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04.06.2002
Hamburg
Fabrik




Zur Einstimmung sollten wir erst mal modern ein paar Begriffe droppen: Bob Marley, Wailers, Desmpnd Dekker, Laurel Aitken, Coxsone Dodd, Studio One... Das dürfte erst mal reichen, sind das doch Namen, die unweigerlich mit den Skatalites verbunden werden müssen. Ja, seit Anfang der 60'er gibt es sie schon, zumindest die 3 Originalmitglieder, und ein Teil der Band hat auch Ihre persönlichen 60'er erreicht. Jetzt ein kleiner Schritt in den Gehirnwindungen: Diese Band hat den Ska gebaut, gespielt, gelebt, und das eigentlich schon seit Ewigkeiten!

Also klasse Voraussetzungen, wenn nicht ständig das Gefühl im Hinterkopf wäre, hier auf eine Rolling Stones/Rod Stuart Altherrentruppe zu treffen, die heute musikalisch so viel bietet wie unser aller Liebling Blümchen. Um ganz ehrlich zu sein fühlte ich mich auch zu Beginn des Konzertes teilweise bestätigt. Nach der Freude über den sehr schönen Sound, "vintage Ska" halt, etwa mit "James Bond", habe ich einige Zeit auf die nächste Freude gewartet.
Dann aber, nach kurzem Eingrooven fielen mit die überragenden Soli auf! Das sind in Wirklichkeit Jazzer, die zufällig auf Jamaika geboren wurden und um zu überleben den Ska erfunden haben! Da glaub ich fest dran. Für mich persönlich war am erstaunlichsten wie sehr sich die "Alten" in die Songs reinsteigern. Die Mimik z.B. des Bassers war der Hit. Die scheinbare Leichtigkeit der Arrangements und die perfekte Darbietung auf der Bühne sind nach wie vor im Ska unerreicht. Sei es nun der einmalige Stil des Schlagzeugers Lloyd Knibbs, die Genialität der Bläser oder die Art, wie Bass und Keyboard gemeinsam den Rhythmus vorantreiben
Als ich dann auch musikalisch meine persönliche Befriedigung gefunden habe, kam der Hammer: Die Typen auf der Bühne beginnen zu tanzen! Wenn einer Buena Vista Social Club gesehen hat, weiß er wie erhaben man vielleicht nur mit 70 tanzen kann. Das führte selbstverständlich zu kollektivem Ausrasten und was in einer Umgebung von gegenseitigem Anfeuern und Aufpeitschen passieren kann hat wohl jeder erlebt! Ganz plötzlich war die Halle von Energie und Glück durchströmt wie ich es nur selten erlebt habe.

Was soll man dazu noch sagen - selber sehen! Das ist nicht eine Truppe alter Musiker, die noch mal 'nen Euro machen wollen, sondern das sind die kraftvollen und lebendigen Ursprünge sowie das zeitlose Vermächtnis der neueren jamaikanischen Volksmusik. Das Konzert ging dann nach etwa 2 Stunden oder mehr zuende und das Eintauchen in eine Welt voll Musik und Glück hat die Leute wohl noch Tage mit einem Lächeln durchs Leben ziehen lassen.

 

Autor:
Karl Mieske
Photos:
Skatalites.com

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