| Es hat sich viel getan beim Berlingua-Vorreiter P.R. Kantate. Wer ihn immer noch auf seinen bisher größten Hit „Görli Görli“ festnageln will, übersieht dabei die bereits letztes Jahr veröffentlichte Tracksammlung „Kein Album“ und vor allem sein diesjähriges Werk „Andere Seite“, dass gekonnt Reggae, Dancehall, Dub, Rap, Elektro und Pop miteinander vereint. Außerdem ist er inzwischen einmal monatlich Moderator seiner eigenen Sendung auf Radio Multikulti und weiterhin in verschiedene Zirkus- und Hörspielprojekte involviert. Eines der erfreulichsten Nachrichten ist sicher die von der eigenen Band, die den schlichten Namen „Meine Band“ trägt. Nun also kann es live auch richtig losgehen. Bumbanet fragte kurz mal nach, was der Berliner Allrounder gerade so denkt...
Bumbanet: Dein neues Album „Andere Seite“ passt erwartungsgemäß in keine Schublade. Wie ist das Feedback bisher?
P.R. Kantate: Ich bekomme viel gutes Feedback darauf. Viele Leute freuen sich, das es wieder was Neues von mir gibt und stehen auf die Songs. Einigen ist die Scheibe ein bisschen zu durcheinander, da ich musikstilistisch verschiedene Facetten aufzeige. Das irritiert so manchen Reggae-, Dancehall- oder HipHophörer. Aber ich bin da wie Pumuckl - ich lasse mich nicht gerne in die Schublade sperren!
Bumbanet: Mit fragwürdigen Vergleichen wird nicht gegeizt. Der „Bürger Lars Dietrich des deutschen Reggae“, der „Till Eulenspiegel des deutschen Reggae“, sogar der „Dieter Hallervorden des deutschen Reggae“ – amüsiert dich das eher oder nimmst du das ernst?
P.R. Kantate: Teilweise kommen solche Formulierungen ja aus meinem direkten Umfeld, Till Eulenspiegel bin ich gern. Ich trage bei Konzerten auch meinen selbst kreierten Plattenreiter-Discokugel-Glitzerhelm, der mit Spiegelchen übersäht ist - da spiegelt (höhö) sich die Metapher ja auch schon wieder. Ich betone aber immer wieder, das es mir um Humor geht und nicht um reinen Klamauk - denn Klamauk wäre schon eher Bürger Lars Dietrich oder Dieter Hallervorden. Obwohl ich Hallervorden als Kind ja echt toll fand. Humor ist eine ernste Sache.
Bumbanet: Du bist seit einiger Zeit mit einer eigenen Band unterwegs. Wie hat sich die Gruppe formiert?
P.R. Kantate: Ich habe vor zirka zwei Jahren auf der Straße und bei Auftritten und Parties einfach allen Leuten erzählt, dass ich nun endlich meine Band gründen will und dabei bin ich auf die vier Leute der Urbesetzung gekommen. Es gab Kennenlern-Treffen, Musikvorspielen und erste Proben. Also sozusagen von der Straße in den Proberaum - und dann auf die Bühne. Mittlerweile gibt es schon für fast alle Instrumente eine Zweit- oder Drittbesetzung und wir spielen auch außerhalb von Berlin. Es rollt...
Bumbanet: Am 15. Juli 2006 trittst du mit ihnen erstmals unplugged auf, und zwar im Kreuzberger Ballhaus in der Naunynstraße. Wer kam denn auf diese Idee?
P.R. Kantate: Ich suchte schon länger einen Ort, der sich für einen ausgiebigen Konzert-Filmmitschnitt eignen würde, für eine DVD Produktion. Als ich den schönen, stuckverzierten Saal des Ballhauses sah, war ich gleich hin und weg. Das es dem Stil des Hauses entsprechend dann ein Unplugged-Konzert sein würde, darauf kam dann wiederum mein Mitarbeiter Sash.
Bumbanet: Was für Instrumente darf man da erwarten?
P.R. Kantate: Die Band spielt Schlagzeug, akustische Gitarren, Kontra- und Akustikbass, Konzertflügel und Hohner-Orgel, dazu kommen noch weitere Musiker vom Big Bazar Orchestra mit Vibraphon, Bläsersatz und Percussions. Einige Überraschungsgimmicks wir des auch geben; ich spiele ja auch ein paar Instrumente. Es wird bestimmt toll, ick bin schon janz uffjerecht!
Bumbanet: Im Riddim-Magazin war zu lesen, dass du noch dieses Jahr ein weiteres Album veröffentlichst. Wie wird es heißen und wann kommt es raus?
P.R. Kantate: Wenn alles gut läuft, kommt im Spätsommer dieses Jahres das Album "Dick in Jeschäft" raus, ein Konzeptalbum mit lauter Achtziger-Jahre-Coverversionen im Reggae-, Dancehall-, Calypso- und Reggaetongewand. Ich bin so ein heftiger 80er-Pop-Junkie, dass ich das als Therapie brauche. Mein "Junger Ego" Ras Krass, der ja schon mal 2004 mit "U Me Heart" im Radio lief, wird stark auf dem Album vertreten sein und die englischen Songs übernehmen.
Wer noch schnell eine Karte für das Unplugged-Konzert im Kreuzberger Ballhaus in der Naunynstraße ergattern möchte, kann das per Mail (nadine@stockundstein-musik.de) oder telefonisch (030 / 347 4 59 855) gerne probieren.
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