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Vieles
wird immer größer. Die Deconstruction Tour auch? Sollte
man meinen. So wurde der Tourstopp im Rheinland in diesem Jahr vom
Kölner Palladium in die doppelt so große Düsseldorfer
Phillipshalle verlegt. Eine gute Entscheidung? Sollte man auch meinen,
schließlich war das Palladium beim letzten Mal fast überfüllt
und die Phillipshalle würde auch endlich Platz für eine
Halfpipe bieten. Und da die Deconstruction Tour mittlerweile auch
ein Monopol hat - weil das Projekt Vans Warped Tour goes Europe
schnell wieder fallen gelassen wurde - rechnete man auch mit genügend
Besuchern für die Location.
Als man dann gegen 14:30 an der Phillipshalle ankam, war zwar der
große Parkplatz gut gefüllt, vor der Bühne tummelten
sich aber nur 30 Punkrocker um die Turbo AC's anzuschauen. Nicht
gerade das richtige Terrain für die New Yorker. Flogging Molly
hatten wir da - aufgrund der frühen Anfangszeit - leider schon
verpasst. Die gehörten sicherlich musikalisch zu besseren Bands
des Abends (besser gesagt Nachmittags), waren aber wohl nur wegen
ihrem Burning Heart Deal dabei, denn die sieben Californier sind
mehr Folk als Punkrock.
Weiter
gings im Dreiviertelstunden-Takt (also eine halbe Stunde Spielzeit
pro Band). Bei Midtown wurde es langsam etwas voller. Wobei voll
der falsche Ausdruck ist, aber schließlich ist die Phillipshalle
auch riesig. Und man kann es ja auch positiv sehen, dass es kein
Problem war, in die erste Reihe vorzudringen. Allerdings tat das
der Stimmung nicht unbedingt gut. Aber wer hätte die Massenveranstaltung
auch füllen sollen? Die meist unbekannten Bmx'er und Skater,
die sich die meisten Besucher eh mehr nur als Langeweile anschauten?
Zwei Headliner gab es auf dieser Deconstruction Tour, Lagwagon und
Mighty Mighty Bosstones, der Rest der Band ist nur mittelprächtig
bekannt, und No Use For A Name sagten ab. Im Vergleich zum letzten
Jahr war das Line-Up nun wirklich nicht das Ultimative (womit ich
ausdrücklich nicht die Qualität der einzelnen Bands kritisieren
will, aber eine große Tour kann man nunmal nur mit großen
Bands machen).
Nun aber wirklich Midtown. Wenigstens etwas Stimmung. Der Vierer
konnte mit den Songs von dem Drive-Thru Records / Burning Heart
Album "Save the world, lose the girl" überzeugen,
großartige Akzente konnten sie aber auch nicht setzen. Ein
solider Auftritt, nur etwas farblos. Midtown würden auf einer
kleinere Bühne auch wesentlich besser zur Geltung kommen.
All
danach passten genau in die allgemeine Stimmung herein. Die Epitaph
Band sprang etwas müde und ziellos über die Bühne,
und spielten genau die Songs, die am wenigsten hätten die Stimmung
anheizen können. Da hätte man sich eigentlich an ihren
spielerischen Fertigkeiten erfreuen können, aber von denen
konnte man an diesem Tag nichts erkennen und der Sound tat sein
übriges. All waren für mich die Enttäuschung des
Tages, vielleicht auch deshalb, weil ich mich so auf sie gefreut
hatte.
Jetzt war die erste Skatedemo angesagt. Vor der Bühne einmal
umdrehen und schon hatte man die Halfpipe im Blick. Oder man konnte
auf der Tribüne Platz nehmen und aus bester Position das Geschehen
gechillt beobachten. Das war sicherlich der Vorteil des Tages, für
jeden war ein bequemer Sitzplatz da. Ansonsten gibt es von dieser
Skatedemo nichts interessantes zu berichten, außer dass Sepulturas
"Roots Bloody Roots" aus den übersteuerten Boxen
dröhnte.
