Hamburg, Grand Hotel van Cleef und Kettcar: eine wundervolle Symbiose. Mit ihren Alben "Du und wieviel von deinen Freunden" und "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" faszinieren Kettcar die deutschen Indie-Hörer, mit ihrem Label GHVC haben sie viel bewegt. Ein Interview mit Gitarrist Erik Langer...
Bumbanet: Welche Bedeutung hat der Name Kettcar und wer kam darauf?
Kettcar: Also, der Name hat erstmal relativ wenig Bedeutung, natürlich kommt er von Kinderfahrzeug der Firma Kettler und wir wollten einfach einen Namen haben, der wenn schon existiert dann möglichst positiv behaftet ist und Kettcar ist schon eher positiv eigentlich bei den Meisten in Erinnerung geblieben, die eins hatten. Und drauf gekommen ist ein sehr guter Freund, Rasmus Engler von uns, der hat das irgendwann mal so gedropt und dann haben wir gesagt, ja wieso nicht.
Bumbanet: Also wart ihr früher alle leidenschaftliche Kettcarfahrer?
Kettcar: Ich hatte eins und ich hab immer einen Hochstarter gemacht, bis irgendwann der Sitz abgefallen ist, wenn du voll in die Pedale getreten hast ist das vorne immer so hochgegangen. Das war großartig leider ist es irgendwann kaputt gegangen, da musste ich mir ein Skateboard kaufen, das war auch gut.
Bumbanet: Was habt ihr jetzt, was andere Bands nicht haben? Was zeichnet euch besonders aus?
Kettcar: Wir legen sehr viel Wert auf die Texte, da stecken wir sehr viel arbeit rein, ich denke, dass bei uns die Texte wichtiger sind als bei den meisten Bands aus Deutschland zumindest. Ja ansonsten sind wir halt ganz normale Typen, die Bock haben Musik zu machen und in der glücklichen Lage sind das so durchzuziehen, dass wir nicht viel anderes machen müssen. Ich weiß nicht was ansonsten noch besonders ist, dass sollen die Hörer entscheiden.
Bumbanet: Wann habt ihr euch das erste mal getroffen um euch zusammen zu setzen?
Kettcar: 2001, da hatten Marcus und Reimer ein paar Songs geschrieben und wollten das gerne mal live auf die Bühne bringen und Tomte wollten eine 4 Tages Tour machen, da wurde entschieden, dass wir da als Vorprogramm mitfahren. Ja, dann wurde ich gefragt ob ich nicht Lust hätte für diese 4 Termine Gitarre zu spielen und Lars, der Bruder von Marcus, ob er Lust und Zeit hätte, Keyboard zu spielen; Frank war dann auch schon dabei am Schlagzeug und es war so schön diese 4 Tage, es hat so gut geklappt zwischen uns allen, dass wir gesagt haben – also wir kannten uns alle schon vorher – ja, dann sind wir so zusammengeblieben.
Bumbanet: Wann hast du angefangen dein Instrument zu spielen, in der Kindheit oder erst später?
Kettcar: Erst später, ich hab mit 14 glaub ich Gitarren unterricht genommen, aber nur 2 mal, weil die Alte die mir den Gitarrenunterricht gegeben hat in der Musikschule, hat immer versucht mir Notenlesen beizubringen, was mich bis heute nicht interessiert hat. Dann hab ich wieder aufgehört, dann hat es 2 Jahre gedauert bis ich zum ersten Mal zufälligerweise eine E-Gitarre in die Hände gekriegt habe und damit konnte man herrlich Lärm machen, ich war total geschockt, dann wurde mir gleich ne Gitarre geschenkt von meinem Onkel und meine Eltern haben mir einen kleinen, gebrauchten Verstärker von einer lokalen Metal Band gekauft, ja dann hab ich meine erste Band gegründet.
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Bumbanet: Was habt ihr jetzt beruflich vor Kettcar gemacht? Übt ihr noch irgendwelche Jobs aus, oder reicht Kettcar jetzt um so durchs Leben zu kommen?
Kettcar: Marcus und Frank haben natürlich vorher bei But Alive gespielt, Reimer war mit Marcus auch bei Rantanplan, Lars hat vorher Karaoke gesungen, auf dem Land und ich hab vorher bei SOMETREE gespielt, eine sehr schöne Gitarrenindieband aus Berlin, mittlerweile. Zurzeit machen Frank und ich ausschließlich Kettcar, Lars hat noch ne Fischräucherei nebenbei Marcus und Reimer machen ja bekanntlich b ei unserem Label mit.
Bumbanet: Habt ihr jetzt auch viel Freizeit, wenn ja, wie nutzt ihr sie am liebsten?
Kettcar: Wir haben sehr wenig Freizeit, weil wir wirklich sehr viel Zeit in die Band investieren müssen. Es ist ja nicht so, dass man einfach nur am Wochenende ab und zu mal ein Konzert gibt, da steckt ja wirklich sehr viel Arbeit drin. Trotzdem haben wir auch ein bisschen Freizeit und die nutzen wir dann auch sehr unterschiedlich also Frank und Marcus haben beide einen kleinen Sohn, die verbringen dann Zeit mit der Familie, Reimer ist grade umgezogen genießt seine neue Wohnung, macht ab und zu Urlaub, wenn’s geht, mit seiner lieben Freundin, ich habe gerade geheiratet und versuch sonst… mach sehr gern Sport und versuch den Rettungsring, der sich so langsam meine Hüfte hochschlingt, weg zu kriegen.
