|
Das
Ding war ausverkauft. Irgendwie war das zu erwarten bei all der
Promotion, die Viva da reingesteckt hat. Immerhin waren folgende
Acts angekündigt: Smut Peddlers, Spooks, Kool Savas und Mystikal.
Jeder Act für sich hätte die Halle wohl locker alleine füllen können,
und von dem wahren Anlass, dem Battle, wohl ganz zu schweigen. Aber
was zum '"*$# ist das für eine Zusammenstellung? Okay, Savas und
Smut Peddlers zusammen würden unter Umständen noch durchgehen, aber
dazu noch Spooks?!??! Und vor allem Mystikal?!!!? Warum es an diesem
Abend keine Massenschlägerei gab, wird wohl immer ein Geheimnis
bleiben. Jedenfalls war es Scheiße voll, und irgendwann fing es
dann an. Rene kam auf die Bühne und brachte einen Freestyle, mit
dem er im Battle wohl nicht sehr weit gekommen wäre, aber dennoch
die Halle erstmal gut aufgeheizt hat. Rocken kann er.
Smut
Peddlers
Der erste Auftritt waren die Smut Peddlers. Irgendwie schien das
wohl keiner mitbekommen zu haben, denn so richtig ab ging es da
nicht. Gar nicht eigentlich. Kannte die überhaupt jemand? Naja,
nach einer halben Stunde wars dann vorbei. Das war es dann mit deren
einzigem offiziellem Europa-Auftritt. Viele, die draußen nicht reingekommen
sind, werden sich wohl in den Arsch gebissen haben.
1.Runde:
Dennis aus München gegen Sha-Karl aus Berlin gegen Mythos aus Leipzig,
der den Battle in Chemnitz gewonnen hat. Also ein flotter 3er Battle.
Feine Idee. Gebattlet wurde mit 4-Zeilern. Beim Battle merkte man
direkt, dass dies nicht irgendein Haufen von MCs war, denn rappen
konnten alle. Sha-Karl kam oberprollo mit unverwechselbarem Berlin-Style,
worauf das Publikum ziemlich ausgeflippt ist. Das ist wohl Geschmackssache.
Mythos kam auch gut, aber nicht beim Publikum an. Dennis rappte
mit Stil, und ließ sich nicht auf das Niveau der anderen hinab.
Es gab also für jeden Geschmack etwas. Raus flog Mythos.
Lasse MC aus Glashütten (Frankfurt)
gegen Nazz aus Siegen (Dortmund) gegen Separat aus Hannover. Lasse
hatte auf jeden Fall seinen eigenen Fanclub dabei. Bei Nazz sind
so ziemlich alle im Publikum durchgedreht, schnell rappen kann sie
ohne Frage. Seperat musste raus.
Jesen aus Düsseldorf (Köln) gegen
Torwart aus Stuttgart gegen Felix XL aus Hamburg. Das war der fetteste
Battle! Alle 3 gingen sehr heftig ab und hatten gute Rhymes und
Ideen auf dem Kasten. Dennoch merkte man, dass Jesen etwas besser
als die anderen war; ob der Heimvorteil bei der Abstimmung noch
einen Bonus gebracht hat, ist eine andere Frage. Die anderen 2 mussten
dann ans Stechen, und da bei der Abstimmung wieder kein deutlicher
Sieger hervor kam, musste mit Schnick-Schnack-Schnuck der Sieger
ermittelt werden. Raus flog Felix XL, natürlich unverdient und unglücklich,
aber so lief es nun mal. An dieser Stelle einmal Props an den Mann,
der trotz eines bereits vorhandenen Plattenvertrags noch einmal
zeigte, dass er mit den anderen MCs mithalten kann.
Spooks
Als nächster Act war Spooks an der Reihe. Das beste an der Band
war mit Sicherheit der Hammer-DJ DJ Ghetto!! Sie spielten so eine
halbe Stunde, und nachdem der DJ auch gut gefeiert wurde, gings
weiter mit betteln.
2.Runde:
Es wurde ein neues Konzept gewählt, und zwar das Rappen mit Charakteren.
Jeder bekam eine Rolle und musste als jene Person die andere beleidigen.
Eine gute Idee wegen Freestylern, die nur ihr Standartprogramm abtexten
und gar nicht wirklich frei stilen. Dafür wurden die Texte und Reime
natürlich schlechter; das Konzept hat sicherlich Vor- und Nachteile.
Gebattlet wurde eins gegen eins.
Torwart vs. Dennis oder Boris gegen
Babs Becker
Witzige Idee, beide waren sehr fett, und die Abstimmung war wieder
ein sehr knappes Ding. Torwart kam weiter.
Jesen vs. Sha-Karl oder Lewinski
vs. Clinton
Hier war es eindeutig, wer der bessere war, und auch wer sich besser
in den Charakter hinein versetzen konnte. Jesen kam weiter.
