Auf
dem weiten Weg nach Potsdam hab ich mich ja schon gefragt, ob sich
der Weg denn mal lohnen wird - das letzte mal, dass ich Biohazard
gesehen hab, war auf dem Bizarre Festival Ende der 90er. Da fand
ich die Band, die ich anno dazumal als hart und cool empfunden habe,
unglaublich prollig und peinlich! Auf dem letzten Stück zu
Fuß kam ich an abrissfertigen, ehemals wunderschönen
Häusern vorbei. Insgesamt ein ziemlich deprimierender Anblick,
der sich da geboten hat. Dann die Location, der Lindenpark, sehr
nett mit einem halben Bus mitten im Raum. Die Atmosphäre war
leicht aufgeladen, so wie ich mir immer harte, assige Konzerte in
der Kleinstadt vorgestellt habe. Das schlimmste dabei war ein kleiner
Junge, der gerade mal etwa 14 war. Der war mit seinem besoffenen
Daddy da und sah haargenau so aus, wie der kleine Bruder bei American
History X...
Die Vorband, deren Namen ich mal wieder vergessen habe, war nicht
der Hammer. Sie passten allerdings sehr gut in die eben beschriebene
Atmosphäre. Ich würde die Musik als prolligen Hardcore
bezeichnen, gar nicht mal unbedingt abwertend. Es waren halt die
typischen Elemente, vier Mann, voll-nach-vorn Musik und fähige
Anheizer zu den richtigen Gelegenheiten.
Während der Umbaupause durfte ich kleiner Reporterling in
den Backstage Bereich, war aber leider ähnlich unspektakulär
wie bei einer Nachwuchsband, nur dass weniger Freibier da war. Das
tolle war aber, dass ich hören konnte, dass Evan Seinfeld eine
verdammt tiefe Stimme hat, die gesprochen noch cooler als auf der
Bühne klingt. Dann langsam das Fertig werden vor dem Gig, vor
der Bühne wurde es voller und im Pit sammelten sich die Unermüdlichen.
Der erste Song war dann gleich der erste Hammer: "Wrong Side
Of The Tracks"! Es ging von der ersten Sekunde voll nach vorne:
gleich eine Horde von nackten Oberkörpern vor der Bühne.
Da stand ich noch ruhig rum, bei "Business" aus der guten
alten Hardcore-Crossover Zeit war's vorbei! Als der erste neue Song
kam flaute die Stimmung ab. Es kam mir vor wie eine Best-Of Show,
da ich doch viele Songs kannte, obwohl ich die letzten 3-4 Alben
nicht gehört habe. Eine Frage ist hier allerdings, ob vielleicht
die meisten Fans Biohazard schon seit 1996 kennen?
Insgesamt kann ich nur sagen, dass eine Live Show von Biohazard
sich auf jeden Fall lohnt. Immer wieder mal Hardcore hören
und Pogo kann so unglaublich gut tun! Nebenbei einen Seitenhieb
an Potsdam: Kennt Ihr keinen Circle Pit?? Auf jeden Fall sind Biohazard
inzwischen wieder als ernstzunehmende Band anzusehen, die mehr zu
bieten hat als posige amerikanische Hypes. Ich würde hier sogar
eine große Ehrung aussprechen: Das Feeling des Konzertes kam
dem bei einem Sick Of It All ziemlich nahe!!! Die Platten sind trotzdem
Schrott im Vergleich zum Live-Genuss...