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Interview: Northern Lite News

Sie sind ein Hybrid in der Musiklandschaft. Auch mit dem neuen Album "Unisex". Electro, Rock, Techno, Alternative, Wave: Northern Lite aus Erfurt lassen sich keiner Szene so recht zuordnen. Mit den Alben „Reach the Sun“ und "Temper" wurden Andreas Kubat, Sebastian Bohn und Sascha Littek zur festen Größe, spielten in Spanien, Frankreich, Japan, Brasilien. Love Parade, Sonne Mond Sterne und Nature One dürfen da nicht fehlen. Wir sprachen mit Sänger Andreas Kubat...

Bumbanet: Euer Album „Unisex“ erscheint in Kürze. Fiebert ihr diesem Zeitpunkt entgegen oder verbringt ihr diesen Tag wie jeden anderen auch?

Northern Lite: Das ist schon etwas Besonderes, da arbeitet man Monate drauf hin bis das Album entstanden ist. Dann verbringt man sechs bis acht Wochen nur noch im Studio, auch die Nächte. So entwickelt sich auch eine ganz eigene Beziehung zu dem Album. Der Tag selbst läuft aber ganz normal ab. Wir spielen da bei uns ein kleines, aber feines Konzert in Erfurt in einer 200-Mann-Location. Ohne Werbung, wo nur ein paar enge Fans und Freunde kommen. So feiern wir das ein bisschen.

Bumbanet: Wo habt ihr „Unisex“ aufgenommen?

Northern Lite: In Erfurt in unserem eigenen Studio; wie immer. Wir haben es auch selbst produziert. Beim Mixen haben wir uns etwas Hilfe geholt, ein, zwei Tracks haben zu erfahrenen Mixern gegeben. Dabei habe ich auch etwas gelernt. Im Großen und Ganzen sind wir sehr autonom, was das Künstlerische angeht.

Bumbanet: Es gab nicht die Überlegung in ein fremdes Studio zu gehen?

Northern Lite: Ich glaube die Sache ist bei uns, dass die Alben nicht wie bei einer klassischen Rockband entstehen. Für uns ist das sehr praktisch, dadurch dass unser Studio direkt auch bei unserem Plattenlabel ist, treffen wir uns dort sehr oft. So entstehen laufend neue Demos. Wir warten also nicht auf den richtigen Moment, um ein neues Album zu machen, sondern die neuen Alben entstehen jederzeit.

Bumbanet: War denn diesmal etwas anders als beim Vorgänger „Temper“?

Northern Lite: Da steckt weniger Methode hinter, als man vielleicht denkt. Gerade dadurch, dass die Stücke quasi fliegend über das ganze Jahr hinweg entstehen, lässt sich das gar nicht groß steuern. Man kann sich hinterher noch überlegen, ob man hier und da noch einen Track macht, der das Ganze abrundet. Aber in welche Richtung es gehen soll, darüber haben wir uns vorher keine Gedanken gemacht. Nach den ersten Demos war jedoch schon klar, dass es wieder härter und gerader wird.

Bumbanet: Wofür soll denn der Titel „Unisex“ stehen?

Northern Lite: Der Titel ist ziemlich weit gefasst. Klar, die Musik ist für Männer und Frauen, aber das heißt erst mal nichts. Es gab mal eine lustige Runde, wo in den Raum geworfen wurde: „Ihr seid doch ne Mädchenband, bei eurem Konzert stehen in der ersten Reihe nur Mädchen!“. Dann gibt’s aber auch wieder andere, die das Gegenteil behaupten, weil wir harte Gitarren und so haben. Wir haben dann mal ganz explizit darauf geachtet, und gemerkt, dass das Publikum super gemischt ist. Und auch unsere Themen sprechen glaube ich beide Geschlechter an.  


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Bumbanet: Du hast gerade schon gesagt, dass euer Album härter geworden ist. Seht ihr euch überhaupt noch als Electroband oder wie würdet ihr euch positionieren?

