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Interview: Nevio (1/3) News

Nevio? Ist das nicht der gut aussehende arrogant anmutende Typ der letzten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“? Genau das ist er, zumindest zum Teil. Arrogant findet sich Nevio allerdings definitiv nicht, findet es hingegen vermessen und seinerseits arrogant, wenn ein Bohlen und die restliche Jury sich herausnehmen über ihn persönlich zu urteilen. Nevio bringt nun, ein Jahr danach, seine eigene Platte heraus. Hierauf gibt es viel Pathos, viel italienischen Charme und auch Abwechslung für die unter anderem Songschreiber aus dem Eros Ramazzotti Team verantwortlich sind. Nevio selbst legte jedoch ebenfalls zu einem großen Teil mit Hand an und schrieb bei den Songs zumindest mit.

Doch nicht nur in der Musik scheint Herr Passaro Talent zu haben – wenn es darum geht seine Ansichten überzeugend loszuwerden, dann kann man sich dem nur schwer entziehen. Überzeugt euch selbst.

Bumbanet: Hallo Nevio, die meisten Leute werden dich noch gut kennen von der letzten DSDS-Staffel. Wieso hast du nicht gewonnen?

Nevio: Wieso ich nicht gewonnen habe? Das ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, denk ich einfach. Ich glaube, dass ich ein sehr untypischer DSDS-Kandidat war. Bei DSDS werden Leute gesucht, die noch ein bisschen formbar sind, die ein bisschen an die Hand genommen werden müssen. Und denen gezeigt werden muss, wohin die Reise geht. Ich mache seit 15 Jahren schon Musik, schreibe meine eigenen Songs. Was wenige wissen ist, dass ich 1999 schon mal einen Plattenvertrag hatte. Deshalb habe ich mich auch mit einem gewissen Selbstbewusstsein präsentiert, weil ich genau weiß welche Musik ich machen will. Und das wird auch in zehn Jahren nicht anders sein. Es gibt eine Sache, wo ich sage, okay, da bin ich überzeugt, das kann ich, das will ich auch zeigen. Also, alles was mit Musik zu tun hat. Es gibt tausend Sachen, die ich nicht kann, und da weiß ich auch genau, dass ich es lieber lasse. Aber wenn ich weiß, dass ich was kann, warum soll ich das nicht zeigen, warum soll ich mich schlechter machen als ich eigentlich bin? Vielleicht wurde so was jetzt nicht unbedingt gesucht. Deutschlang will vielleicht lieber einen Superstar, der sagt: “Hm, ich hab Angst auf die Bühne zu gehen“ und so weiter. Ja, und wenn das so gewünscht ist, dann bitte. Aber ich muss ehrlich sagen: ich bin hochglücklich, wie es gelaufen ist, das muss ich ehrlich sagen.

Bumbanet: Hast du es denn jemals bereut, dass du da mitgemacht hast?

Nevio: Nein, überhaupt nicht. Es war eine super Erfahrung, es waren tolle Momente dabei. Ich hab die Zeit genossen, auch mit den Leuten die dabei waren. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis, das hat mich immer so an die Schullandheim-Zeiten erinnert. Es war witzig, und es war einfach ein großes Bewerbungsschreiben an die Musikindustrie. Jeden Samstag, wenn du da auf der Bühne stehst vor Millionen von Zuschauern, kriegen das natürlich viele mit. Und auch die Leute, die im Musikbusiness sind bekommen es mit. Und es hat ja jetzt ganz gut geklappt für mich.

Bumbanet: Das stimmt. Was hältst du denn von der Platte von Tobias Regner? Hast du dir das mal angehört?

Nevio: Ja, die habe ich mir angehört. Na ja, es ist ja so, dass solche Sachen... Ich meine, man nimmt die Welle von DSDS mit und nach einer oder zwei Wochen kommt dann irgendwie das Album raus. Für mich braucht gut Ding irgendwie ein bisschen Weile. Und nicht zuletzt hab ich mir eben ein Jahr Zeit genommen um Songs zu schreiben und die zu produzieren. Und jetzt am 16.2. kommt mein Album raus. Aber Tobi finde ich einen sehr talentierten Typen. Ein sehr sympathischer Mensch auch wie ich ihn miterlebt habe, und ich wünsch ihm natürlich alles Gute. Komischerweise finde ich die Songs, die er selbst gemacht hat auf dem Album, am besten irgendwie. Die wurden aber am wenigsten vermarktet und am wenigsten aufgezeigt.

Bumbanet: Und hast du sonst noch Kontakt zu irgendjemandem von der Staffel, die da mitgemacht haben?

