7 Tage Festival, 7 Tage Party. Das bietet das Sziget Festival auf
der
Donauinsel, mitten in Ungarns Hauptstadt Budapest. Und sieben Tage
sind lang! Wer sich vornimmt die ganze Woche dort zu bleiben, muss
danach noch mindestens 2 Wochen Ferien einplanen, um den Alkohol
heraus zu schwitzen, den
Staub zu entfernen und die Ohren erholen zu lassen.
Am Anfang ist jeder noch optimistisch. Geil! Denkt man sich, tourt
über das riesige Festivalgelände, schaut sich die riesigen
Klettergerüste an, das Wasserfußball, die Beachvolleyballfelder,
das Rodeo (alles kostenlos!), die
Dutzende von Bühnen, Partyzelten und Bars, und unendliche vielen
Stände, die
einen mit Bier und Essen versorgen. Dort schmort ein ganzer Ochsen
über dem
Feuer, hier schenkt man Literweise Bier aus, und ein paar Meter
weiter tanzen
ein paar Juden um ihren Stand herum, herzhaft versucht, die Hare
Krisna
gröhlende Metalband von gegenüber zu übertönen.
Klappt zwar nicht ganz, ist
aber trotzdem amüsant. Dann findet man das Afrikazelt, verläuft
sich
gegenüber im Labyrinth, hört aus der Ferne ein paar Jazzklänge,
die sich
sanft mit denen der Skaband von nebenan vermischen. Eine Musikart
die es hier
nicht gibt, gibt es nicht. Klar, man muss auch knapp 400 000 Besucher
unterhalten, die man mit Nahrung versorgen und ihnen was zum Trinken
geben
muss. Das wird ja amüsant, denkt man sich dann.
Ein paar Tage später fangen die Füße ein bisschen
an wehzutun, die Strecken
sind doch etwas weit auf die Dauer. Man wünscht sich mal ein
bisschen ruhigen
Schlaf, ohne in den Träumen von dröhnenden Schranzbässen
begleitet zu werden.
Eine warme Dusche wäre auch schön, um den Staub ein bisschen
abzuwaschen, der überall in der Luft liegt. Aber das kann die
Stimmung nicht trüben, man macht
weiter Party bis um 5 Uhr morgens, wenn die letzten Bands in der
Metal-Hammer-Stage verstummen, der Barkeeper seine Bar abwischt
und der
Bäcker seine Brötchen bereitlegt. Dann ist auch endlich
mal ein bisschen
Ruhe, und bis zu den ersten Soundchecks um halb zwölf kann
man ein wenig
schlafen. Inzwischen hat man festgestellt, dass die Weinschorlen
viel mehr
reinhauen als das Wasserbier, und man nur beim Selberkochen oder
dem Warm
Food für 420 FT richtig satt wird. Die verkackten Dixi-Klos
wurden komplett
ausgetauscht, und frisch erleichert hüpft man mittags in den
übervollen
Swimmingpool, um ein bisschen frisch zu sein für die Hauptacts.
Die waren
zwar dieses Mal nicht der Hammer, aber wen stört das schon
bei über 600
Livevorstellungen? Iggy Pop war der Geilste, die Hosen waren auch
witzig,
genauso der Mambo Kurt mit seiner Heimorgel. The Cure haben mich
ziemlich
enttäuscht, Him war Scheisse, und den Rest hab ich mir nicht
angeschaut, da
war ich in der Wan2 Stage bei den UK Subs. Wie geil! Wie man in
dem Alter
noch so abgehen kann.
Gegen Ende hat man sich dann auch mal die Innenstadt ein bisschen
angeschaut,
ist zur Fischerbastei gelaufen und durch die Fußgängerzone,
und die Füße tun
auch nicht mehr weh, denn man spürt sie schon gar nicht mehr.
Dafür dröhnt
einem der Kopf, der Körper ringt nach einer Pause, die Leber
schreit nach Erholung und die gereizten Augen sehnen sich nach Schlaf.
Der Kopf ist zu kaputt zum Denken, beim Soundcheck der Jazzbühne
bekommt man Schreikrämpfe, und Geld hat man auch keines mehr,
obwohl hier alles viel billiger ist, oder vielleicht auch gerade
deswegen. Man will eigentlich nur noch heim, weg von Lärm und
Menschen, am Besten zum Aussiedlerhof oder an den verlassenen Strand.
Und trotzdem würde jeder im nächsten Jahr ohne auch nur
mit der Wimper zu zucken wiederkommen.
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