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Infos Live: Biohazard News


Biohazard
16.7.2003 Potsdam (Lindenpark)


Auf dem weiten Weg nach Potsdam hab ich mich ja schon gefragt, ob sich der Weg denn mal lohnen wird - das letzte mal, dass ich Biohazard gesehen hab, war auf dem Bizarre Festival Ende der 90er. Da fand ich die Band, die ich anno dazumal als hart und cool empfunden habe, unglaublich prollig und peinlich! Auf dem letzten Stück zu Fuß kam ich an abrissfertigen, ehemals wunderschönen Häusern vorbei. Insgesamt ein ziemlich deprimierender Anblick, der sich da geboten hat. Dann die Location, der Lindenpark, sehr nett mit einem halben Bus mitten im Raum. Die Atmosphäre war leicht aufgeladen, so wie ich mir immer harte, assige Konzerte in der Kleinstadt vorgestellt habe. Das schlimmste dabei war ein kleiner Junge, der gerade mal etwa 14 war. Der war mit seinem besoffenen Daddy da und sah haargenau so aus, wie der kleine Bruder bei American History X...

Die Vorband, deren Namen ich mal wieder vergessen habe, war nicht der Hammer. Sie passten allerdings sehr gut in die eben beschriebene Atmosphäre. Ich würde die Musik als prolligen Hardcore bezeichnen, gar nicht mal unbedingt abwertend. Es waren halt die typischen Elemente, vier Mann, voll-nach-vorn Musik und fähige Anheizer zu den richtigen Gelegenheiten.

Während der Umbaupause durfte ich kleiner Reporterling in den Backstage Bereich, war aber leider ähnlich unspektakulär wie bei einer Nachwuchsband, nur dass weniger Freibier da war. Das tolle war aber, dass ich hören konnte, dass Evan Seinfeld eine verdammt tiefe Stimme hat, die gesprochen noch cooler als auf der Bühne klingt. Dann langsam das Fertig werden vor dem Gig, vor der Bühne wurde es voller und im Pit sammelten sich die Unermüdlichen. Der erste Song war dann gleich der erste Hammer: "Wrong Side Of The Tracks"! Es ging von der ersten Sekunde voll nach vorne: gleich eine Horde von nackten Oberkörpern vor der Bühne. Da stand ich noch ruhig rum, bei "Business" aus der guten alten Hardcore-Crossover Zeit war's vorbei! Als der erste neue Song kam flaute die Stimmung ab. Es kam mir vor wie eine Best-Of Show, da ich doch viele Songs kannte, obwohl ich die letzten 3-4 Alben nicht gehört habe. Eine Frage ist hier allerdings, ob vielleicht die meisten Fans Biohazard schon seit 1996 kennen?

Insgesamt kann ich nur sagen, dass eine Live Show von Biohazard sich auf jeden Fall lohnt. Immer wieder mal Hardcore hören und Pogo kann so unglaublich gut tun! Nebenbei einen Seitenhieb an Potsdam: Kennt Ihr keinen Circle Pit?? Auf jeden Fall sind Biohazard inzwischen wieder als ernstzunehmende Band anzusehen, die mehr zu bieten hat als posige amerikanische Hypes. Ich würde hier sogar eine große Ehrung aussprechen: Das Feeling des Konzertes kam dem bei einem Sick Of It All ziemlich nahe!!! Die Platten sind trotzdem Schrott im Vergleich zum Live-Genuss...

 

Autor:
Karl Mieske
Photos:
SPV

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