| Passau
ist keine große Stadt, eher sehr klein. 50.000 Einwohner und
dazu die Lage am hintersten Rand der Nation im tiefsten Bayern lassen
nur die wenigsten auf einen Abstecher vorbeikommen. Musikalisch
steht es auch nicht allzu sehr im Mittelpunkt Deutschlands, am bekanntesten
ist es in jüngster Zeit wohl eher durch Daniel Küblböck
geworden, der aus einem Örtchen ganz in der Nähe stammt.
Und doch hätte man es an diesem 28. Mai, Mittwoch vor Vatertag,
für eine der angesagtesten Locations halten können: Der
interessierte Hip-Hop Head hatte die Wahl zwischen Coolio und Afu-Ra.
Dass der eine überhaupt noch Musik und zudem eine Deutschlandtournee
(!) macht, stieß auf allgemeine Verwunderung bzw Zweifel;
als jedoch bekannt wurde, dass er in einer absoluten Ober-asi-Disse
vor den letzten Bauernsöhnen (echte!) auftreten würde,
war schon klar, auf was für einem Niveau sich die ganze Veranstaltung
bewegen würde. Mit dem Wissen, keinen unangenehmen Yo’s
zu begegnen, konnte man also unbekümmert und voller Erwartung
zu dem Afu-Ra Konzert gehen.
Angekündigt war als Vorgruppe die Lokalband Roots-Rockers,
die unter anderem auch aus Ex-Mitgliedern der Deutschrepp-Gruppe
Reim in da Tube besteht und in beiden Formationen landesweit bekannt
sein sollte. Als Schauplatz durfte das Zeughaus, ein klassisches
Juz, herhalten. Schon nach dem Ankommen war klar, dass sich hier
nicht nur Heads eingefunden hatten, sondern auch allgemeines Volk,
das man ohne Wertung als Hip-Hop unerfahren einstufen konnte. Nach
Passau schaffen es halt nicht ganz so viele, so ist jeder Act, egal
was für Musik, sofort willkommen und heiß begehrt. Und
so gings dann irgendwann los; zunächst hatten die Roots-Rockers
einen soliden Auftritt, ihre Reggae Lieder mischten sie mit alten
Liedern aus ihrer Hip-Hop Zeit. Ganz klares Heimspiel für sie,
manche Locals kannten auch die allerältesten Tracks noch auswendig;
auf jeden Fall eine sehr schöne Einstimmung.
Irgendwann kam dann endlich Afu-Ra mit Support auf die Bühne.
Schon mit den ersten Beatz drehte die Menge total durch, obwohl
oder gerade weil es nur in dieser kleinen Location war. Es herrschte
eine Bomben-Stimmung: die Leute baunzten, was das Zeug(haus) hielt,
Schweiß floss in Strömen; die Meute wollte nicht ruhen
und ging zu jedem neuem Lied wieder aufs Neueste ab. Afu-Ra spielte
alte und neuere Sachen, von beiden Alben wurde eine Auswahl getroffen.
Aber Moment... was war denn das? Hatte Afu-Ra das Mikro etwa nur
halb offen...?! So manchem kam das Gefühl auf, als würden
trotz Schweigens seitens der beiden Performer weiterhin Reime aus
den Boxen kommen... ? Es soll an dieser Stelle Afu-Ra nichts unterstellt
werden, es konnte auch nur eine Täuschung gewesen sein. Es
wäre auch komisch gewesen, denn Afu-Ra wirkte nicht so, als
wollte er nur etwas Halbes abliefern. Wäre nur ziemlich merkwürdig,
wenn das Ganze der Fall gewesen wäre...Wie dem auch sei, nach
ein paar Lieder war das sowieso nicht mehr zu erkennen, und dem
Meistteil der Besucher schien so etwas eh nie aufgefallen zu sein.
Es wurde weiterhin rumgesprungen und zu den Texten gerapt, es war
einfach ein geiles Konzert.
Afu-Ra lieferte eine astreine Show, gab bei jedem Lied alles und
rappte sich die Seele aus dem Leib. Er gab sogar noch einen viertelstündigen
(!) Freestyle zum besten, als ob ihm nie die Puste ausgehen würde.
Der Mob flippte natürlich richtig aus. Als er dann noch nach
einer ordentlichen Zugabe von der Bühne ging, waren alle total
am Ende und es hielt keinen mehr, nach draußen zu rennen und
sich ein bisschen abzukühlen. Nassgeschwitzt wie nach einer
Dusche konnte man dann nach Hause, Party machen oder noch irgendwo
an einen der 3 Flüsse chillen gehen...
Auf jeden Fall ein geiles Konzert, das gezeigt hat, dass nicht
nur in den großen Städten die Säle rocken, sondern
auch kleine Städte ordentlich Stimmung machen können.
Dicke Props an Afu-Ra, der es nicht gescheut hat, auch mal in einer
kleinen Stadt aufzutreten und die Szene zu beglücken. Da könnte
sich so manch anderer mal ein Scheibchen von abschneiden... Word!
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