Bumbanet: Was für Sport machst du da jetzt am liebsten?
Kettcar: Ich bin in Hamburg im Kajak Verein und fahr Kajak auf der Alster und der Elbe und ich habe im Harz, das ist das nächste Gebirge in der Nähe von Hamburg, da hab ich ein Mountainbike stehen und fahr da dann ab und zu mal 2, 3 Tage Fahrrad und ja, so weiter und sofort… Ein bisschen Laufen, ein bisschen Fußball spielen, wir treffen uns alle mit der Band jeden Mittwoch und kicken ein bisschen, ja, das ist dann extrem anstrengend immer, da hat man dann ja doch auch ein bisschen Ehrgeiz entwickelt.
Bumbanet: Ist es nicht manchmal langweilig auf Konzerten dieselben Titel immer wieder zu spielen? Oder kommt die Routine eigentlich nie so ganz rein?
Kettcar: Also wir sind grade zur Zeit sehr scharf auf neue Songs und freuen uns immer super, neue Lieder zu spielen, das ist immer sehr aufregend, aber die alten Lieder werden nicht langweilig, das kann man nicht sagen, weil das Publikum immer anders ist und auch immer ähnlich, aber auch ein bisschen anders drauf reagiert. Man stellt sich da immer wieder mit diesen 5 Leuten die wir sind auf diese Bühne und davor sind dann immer ein paar hundert Leute, das ist immer wieder schon ganz schön aufregend, ja, das wird auch nicht langweilig.
Bumbanet: „Du und wie viele von deinen Freunden“ und „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“, wie kommt man eigentlich auf so lange Albumtitel?
Kettcar: Tja… wie kommt man drauf? Das ist einfach so gekommen, das kann ich nicht so genau beantworten… Es waren schöne Sätze, die uns aufgefallen sind und ich denke schöne Sätze fallen uns eher auf als schöne Wörter, wie vielleicht „Wort des Jahres“ oder so, das ist nicht so interessant für einen Albumtitel und wir sind ganz glücklich mit dieser Auswahl.
Bumbanet: Was jetzt die meisten Fans interessiert: ist jetzt ein neues Album geplant und wenn ja wann können wir uns darauf freuen?
Kettcar: Das ist aber nett formuliert. Es ist jetzt natürlich auf jeden Fall ein neues Album geplant und wir freuen uns auch selber darauf, aber es ist noch relativ viel zu tun, es müssen noch einige Songs geschrieben werden, daher - um es mal ganz vorsichtig zu formulieren – vor Ende nächsten Jahres kann man damit nicht rechnen, das wird noch ganz schön lange dauern, aber dafür wird die Platte dann wirklich so sein, dass wir als Band voll dahinter stehen und das hoffentlich auch andere sie gut finden.
Bumbanet: Und wahrscheinlich dann auch wieder mit so einem Satz als Titel?
Kettcar: Das könnte passieren, also aber du kannst auch gerne Wortvorschläge machen.
Bumbanet: Da fällt mir im Moment leider nichts ein. Der Satzbau und die Stilmittel in euren Lieder (wie z.B. „Deiche“) sind manchmal nur Halbsätze, das wirkt fast wie zusammengewürflt – schon geplant – wollt ihr damit irgendwas bestimmtes sagen? Oder wollt ihr, dass man sich da mehr Gedanken drum macht weil es sich nicht wie normale Sprache anhört?
Kettcar: Diese Gedankensplitter verwendet Marcus sehr gerne um einen bestimmten punkt, ein bestimmtes Thema zu umkreisen und nicht konkret auszudrücken, anzusprechen, aber eben dadurch einzugrenzen und dann verstehen die meisten eigentlich schon worum es geht. Wie gesagt, so zusammen gewürfelt ist das gar nicht, es ist eigentlich schon wohl überlegt und Marcus könnte wirklich jedes einzelne Wort genau erklären, was es halt im Text zu suchen hat und es ist ja auch nicht nur so, es gibt ja auch wie bei „Balkon gegenüber“ ganz lineare Geschichte die erzählt werden, die überhaupt nicht so fragmentarisch sind, oder auch so Aufzählungssongs wie „Einer“ zum Beispiel auf dem letzten Album, aber du hast schon recht, das fragmentarisch umkreisen eines Themas ist ein sehr beliebtes Stilmittel von Marcus.
Bumbanet: Wie entstehen bei euch die Lieder? Schreibt die Texte nur der Marcus?
Kettcar: Marcus schreibt 90 Prozent der Texte, Reimer schreibt die fehlenden 10 Prozent, ich würde gerne, aber die beiden haben die Messlatte so hoch gelegt, das schaffe ich einfach nicht. Egal, ich versuch es weiter.
Bumbanet: Werden zuerst die Texte gemacht oder zuerst die Musik?
Kettcar: Meistens ist es eigentlich so, dass zuerst eine Idee da ist, ein Thema, etwas das musikalisch umgesetzt werden soll und dann entsteht meist ein Teil des Textes, dann wird irgendwie die Musik drum herum gebaut, dann wird der Text komplett gemacht.