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Infos Photostory: Deconstruction Tour 2002 (1/3) News


Düsseldorf, Phillipshalle
02.06.2002

Lagwagon, Mighty Mighty Bosstones, Mad Caddies, H20, Lostprophets, Randy, Movie Life, All, Midtown, Turbo AC's, Flogging Molly

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Vieles wird immer größer. Die Deconstruction Tour auch? Sollte man meinen. So wurde der Tourstopp im Rheinland in diesem Jahr vom Kölner Palladium in die doppelt so große Düsseldorfer Phillipshalle verlegt. Eine gute Entscheidung? Sollte man auch meinen, schließlich war das Palladium beim letzten Mal fast überfüllt und die Phillipshalle würde auch endlich Platz für eine Halfpipe bieten. Und da die Deconstruction Tour mittlerweile auch ein Monopol hat - weil das Projekt Vans Warped Tour goes Europe schnell wieder fallen gelassen wurde - rechnete man auch mit genügend Besuchern für die Location.

Als man dann gegen 14:30 an der Phillipshalle ankam, war zwar der große Parkplatz gut gefüllt, vor der Bühne tummelten sich aber nur 30 Punkrocker um die Turbo AC's anzuschauen. Nicht gerade das richtige Terrain für die New Yorker. Flogging Molly hatten wir da - aufgrund der frühen Anfangszeit - leider schon verpasst. Die gehörten sicherlich musikalisch zu besseren Bands des Abends (besser gesagt Nachmittags), waren aber wohl nur wegen ihrem Burning Heart Deal dabei, denn die sieben Californier sind mehr Folk als Punkrock.

Weiter gings im Dreiviertelstunden-Takt (also eine halbe Stunde Spielzeit pro Band). Bei Midtown wurde es langsam etwas voller. Wobei voll der falsche Ausdruck ist, aber schließlich ist die Phillipshalle auch riesig. Und man kann es ja auch positiv sehen, dass es kein Problem war, in die erste Reihe vorzudringen. Allerdings tat das der Stimmung nicht unbedingt gut. Aber wer hätte die Massenveranstaltung auch füllen sollen? Die meist unbekannten Bmx'er und Skater, die sich die meisten Besucher eh mehr nur als Langeweile anschauten? Zwei Headliner gab es auf dieser Deconstruction Tour, Lagwagon und Mighty Mighty Bosstones, der Rest der Band ist nur mittelprächtig bekannt, und No Use For A Name sagten ab. Im Vergleich zum letzten Jahr war das Line-Up nun wirklich nicht das Ultimative (womit ich ausdrücklich nicht die Qualität der einzelnen Bands kritisieren will, aber eine große Tour kann man nunmal nur mit großen Bands machen).

Nun aber wirklich Midtown. Wenigstens etwas Stimmung. Der Vierer konnte mit den Songs von dem Drive-Thru Records / Burning Heart Album "Save the world, lose the girl" überzeugen, großartige Akzente konnten sie aber auch nicht setzen. Ein solider Auftritt, nur etwas farblos. Midtown würden auf einer kleinere Bühne auch wesentlich besser zur Geltung kommen.

All danach passten genau in die allgemeine Stimmung herein. Die Epitaph Band sprang etwas müde und ziellos über die Bühne, und spielten genau die Songs, die am wenigsten hätten die Stimmung anheizen können. Da hätte man sich eigentlich an ihren spielerischen Fertigkeiten erfreuen können, aber von denen konnte man an diesem Tag nichts erkennen und der Sound tat sein übriges. All waren für mich die Enttäuschung des Tages, vielleicht auch deshalb, weil ich mich so auf sie gefreut hatte.

Jetzt war die erste Skatedemo angesagt. Vor der Bühne einmal umdrehen und schon hatte man die Halfpipe im Blick. Oder man konnte auf der Tribüne Platz nehmen und aus bester Position das Geschehen gechillt beobachten. Das war sicherlich der Vorteil des Tages, für jeden war ein bequemer Sitzplatz da. Ansonsten gibt es von dieser Skatedemo nichts interessantes zu berichten, außer dass Sepulturas "Roots Bloody Roots" aus den übersteuerten Boxen dröhnte.