Northern Lite: Das zu entscheiden ist glaube ich nicht unsere Aufgabe. Wir haben immer nur gemacht worauf wir Bock hatten. Wenn du mich jetzt fragst, was ich für ein Gefühl dabei habe, dann sage ich, dass ich glaube wir sind wieder elektronischer geworden als beim „Temper“ Album. So habe ich das empfunden. Und eigentlich sehen wir uns auch als Teil dieser Szene, und das wollen wir auf keinen Fall leugnen.

Bumbanet: Ihr spielt auf sehr unterschiedlichen Festivals. Das M’era Luna hat doch eine ganz andere Zielgruppe wie das Nature One. Ist das für euch nicht schwierig?

Northern Lite: Das ist selbstverständlich ein großer Unterschied. Gerade das Nature One ist ein Sonderfall, der sich sehr von unseren anderen Gigs abhebt. Das ist zwar ein elektronischer Kontext, aber auf einem solch riesigen Rave zu spielen, wo wir die „Aliens“ sind mit unseren Gitarren, stellt besondere Anforderungen. Wenn da 30.000 Raver vor uns stehen, müssen wir unser Programm dem anpassen. Wir haben ja auch die Möglichkeiten das zu tun, da wir eine elektronische Band sind. Auf dem M’era Luna, das sind eigentlich so Alternative Hörer, die sind viel toleranter als die Raver. Aber beides macht Spaß, diese unterschiedlichen Leute zu sehen. Auch zu spüren, was für unterschiedliche Sachen da abgehen. Und wie unsere Songs da auf das Publikum wirken, das ist oft anders als erwartet

Bumbanet: Steht ihr denn lieber auf großen Bühnen oder bevorzugt ihr die kleinen Clubkonzerte?

Northern Lite: Ich mag es schon lieber in kleineren Clubs, weil man da näher dran ist an den Leuten, und nicht nur die erste Reihe sieht. Auch der Höhenunterschied von Bühne zu Publikum ist nicht so groß, ich mag das nicht wenn ich oben stehe und nur noch die Köpfe der Leute von oben sehe. Klar gibt es dafür andere Vorteile, es ist schon ein besonderes Gefühle, wenn tausende Leute auf deine Musik abgehen. Man kommt sich aber wie ausgestellt vor.

Bumbanet: Setzt ihr eure Songs live anders um? Lasst ihr da neue Elemente miteinfließen?

Northern Lite: Es wird uns schon seit dem ersten Album nachgesagt, dass wir live besser sind als auf Platte. Ich weiß nicht warum das so ist, aber es ist ein besonderes Erlebnis vor einer PA zu stehen mit all der Beleuchtung, das kannst du einfach nicht toppen durch eine CD, auch wenn die vielleicht besser klingt. Für unsere Konzerte ist das Album nur Vorlage, wir produzieren sehr viel für unsere Auftritte, was es auf der CD gar nicht gibt. Wir haben da auch viel mehr Platz zum experimentieren. Live ist alles rougher. Da wir 80 bis 100 Gigs im Jahr spielen, also sehr viel, brauchen wir auch den Freiraum, mal was anderes machen zu können.

Bumbanet: Zum Song „Cocaine“ habt ihr einen Videoclip gemacht mit Bilder aus dem alten Film „Der Weiße Rausch“. Wie kam es zu dieser Idee?

Northern Lite: Dafür ist unser Kreativpool zuständig, das sind die Leute von 18.Oktober. Der Erik Niedling ist da federführend, das ist ein Fotograf aus Erfurt, der für uns schon ganz viel Artwork gemacht hat. Er hat von uns die Zielsetzung bekommen, zu diesem Track ein Video zu machen, was bezahlbar ist und nicht unbedingt für eine Rotation gedacht ist. Im Internet hat er diesen Film gefunden und das hat direkt super gepasst. Die Bilder sind ganz groß, finde ich. Das ist eigentlich ein Skifahrerfilm von 1931, man würde gar nicht denken, dass die Leute vor 80 Jahren schon so was gemacht haben.

Bumbanet: Ihr habt euer eigenes Label 1st Decade Records, was passiert da noch neben eurer Band?

