| Der Taliban-Rapper Deutschlands, KamOne aus Hannover, spricht über seine Vergangenheit, Knast und Schulzeit in Pakistan, Vorurteile gegenüber dem Islam, und ganz klar auch über sein neues Album...
Bumbanet: Du hast 1999 dein Tape „Kam Mutterficker Nr 1“ herausgebracht. Danach war bis auf ein paar Gastparts von dir nichts mehr zu hören. Woran lag das?
KamOne: Ich hab mein zweites Album (Longplayer) 2001 bereits fertig gestellt mit etlichen Features wie Orgi, M.O.K, Bushido, Arzt und Basstard, bin dann aber Ende 2001 zum Studium nach Pakistan gegangen und 2004 zurückgekehrt. Crackhaus wollte dann schon Weihnachten 2004 „Kamutterficker nr.2“ rausbringen, das wurde aber erst 2005 war wieder angesetzt. Schon 2004 habe ich dann mit "Vom Wohnblock auf den Zellenblock" angefangen, was eigentlich vier Monate später released werden sollte. 2005 musste ich sechs Monate Freiheitsstrafe verbüßen, und danach habe ich mich von Crackhaus getrennt, was aber nichts mit Bizness zu tun hat. Ich hab schon nach Weihnachten 2004 gesagt, ich würde Teil 2 auch als „free download“ ins Net stellen: Aber da ham alle geschrien nein! Das Ding is Geld und verkauft sich wie warme Semmeln. Mir ging es nie ums Geld... Lach
Bumbanet: Jetzt sind ungefähr sieben Jahre vergangen, was ist alles in dieser Zeit passiert? Und was hat dich dazu bewegt nach so langer Zeit wieder etwas auf den Markt zu bringen?
KamOne: Hmmm, zwei Jahre Ausland und dann ging der Kampf hier wieder los (2004): Knast, Trennung von Crackhaus,... hab so vor mich hin gelebt und auch recorded. Ich habs nie nötig gehabt, meinen Stuff zu veröffentlichen bzw. Geld damit zu machen. „Kamutterficker nr 1“ hab ich aufgenommen und rausgebracht für meine Tsk Jungs, damit die beim chillen was zu lachen haben. Anfang 2006 kamen ein paar Jungs auf mich zu und wollten ein Label hochziehn und mich dabei haben. Ich bin dann da eingestiegen, musste zwischendurch nochma für sechs Wochen in die Kiste und hab danach die letzten Tracks für das Album, also "VWADZ", aufgenommen. Das Album war seit geraumer Zeit eigentlich so gut wie abgeschlossen. Zum Beispiel haben ich und Pasha "fiendsrufenan" im Wohnzimmer von nem Kollegen aufgenommen (lach)... Das Label hat mich dann gedropped wegen verschiedener Unstimmigkeiten. Ein Label brauch ich eigentlich auch nur für den ganzen Management-Kram, ich produzier meinen Shit mit Pashageez und Möglichkeiten zum Aufnehmen sind immer gegeben und auch die Produktionskosten übernehme ich gerne. Als ich vom Label (Pureemphase) gedropped wurde, war das Produkt fertig. Ich musste nur den Deal nochmal verhandeln und raus damit.
Bumbanet: Ich denke auch, wenn du so eine lange Zeit nichts veröffentlicht hast, wirst du sicherlich trotzdem gerappt haben? Für den Zuhörer ist auf jeden Fall eine Veränderung deiner Raps hörbar, wie würdest du deine Entwicklung beschreiben?