Man konnte die Zeit auch nutzen um etwas zu essen oder Alkohol zu konsumieren - wenn man reich war. Passt das zusammen, Reich und Punkrock? Auf jeden Fall waren die Preise wie immer in der Phillipshalle unverschämt, 2,90 Euro für das Bier aus dem Pappbecher. Zum Glück gab es im späteren Verlauf noch die Möglichkeit die Halle mit einer Auslass/Einlasskarte zu verlassen und an den nahegelegenen Kiosken, Dönerbuden und Pizzerien die Zusatzkosten zum 28,- Euro Ticket zu minimieren. Dazu brauchte man aber Geduld, wegen der langen und langsamen Schlange am Auslass, und musste den Verzicht auf eine der Bands einkalkulieren. Auch angesichts der strahlenden Sonne draussen viel es einem schwer in die dunkle Halle zurückzukehren.

Movie Life betraten pünktlich um 17:00 die Bühne. Deren Album "This Time Next Year" auf Revelation Records war zwar nicht unbedingt überzeugend gewesen, aber ihren Ruf als ausgezeichnete Liveband unterstrichen sie heute. Endlich mal wurden die Leute in den ersten Reihen gerockt.

Ebenfalls zu den Highlights zählten Randy. Auch wenn ihr Sänger komisch verändert - mit langen Haaren - aussah und sie ein recht einseitiges Seit - mit fast nur neuen Songs - spielten. Die Performance stimmte aber.

Dann kam die Band, die wohl kaum einer der Besucher sehen wollte. Zu Unrecht. Zumindest war die Sony-Major Band Lost Prophets die wesentlich bessere Alternative als die peinlichen SR-71 im letzten Jahr. Die New Metaller lieferten eine kraftvolle Show, und auch die Songs vom neuen Album "Thefakesoundofprogress" konnten überwiegend überzeugen. Klar kann man sich fragen, was die Band auf einer Punkrock Tour zu suchen hat, aber ihr Auftritt war gut und brachte Abwechslung.

Danach gab es die "Like A Prayer" Madonna Band, das Stück kam allerdings erst zum Schluss. H20 hatte man schon ewig nicht mehr gesehen, leider. Dementsprechend war die Spannung auch groß. Gerockt haben sie auf jeden Fall, aber irgendwie wartete schon alles auf die Mad Caddies.

Die brachten dann auch alles, was man von ihnen erwartete. Zum ersten Mal war die Stimmung in der Phillipshalle richtig gut, die Songs kamen hauptsächlich von ihrem aktuellen Album "Rock The Plank", und einmal wurde auch kurz gegen Bush gehämmert, was natürlich gut ankam. Die Band hatte sichtlich Spaß, das Publikum auch. Das hätte ruhig so weitergehen können, aber nach einer halben Stunde war die zweite Skatedemo angesagt.

Dann kam das Finale, wobei die beiden Bands auch etwas länger spielen durften, jeweils eine Dreiviertelstunde. Die Mighty Mighty Bosstones lieferten eine professionell perfekte Show und ließen keine Wünsche offen. Das Gleiche galt dann natürlich auch für Lagwagon, die mit ihren Hits die Lage sicher im Griff hatten, und auch eine ordentliche Zugabe spielten. Von beiden Bands konnte man aber auch nichts anderes erwarten.

Und damit war dieser Deconstruction Day beendet, der einen zwiespältigen Eindruck hinterließ. Man hatte zwar einige coole Bands gesehen, aber der Gesamteindruck und das Drumherum ließ die richtige Atmosphäre vermissen. Vielleicht sollte man deshalb nächstes Jahr den Rheinland Stopp vergessen und den Weg zu einer anderen - teilweise Open-Air - Location machen. Winterthur, Bologna, Prag und Madrid sollen wesentlich besser gerockt haben.

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Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
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