mehr haben
die vier Kanadier noch nicht, aber auch das reichte vollends für
einen gelungenen, jungen Konzertabend. Immer wieder gerne.