KamOne: Die Kamutterficker Dinger sind nich wirklich lustig, aber für mich is das auch ne Menge Satire, dennoch is der Shit ehrlich. Das erste Ding hab ich in vier Wochen einfach so hingeschissen, den Style wollte ich so ham. Ein Kollege, Thomasmk2, ein DJ den ich ewig kenne, hat mich mit Recless zusammengebracht, wo das dann aufgenommen wurde. Jetzt lese ich auf seiner Page im Net, er habe das produziert: Bullshit! Ich hab da noch einen Track für „Mutterficker nr.2“ aufgenommen, er sollte da einen Loop aus einem Track, den ich vorher mit den Bc Jungs aufgenommen hab, ausschneiden, das war der ganze Beat. Für das Schneiden hat er knapp zwei Stunden gebraucht, und die meisten Samples usw. hab ich mir ausgesucht. Ich könnt den ganzen Scheiss auch selbst produzieren, aber ich hab am meisten Spass am rappen und da ich für den Shit (Beatz) Pashageez hab, brauch ich das nicht. Pasha is King und füttert mich mit dem Shit, den ich brauche. „Kamutterficker nr. 2“ is von der Quali produktionstechnisch und auch raptechnisch ein riesen Sprung. Der Shit is immer noch hot, die Leute fragen: „ey, warum hast du das noch nicht gedroppt?". Musik ist zeitlos und "vomwohnblockaufdenzellenblock", das ist halt der Shit, die Stilrichtung die ich wirklich vertrete. Rap muss nich schön sein, der Shit muss bretthart sein und schmutzig. Dabei will ich aber nich in diese Horrorcore Richtung gehn und auch nich so ein Fantasiescheiß machen, sondern über das was ich sehe, tue, und getan habe sprechen. In einer Form, die auch nur bestimmte Leute diggen, Slang halt. Wenn ich fiends sage, denken die Leute ich meine Freunde (lach). Richtigen Gangster Shit machen, das is mein Ding, ich hab Raubüberfälle gemacht. Klar, ich töte nich jeden Tag irgendwelche Nigger, aber am Mic töte ich Nigger jede Minute, und Drohungen beeindrucken mich gar nicht. Jetzt quatschen mich Leute voll mit „ja, ja der BND beschattet dich". Das macht der sicher, aber das würde jedem so gehen, der heute (nach 9/11) auch nur zum Urlaub nach Pakistan reist. Auch mein Anwalt hat mir das gesagt, ich will hier nich ins Detail gehen. Fazit: Mein Ziel ist es den härtesten, aber dennoch ehrlichen Rap zu machen..
Bumbanet: Über die lange Zeit begleitet dich ja ein und die selbe Crew: TSK - The Stickup Kingz. Kannst du mal erzählen, wer alles dazu gehört und was die Leute so machen?
KamOne: Thestickupkings Gang (twostonedkids oder toostonedkings) wurde 1994 als Writercrew von Ane gegründet. Kurz nach der Gründung stieß ich hinzu zusammen mit Asket (damals Jays), Anes Cousin. Ich war damals am husteln, fing schnell an mit Ane Geschäfte zu machen, ich vertiefte meinen Hang zum Rap. Es war klar, dass auch mein Bruder Shade die Crew jointe. 1999 droppte ich mein erstes Streettape „kammutterficker nr.1“, zur selben Zeit kamen pashageez, luzekkrack und axel.f zur Crew, und ich arbeitete weiter an meinem zweiten Tape „kamutterficker nr.2“, das 2002 fertig gestellt wurde, jedoch bis heute unreleased blieb. Ich verließ Deutschland 2002, doch das toostonedkool Ding rollte weiter auf etlichen deutschen Releases. Murdoch, der die Crew schon von je her begleitete, hatte sein Debüt auf dem Track „2 schuss“ mit King orgasmus One und Bass Sultan Hengzt. Ane verbüßte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, Asket verbüßte ein Jahr und acht Monate. Beide wurden 2005 entlassen. Nach zwei Jahren in Pakistan setzte ich meinen Fuß auf Hannovers Straßen und machte mich sofort an neue Produktionen, musste aber auch 2005 eine sechsmonatige Gefängnisstrafe verbüßen. Die Crew ist jetzt reorganisiert, Ane beherrscht in Hannover immer noch das Geschäft, alle Mitglieder der „stickupkingz“ sind auf freiem Fuß.
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