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Infos Live: Sziget Festival 2002 News


Budapest
31.07 - 07.08.02




7 Tage Festival, 7 Tage Party. Das bietet das Sziget Festival auf der
Donauinsel, mitten in Ungarns Hauptstadt Budapest. Und sieben Tage sind lang! Wer sich vornimmt die ganze Woche dort zu bleiben, muss danach noch mindestens 2 Wochen Ferien einplanen, um den Alkohol heraus zu schwitzen, den
Staub zu entfernen und die Ohren erholen zu lassen.

Am Anfang ist jeder noch optimistisch. Geil! Denkt man sich, tourt über das riesige Festivalgelände, schaut sich die riesigen Klettergerüste an, das Wasserfußball, die Beachvolleyballfelder, das Rodeo (alles kostenlos!), die
Dutzende von Bühnen, Partyzelten und Bars, und unendliche vielen Stände, die
einen mit Bier und Essen versorgen. Dort schmort ein ganzer Ochsen über dem
Feuer, hier schenkt man Literweise Bier aus, und ein paar Meter weiter tanzen
ein paar Juden um ihren Stand herum, herzhaft versucht, die Hare Krisna
gröhlende Metalband von gegenüber zu übertönen. Klappt zwar nicht ganz, ist
aber trotzdem amüsant. Dann findet man das Afrikazelt, verläuft sich
gegenüber im Labyrinth, hört aus der Ferne ein paar Jazzklänge, die sich
sanft mit denen der Skaband von nebenan vermischen. Eine Musikart die es hier
nicht gibt, gibt es nicht. Klar, man muss auch knapp 400 000 Besucher
unterhalten, die man mit Nahrung versorgen und ihnen was zum Trinken geben
muss. Das wird ja amüsant, denkt man sich dann.

Ein paar Tage später fangen die Füße ein bisschen an wehzutun, die Strecken
sind doch etwas weit auf die Dauer. Man wünscht sich mal ein bisschen ruhigen
Schlaf, ohne in den Träumen von dröhnenden Schranzbässen begleitet zu werden.
Eine warme Dusche wäre auch schön, um den Staub ein bisschen abzuwaschen, der überall in der Luft liegt. Aber das kann die Stimmung nicht trüben, man macht
weiter Party bis um 5 Uhr morgens, wenn die letzten Bands in der
Metal-Hammer-Stage verstummen, der Barkeeper seine Bar abwischt und der
Bäcker seine Brötchen bereitlegt. Dann ist auch endlich mal ein bisschen
Ruhe, und bis zu den ersten Soundchecks um halb zwölf kann man ein wenig
schlafen. Inzwischen hat man festgestellt, dass die Weinschorlen viel mehr
reinhauen als das Wasserbier, und man nur beim Selberkochen oder dem „Warm
Food“ für 420 FT richtig satt wird. Die verkackten Dixi-Klos wurden komplett
ausgetauscht, und frisch erleichert hüpft man mittags in den übervollen
Swimmingpool, um ein bisschen frisch zu sein für die Hauptacts. Die waren
zwar dieses Mal nicht der Hammer, aber wen stört das schon bei über 600
Livevorstellungen? Iggy Pop war der Geilste, die Hosen waren auch witzig,
genauso der Mambo Kurt mit seiner Heimorgel. The Cure haben mich ziemlich
enttäuscht, Him war Scheisse, und den Rest hab ich mir nicht angeschaut, da
war ich in der Wan2 Stage bei den UK Subs. Wie geil! Wie man in dem Alter
noch so abgehen kann.

Gegen Ende hat man sich dann auch mal die Innenstadt ein bisschen angeschaut,
ist zur Fischerbastei gelaufen und durch die Fußgängerzone, und die Füße tun
auch nicht mehr weh, denn man spürt sie schon gar nicht mehr. Dafür dröhnt
einem der Kopf, der Körper ringt nach einer Pause, die Leber schreit nach Erholung und die gereizten Augen sehnen sich nach Schlaf. Der Kopf ist zu kaputt zum Denken, beim Soundcheck der Jazzbühne bekommt man Schreikrämpfe, und Geld hat man auch keines mehr, obwohl hier alles viel billiger ist, oder vielleicht auch gerade deswegen. Man will eigentlich nur noch heim, weg von Lärm und Menschen, am Besten zum Aussiedlerhof oder an den verlassenen Strand. Und trotzdem würde jeder im nächsten Jahr ohne auch nur mit der Wimper zu zucken wiederkommen.

 

Autor:
Nico Storz
Photos:
Sziget.hu

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