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Infos Live: Anthony B & Junior Kelly News


Anthony B, Junior Kelly
15.7.2003 Berlin, 2Be Club


Hallo und Willkommen zum geilsten Reggaesommer, den ich in Deutschland erlebt habe. Ich meine ohne auf einem der Festivals gewesen zu sein wird man von Reggae-Flavour überschüttet. Erst einmal die 30°C über mehrere Wochen, dann Konzerte ohne Ende: Capleton, Buju Banton, Jimmy Cliff, Junior Kelly, Skatalites, Anthony B, Sizzla! Das sind nur die internationalen Topacts, die mir spontan einfallen. Dazu natürlich die neue Seeed Scheibe aus dem "dicken B". Also ist der folgende Abend nicht als langerwartetes Happening erschienen, sondern als Teil einer großen Reggae/Dancehall Welle des Jahres 2003! Also auf in den 2Be Club, Berlins Nr.1 Liveadresse in Sachen Offbeats, warm und feucht wie eine Sauna, dafür aber mit hübschem und charmantem Publikum. Als auch der Rasta mit dem Zylinder auf seinem Stammplatz stand, konnte es losgehen.

Junior Kelly auf der Bühne mit einiges an Präsenz, ganz im Rot mit einem riesigen Hut in Rastafarben. Dazu gab zwei traumhaft schöne Sängerinnen, die sich zu alledem auch noch ansehnlich bewegten! Doch das Highlight des Abends, zumindest was die Backing-Bands angeht, war dieser Bassist von Junior Kelly! So entspannt hab ich noch nie jemanden so verdammt groovige Lines spielen sehen. Nicht zu sprechen von dem freundlichen Lächeln auf den Lippen, wenn der Blickkontakt mit dem Drummer oder dem Publikum stand. Aber insgesamt war es natürlich ein Junior Kelly Gig, somit versprühte er noch intensiver als von seinen Platten positive Vibes in den Raum. Die Musik schwankt grob gesagt zwischen astreinem Roots-Reggae über Dancehall-Anleihen bis zu leichten Anfällen von (tut mir ja leid) Sunshine-Reggae. Das ist aber immer die Gefahr, wenn man solche Musik mit einem positiven Feeling mischt, passiert halt manchmal - was mich doch ab und an stört. Aber um bei der Consciousness zu bleiben: ich glaube die ersten 40 Minuten kam zwischen den Liedern nur: "Jah Rastafari" und "Hail Sellasie". Dann folgte eine eindringliche, wenn auch kurze Rede, die an die "Community" und an das "Overstanding" appellierte. Von der Musik her kam dann auch im Laufe des Abends all das, was ich erwartet und erhofft hatte: Ethiopia, Boom Draw, Love So Nice und auch Push A Fire!
Ach was soll's, das Konzert war gut und insgesamt mag ich den Mann ja auch. Er hat mit seinem Push A Fire einem Freund von mir, einem Hardcorer, den Dancehall nahe gebracht, seitdem brenn ich ihm regelmäßig neue Compilations.

Die Umbaupause vor dem Auftritt von Anthony B war eine angenehme und willkommene Abkühlung nach der erlebten Sauna. Ich machte mir so meine Gedanken, weil ich nicht erwartet hatte, dass er der Headliner wird. Dann ging es aber auch schon bald wieder los, zur Freude aller mit ein paar Songs von der Backing-Band. Hierbei wurden besonders die Damen von den Vocals groß gefeiert. Eine kurze Pause, die fast komplett mit Jubel überbrückt wurde, dann tauchte er auf und hatte den Saal in der Hand! Schon beim zweiten Song so lauter Jubel, dass der erste Rewind her musste. Der nächste dann schon beim nächsten Song und einige weitere im Laufe der Nacht...
Alles klar, da hab ich verstanden, warum er hier die Nr.1 war. Somit gelobe ich Besserung und werd' mir die Alben mal antun. Die Songs klangen einfach tight und auf den Punkt, wobei hier doch eine Dancehall - lastige Variante des Reggae präsentiert wurde. Highlights kenn ich nicht, da ich die Songs nicht kannte, aber es waren viele da. Das Ding das ich kannte - die Waterpumpee - wurde leider ohne Seeed gesungen. Ein absoluter Tiefpunkt des Abends war für mich dieses dumme Lied vom neuen Album, das Bob Dylan Cover mit einem unglaublich platten Text.

Insgesamt kann man resümieren, dass Reggae im Sommer 2003 verdammt rockt! Der Abend hätte locker noch die Nacht und der Morgen werden können. Es war nicht das Highlight des Sommers, hat aber gut getan und war auf jeden Fall ein Konzert in der Spitzengruppe!

 

Autor:
Karl Mieske
Photos:
Bumbanet

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