Nazz vs. Lasse oder Daum vs. Hoeneß
Der Battle kam nicht an die anderen heran. Bei beiden merkte man,
dass sie Standarttexte im Repertoire haben und hier etwas überfordert
waren. Als Hoeneß "mein Name ist Lasse" zu sagen, kommt nicht ganz
so gut. Die Entscheidung war knapp, Lasse kam weiter.
Kool
Savas
Als nächster Act war Kool Savas mit seiner Crew MoR (Masters of
Rap) an der Reihe. Sichtlich war Savas für viele der Hauptgrund
hier hinzukommen, die Stimmung war ziemlich gut. Nachdem er ein
paar Lieder gespielt hatte, holte er jeden aus seiner Crew einzeln
nach vorne, um ein kurzes Stück von demjenigen vorzustellen. Dabei
gab es den ein oder anderen, bei dem die Meinungen weit auseinandergingen.
Dennoch ging es sehr ab. Gastauftritte gabs zusätzlich von Creutzfeld
und Jakob und Fast Forward, mit denen KKS seine Tracks spielte.
Bei LMS sprang leider die Nadel 3 mal, was recht abturnend kam.
Zum Schluss kickte er noch ein A Capella, bei dem er zum Teil Scheiße
schnell rappte. Auch hier gehen die Meinungen über ein A Capella
an sich auseinander.
3.
Runde, Finale:
Stichwörter. Das Konzept sah es nun vor, 1,5 Min. zu freestylen,
wobei an der Seite immer wieder Stichwörter reingehalten wurden,
die dann einzubauen waren. Absicht war die schon oben erwähnte;
auch hier wurde das Niveau dadurch natürlich verschlechtert. Allerdings
bleibt die Frage, warum nicht in einem Battle-Finale gebattlet wurde??!
Sicherlich muss ein guter MC neben Vier-zeilern auch mal länger
durchrappen können, aber ob das Finale der richtige Zeitpunkt ist,
das zu testen? Die Meinungen gehen auseinander.
Jesen kam als erster dran und rappte
wie gewohnt mit Flow und gut. Lasse schien mit 1,5 Minuten etwas
überfordert zu sein, und hatte ein Problem mit "Kein Problem". Das
sagte er nämlich jeden 2. Satz. Torwart kam eigentlich ziemlich
gut, aber leider viel zu übertrieben und aggressiv. Gegen Ende war
es schwer, noch etwas zu verstehen.
Das
Publikum entschied und Gewinner war Jesen. Hier wieder die Frage,
ob ihm der Heimvorteil einen Bonus gebracht hat; was auch Torwart
anschließend reklamierte. Unumstritten ist ein Gewinner nie, aber
Jesen hat den Preis auf keinsten unverdient bekommmen. Der Preis
war eine Reise nach New York, um dort mit einem Partner eine Platte
aufzunehmen plus Plattenvertrag. Jesen hat das Ding also auch für
seine Band NimmZwai gewonnen. Da kann man ja mal gespannt sein.
Anschließend hatte Jesen noch einmal
die Gelegenheit zu freestylen, wo er unter tosendem Applaus bekräftigte,
dass er eigentlich gar kein Bock auf Viva hat, er jedoch trotzdem
ziemlich dankbar sei.
Mystikal
Als letzter Auftritt sollte Mr. Shake Ya Ass Mystikal auftreten.
Lustig, wie wenig Leute das interessiert hat, und wie viele noch
übrig blieben, um ihn zu sehen. Also, ein Viertel der Halle war
schon noch gefüllt. Mystikal wird dementsprechend auch etwas verärgert
gewesen sein; 3 Tracks zu spielen ist ja nicht gerade viel. Trotzdem
legte er eine fette Show hin; er hatte nämlich 4 geile Frauen im
Gepäck und mit auf der Bühne, die leicht bekleidet ihren Körper
wackeln ließen. So muss eine Show aussehen!! Shake Ya Ass kam dann
auch wirklich sehr geil rüber. Allein wegen diesem Gig hat sich
die Veranstaltung gelohnt!
Zum Schluss lässt sich sagen, dass
Viva zum einen beste Arbeit geleistet haben, denn überhaupt einen
deutschlandweiten Battle zu veranstalten ist eine Hammeridee, und
dass zu organisieren macht auch nicht jeder. Dafür erst mal Big
Props, auch an Rene! Außerdem waren die Smut Peddlers und Kool Savas
2 sehr fette Gigs, an die man, besonders bei den Peddlers, nicht
so leicht rankommt.
Zum anderen hat sich Viva mal wieder bis auf die Knochen blamiert
und unbeliebt gemacht, denn auf so einer Veranstaltung Ghetto-Mystikal
oder trendy Spooks Fans zu sehen, kotzt schon ziemlich an. Warum
man das ganze nicht in einem normalen Rahmen machen kann, wird wohl
niemand beantworten können. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Veranstaltung
nicht einmalig gewesen ist, und wir uns wieder auf fette Battles
freuen können!
|