Northern Lite: Erstmal ist es so, dass Northern Lite nach wie vor auf unserem eigenen Label sind, auch wenn das neue Album bei Universal erscheint. Auch werden die Vinyls bei 1st Decade Records veröffentlicht. Es wird auch immer wieder Platten geben, die es nicht als CD gibt. Unsere Labelpolitik, was andere Künstler angeht, haben wir in der letzten Zeit etwas geändert. Das heißt weniger, aber dafür mit mehr Kraft. Eins dieser Projekte ist zum Beispiel Chapeau Claque. Da wird im September “Marienkäfer Im Nacken” erscheinen. Das ist eine junge Sängerin aus Erfurt mit Band, die wirklich interessante, deutsche Musik macht. Und dann haben wir noch unser Sublabel Armut24. Wir sind halt ein Vinyllabel, und Vinyl geht einfach zurück. Das ist eine Sache die wir aus Überzeugung machen, und keine mit der man Geld verdienen kann.

Bumbanet: Was hat euch zu dem Deal mit Universal bewogen?

Northern Lite: Wir waren zum ersten Mal an dem Punkt, wo wir Bedingungen stellen konnten. Zum Beispiel, dass wir völlig autark arbeiten können, was Artwork oder Videos angeht. Uns wird völlig freie Hand gelassen, das geht bei einem Neueinsteiger nicht. Wir haben uns einfach ein Image erspielt über die Jahre, wir wollten nie ein Image gemacht bekommen. Jetzt waren wir an dem Punkt, wo wir dachten, dass wenn wir ein Team finden, dass uns unterstützt und unsere Vision auch versteht, dann gehen wir einen Deal ein.

Bumbanet: Ihr wohnt noch in Erfurt. Die Stadt ist nicht unbedingt bekannt für ihrer Musikszene? Wolltet ihr nie nach Berlin?

Northern Lite: Wir wurden schon öfters von Freunden und Musikern gefragt, warum wir nicht in Berlin sind. Wir würden doch dahin gehören mit unserem Sound! Das war für uns aber nie eine Option. Außerdem ist Berlin nicht weit weg, ich fahr zwei Stunden mit dem Auto. Mit ist es auch wichtig, dass ich meine Musik von meiner Umwelt größtenteils unbeeinflusst machen kann. Ich denke, das wäre in Berlin nicht möglich. Ich muss in keiner Stadt leben, wo jeden Abend so viele Parties sind, dass ich gar nicht weiß wohin mit mir. Ich will einfach arbeiten können.

Bumbanet: Würdest du dich als heimatverbunden bezeichnen?

Northern Lite: Meine Freunde sich mir schon wichtig. Allerdings spielen auch die wirtschaftlichen Faktoren eine Rolle. In Erfurt hat man ganz andere, niedrigere Kosten als in Berlin. Außerdem liegt Erfurt geografisch sehr günstig. Wenn wir in Deutschland touren sind wir von dort aus überall in vier bis fünf Stunden. Ich finde Thüringen sehr schön.

Bumbanet: Glaubst du, dass Erfurt sich auch in eurem Sound widerspiegelt?

Northern Lite: Ja, sicher. Erfurt hat wie jede andere Stadt oder Region auch ihren eigenen Musikgeschmack. In Erfurt herrschte schon immer ein etwas trockener Electro-Sound vor. Das hat sich bestimmt auch auf uns ausgewirkt.

Bumbanet: Was hört ihr privat denn?

Northern Lite: Wir sind sehr flexibel was das angeht, das hört man ja glaube ich auch an unserer eigenen Musik. Halt viel Gitarren- und elektronische Musik. Wobei wir die aktuelle elektronische Musik viel im Club hören, das muss dann zuhause nicht mehr sein.  Placebo finde ich sehr gut. Aber auch härtere Musik. Unser Gitarrist spielt seit 15 Jahren in einer Heavy Metal Band.

Bumbanet: Habt ihr Ziele für eure Zukunft oder die nächsten Jahre?

Northern Lite: Große Visionen haben wir nicht. Wir wollen einfach immer wieder ein schöneres Album machen. Wir spielen auch sehr gerne live – das wollen wir so weitermachen. Ich glaube wir drei sind uns da einig, dass das noch zehn Jahre so weitergehen kann.





Autor:
Bumbanet Redaktion
Photos:
Universal


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