Man konnte die Zeit auch nutzen um etwas zu essen oder Alkohol
zu konsumieren - wenn man reich war. Passt das zusammen, Reich und
Punkrock? Auf jeden Fall waren die Preise wie immer in der Phillipshalle
unverschämt, 2,90 Euro für das Bier aus dem Pappbecher.
Zum Glück gab es im späteren Verlauf noch die Möglichkeit
die Halle mit einer Auslass/Einlasskarte zu verlassen und an den
nahegelegenen Kiosken, Dönerbuden und Pizzerien die Zusatzkosten
zum 28,- Euro Ticket zu minimieren. Dazu brauchte man aber Geduld,
wegen der langen und langsamen Schlange am Auslass, und musste den
Verzicht auf eine der Bands einkalkulieren. Auch angesichts der
strahlenden Sonne draussen viel es einem schwer in die dunkle Halle
zurückzukehren.
Movie
Life betraten pünktlich um 17:00 die Bühne. Deren Album
"This Time Next Year" auf Revelation Records war zwar
nicht unbedingt überzeugend gewesen, aber ihren Ruf als ausgezeichnete
Liveband unterstrichen sie heute. Endlich mal wurden die Leute in
den ersten Reihen gerockt.
Ebenfalls zu den Highlights zählten Randy. Auch wenn ihr Sänger
komisch verändert - mit langen Haaren - aussah und sie ein
recht einseitiges Seit - mit fast nur neuen Songs - spielten. Die
Performance stimmte aber.
Dann
kam die Band, die wohl kaum einer der Besucher sehen wollte. Zu
Unrecht. Zumindest war die Sony-Major Band Lost Prophets die wesentlich
bessere Alternative als die peinlichen SR-71 im letzten Jahr. Die
New Metaller lieferten eine kraftvolle Show, und auch die Songs
vom neuen Album "Thefakesoundofprogress" konnten überwiegend
überzeugen. Klar kann man sich fragen, was die Band auf einer
Punkrock Tour zu suchen hat, aber ihr Auftritt war gut und brachte
Abwechslung.
Danach gab es die "Like A Prayer" Madonna Band, das Stück
kam allerdings erst zum Schluss. H20 hatte man schon ewig nicht
mehr gesehen, leider. Dementsprechend war die Spannung auch groß.
Gerockt haben sie auf jeden Fall, aber irgendwie wartete schon alles
auf die Mad Caddies.
Die
brachten dann auch alles, was man von ihnen erwartete. Zum ersten
Mal war die Stimmung in der Phillipshalle richtig gut, die Songs
kamen hauptsächlich von ihrem aktuellen Album "Rock The
Plank", und einmal wurde auch kurz gegen Bush gehämmert,
was natürlich gut ankam. Die Band hatte sichtlich Spaß,
das Publikum auch. Das hätte ruhig so weitergehen können,
aber nach einer halben Stunde war die zweite Skatedemo angesagt.
Dann kam das Finale, wobei die beiden Bands auch etwas länger
spielen durften, jeweils eine Dreiviertelstunde. Die Mighty Mighty
Bosstones lieferten eine professionell perfekte Show und ließen
keine Wünsche offen. Das Gleiche galt dann natürlich auch
für Lagwagon, die mit ihren Hits die Lage sicher im Griff hatten,
und auch eine ordentliche Zugabe spielten. Von beiden Bands konnte
man aber auch nichts anderes erwarten.
Und
damit war dieser Deconstruction Day beendet, der einen zwiespältigen
Eindruck hinterließ. Man hatte zwar einige coole Bands gesehen,
aber der Gesamteindruck und das Drumherum ließ die richtige
Atmosphäre vermissen. Vielleicht sollte man deshalb nächstes
Jahr den Rheinland Stopp vergessen und den Weg zu einer anderen
- teilweise Open-Air - Location machen. Winterthur, Bologna, Prag
und Madrid sollen wesentlich besser gerockt haben.
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