Nevio: Ja, ich fand es lieb, denn einige haben mir gratuliert zu der Single. Die fanden alle sehr schön und haben mir SMS geschrieben. Bei der einen oder anderen Gelegenheit sieht man sich auch privat, und es ist immer schön auf die alten Zeiten anzustoßen.


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Bumbanet: So alt sind sie ja auch noch nicht...

Nevio: Naja, aber es ist ja auch viel passiert, irgendwie, in diesem Jahr. Ja, für jeden, der da mitgemacht hat. Jeder macht halt seinen eigenen Weg und versucht, irgendwie das zu machen was sich durch DSDS und insgesamt ergeben hat als Chance. Ja, und das ist halt spannend die verschiedenen Wege mitzuverfolgen.

Bumbanet: Und du hast ja gerade schon gesagt, dein Album kommt demnächst raus. Auf der Platte singst du in erster Linie auf Italienisch. Die erste Single „Amore Per Sempre“ ist gleich auf Platz 2 eingestiegen. Bist du überrascht, dass das deutsche Publikum nicht mal ein Jahr nach der Halbfinal-Niederlage gegen Italien so offen dafür ist?

Nevio (lacht): Im Gegenteil, vielleicht existiert eine Italien-Hysterie gerade deswegen, weil Italien gewonnen hat. Aber ich glaube insgesamt die Achse Italien-Deutschland funktioniert immer perfekt. Also, es gibt schon seit mehreren Generationen die Italiener hier in Deutschland, die gar nicht mehr so richtig als Ausländer gesehen werden. Ich glaube, es würde auch etwas fehlen in Deutschland wenn die Italiener nicht hier wären. Und andersherum ist Italien das Hauptreisedomizil für Deutsche, und ich glaube die Italiener und die Deutschen verstehen sich einfach hervorragend. Auf meiner Platte sind ja auch deutsche und englische Songs.

Bumbanet: Du singst also auch auf deutsch und englisch?

Nevio: Ja, das bin ja auch ich. Ich bin Halbitaliener und Halbdeutscher, deswegen bietet sich das auch an. Ich bin ja auch Simultandolmetscher und habe mein Diplom gemacht vor ein paar Wochen in Italien, und jeder normale Dolmetscher müsste ja auch ein bisschen Englisch können. Und deswegen ist die Platte dreisprachig.

Bumbanet: Wie hat es sich für dich angefühlt, als du die Platte zum ersten Mal in der Hand gehalten hast, als sie fertig war?

Nevio: Das war ein tolles Gefühl, irgendwie. Vor zwei, drei Tagen ist sie physisch fertig geworden, da hab ich sie in den Händen gehalten. Und ich weiß genau, wie viele Leute da mitgewirkt haben, und ich weiß genau wie viel Arbeit da drinsteckt, wie viele Diskussionen, wie viel Anstrengung. Und nur für so einen kleinen, aber feinen Tonträger. Und das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man sich die anhören kann und genau weiß wie der jeweilige Song entstanden ist. Man kann zu jedem Song eine Story erzählen, man weiß genau wer daran alles mitgewirkt hat und so weiter und so fort. Also, das ist eine tolle Sache.

Bumbanet: Welche Ziele hast du jetzt mit der Platte?

Nevio: Ich wünsche mir natürlich, dass sich so viele Leute wie möglich diese Platte anhören. Und was mir sehr wichtig ist, ist dass sich diese Leute die Platte wertfrei anhören. Dass sie frei von jeglichen Klischees sind, dass sie diesem jungen Musiker, also meiner Wenigkeit, eine faire Chance geben. Dass sie sagen: „Ich hör mir das mal an und bin mal gespannt“. Und danach freue ich mich und bin sehr gespannt auf das Feedback, das es da geben wird.

Bumbanet: Meinst du, dass viele Leute da mit Vorurteilen dran gehen? Dass sie sagen: „Das ist ein DSDS-Kandidat, das kann nicht toll sein“?

Nevio: Mag sein, aber um so schöner ist dann die Herausforderung. Um so spannender ist es dann bei jedem Livekonzert. Jedes Mal, wenn die Leute vielleicht einen Song hören von mir und dann sagen: „Das hätte ich aber nicht erwartet! Was, der hat seine Songs selbst geschrieben? Was, der kann auf drei Sprachen singen? Was, der kann ja sogar gut singen und Gitarre und Klavier spielen?“. Und das ist dann für mich immer wieder eine Bestätigung, wo ich sage: „Na klar, das mache ich schon seit 15 Jahren. Schön, dass ihr es jetzt auch mal gecheckt habt.“

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Autor:
Stefan Kronthaler
Photos:
Universal


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