Auf dem Dach des Prime Club treffe ich am späten Nachmittag des 19. Juni Chris Carrabba, Sänger von Dashboard Confessional, um über sein neues Album “Dusk and Summer” zu reden. Der dunkelhaarige, tätowierte Chris ist noch freundlicher und schüchterner, als er auf Fotos ohnehin schon wirkt - ein waschechter Rocker?
Bumbanet: Würdest Du intuitiv sagen, dass Du als Musiker ein Einzelgänger bist oder schon die Inspiration von Bandmitgliedern brauchst?
Dashboard Confessional: Ich würde schon sagen beides; obwohl ich anfangs auch viel allein gearbeitet habe, bedeutet mir die Zusammenarbeit mit meiner Band viel. Ich habe ja auch noch eine andere Band und mag es mit unterschiedlichen Leuten Musik zu machen.
Bumbanet: Was beeinflusst Deine Songs am meisten; persönliche Erfahrungen und Gefühle oder orientierst Du Dich auch daran, was auf dem Markt besser ankommt?
Dashboard Confessional: Hmm, ich glaube nicht, dass ich meine Musik an den Markt anpasse. Ich möchte einfach offen für alles sein. Meistens ist es so, dass die Orte, in die ich komme mich beeinflussen, bzw. auf meine Musik abfärben. Man wird einfach in die neue Umgebung hineingezogen und das hört man.
Bumbanet: Nach dem Album „Swiss Army Romance“ auf „Drive Thru Records“ hast Du hauptsächlich mit „Vagrant“ gearbeitet. Hat das etwas geändert?
Dashboard Confessional: Eigentlich hatte ich nie einen festen Vertrag mit Drive-Thru. Ich habe in den letzten sieben Jahren hauptsächlich mit Vagrant gearbeitet. Was ich an Vagrant hauptsächlich mag ist, dass sie den Künstler an sich ernst nehmen und nicht versuchen ihn in eine Richtung drängen, die sich besser verkauft. Ich habe seither große Label immer abgelehnt.
Bumbanet: Inwiefern wird der Werdegang eines Albums davon beeinflusst, ob Du als Singer-Songwriter allein oder zusammen mit großen Produzenten Daniel Lanois (2004) und Don Gilmore (2006) arbeitest?
Dashboard Confessional: Der Produktionsprozess ist der gleiche, die großen Produzenten haben nur viel bessere Studios. Der Vorteil darin nicht alleine zu arbeiten ist, dass es immer gut ist jemand objektiven neben Dir zu haben, der Distanz zu Deiner Musik hat. Von musikalischem Einfluss seitens der Produzenten kann ich eigentlich nicht sprechen.
Werbung
Bumbanet: War die Arbeit mit beiden die gleiche oder gab es Unterschiede?
Dashboard Confessional: Ja, es gab Unterschiede in der Arbeit mit Daniel und Don; Daniel ist von Natur aus viel abstrakter in seiner Herangehensweise. Er half auch abgefahrene Töne und tolle Sounds zu arrangieren. Don hingegen ist der praktische Typ; er war in der Lage Klang und Atmosphäre Deinen Vorstellungen entsprechend in die Realität umzusetzen - das war bemerkenswert.
Bumbanet: Verglichen mit den Songs in früheren Alben wie „Good Fight“ (2001) und „Hands Down“ (2003) besteht das aktuelle „Dusk and Summer“ eigentlich ausschließlich aus ruhigen Stücken. Ist das Konzept oder eine natürliche Entwicklung deiner Arbeit?
Dashboard Confessional: Mein erstes Album war hauptsächlich akustisch, spätere hingegen hatten viel mehr Energie und klangen rockiger. Ich wollte jetzt ausprobieren beide Richtungen ein bisschen zu verbinden und was neues zu versuchen. Weil ich nicht immer dasselbe machen wollte. Man kann sich auch leicht hinein hören in das Album, damit auch viele Leute das Album mögen. An sich möchte ich auf lange Sicht so viel wie möglich ausprobieren.
Bumbanet: Bevorzugst Du es Stücke wie „Hands Down“ in der akustischen oder er E-Gitarren Version zu spielen? Was bist eher „DU“?
Dashboard Confessional: Das ist schwierig; ich kann es eigentlich nicht beantworten, weil es zwei Seiten an mir sind. Vielleicht bin ich eine gespaltene Persönlichkeit (lacht). Heute nochhaben wir erst die Akustik-Version gespielt und ich hab es geliebt. Danach spielten wir die rockigere Version mit E-Gitarre und ich fand es genauso toll und es hat riesen Spaß gemacht. Ich möchte keine dieser Seiten ausschließen bzw. mich festlegen.
Bumbanet: Inwiefern beeinflusst der Erfolg Dein persönliches Leben? Gibt es Dinge, über die Du auch weniger glücklich bist oder genießt Du den Erfolg nur?
Dashboard Confessional: Das Leben besser wertschätzen zu können habe ich erst dadurch gelernt, dass ich kaum mehr zu Hause bin. Wenn man von zu Hause weggerissen wird, möchte man das Private auch mehr beschützen, was dem Berühmt sein jedoch widerspricht. Ich bereue es aber nicht, da momentan der Moment das größte und wichtigste im Leben ist - ich möchte ihn genießen, so lang ich kann. Doch ich glaube nicht, dass ich das ewig weiterleben könnte. Ich verstehe auch Kollegen nicht, die zu großen Labels gehen und durch all den Hype ihr komplettes Privatleben aufgeben - das würde ich niemals tun.