| Das Äi-Tiem, 1986 gegründet, ist eine von Deutschlands ältesten Rap-Gruppen. Mit ihren harten, kontroversen Texten hatten Hans Solo, Lord Fader und Lando Carisma bald auch Fans abseits der HipHop-Szene. Es gibt kaum einen, der das Äi-Tiem nicht kennt. Seit etlichen Jahren scheinen die Köln-Porzer jedoch mehr oder weniger untergetaucht zu sein, nur hin und wieder hört man von neuen Veröffentlichungen und Auftritten. Wir sprachen mit Hans Solo, Rapper und BMXer (Ex-Weltmeister)...
Bumbanet: Lange war nichts mehr von euch zu hören, wie ist es für dich jetzt wieder eine CD zu veröffentlichen?
Hans Solo: So viel Zeit ist seit unserem letzten Album „Musik für taube Ohren“ (2003) ja nicht wirklich vergangen. Die haben wir ja 2005 auch re-released, da die Scheibe im Juni 2003 ja schon wieder verboten worden ist. Ich habe auch viel für andere produziert in den letzten Jahren und bin mit fast 40 verschiedenen Tonträgern auf über 1,5 Mio. Tonträgern vertreten.
Das kommt auch durch die vielen Nebenprojekte zustande, wie z.B. Phobos, Raum 3, Zensur?!, Skaters have more Fun etc.. Außerdem habe ich auch viele Soundtracks für Videos produziert. Die Dinge auseinander zu halten ist manchmal schwierig, da ich ja Künstler, Studioinhaber, Labelchef und Vertriebschef gleichzeitig bin. Murphies Gesetz ist ein Sammelsurium von zum Großteils unveröffentlichten Tracks, welche auch in den Crossoverbereich gehen. Wir produzieren eigentlich immer, aber manchmal will das Schicksal nicht, das es zur Veröffentlichung kommt. Ein Grund war chronischer Geldmangel. Es gab aber auch viele andere Gründe. Unser erster Drummer musste für länger in den Knast, weil er 10 Postbanken und 60 Tankstellen überfallen hat. Der nächste Drummer hatte ein Alkohol und Drogenproblem. Therapie. Der nächste Drummer hatte ein psychisches Problem und musste in Behandlung. Und als wir 1999 dann endlich einen fähigen und korrekten Drummer gefunden hatten und ins Studio gegangen sind um eine neue Platte aufzunehmen, ist unser Gitarrist beim Snowboarden verunglückt und sitzt seit dem ab dem Hals querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Ich verzichte ganz bewusst darauf, hier irgendwelche Namen zu nennen, denn das geht keinen was an. Aber solche Dinge muß man erst mal verarbeiten. Deshalb haben wir all diese alten Tracks jetzt rausgebracht. Als Dokumentation quasi und als Dankeschön und Respekterweisung gegenüber den Leuten, welche sich die Mühe gemacht haben. Es hat aber fünf Jahre gedauert, bis wir überhaupt in der Lage waren, uns die Livetracks überhaupt wieder anhören zu können, ohne sofort die Krise zu bekommen. Wir mussten erst einmal die Vergangenheit verarbeiten um den Kopf für neues wieder frei zu bekommen, denn wenn Du keine zusammengecastete Band bist, sondern seit Jahrzehnten befreundet, dann können solche Vorfälle einen komplett blockieren. Deshalb kommt im Winter 2006 dann auch endlich ein neues Album, denn die Vergangenheit musste erst einmal abgehakt werden.
Bumbanet: Nun bist du ja schon sehr lange dabei und hast viel mit ansehen dürfen, wie gefällt dir die Lage im Moment? Ein guter Zeitpunkt wieder durchzustarten?
Hans Solo: Die Lage im Moment gefällt mir eigentlich sehr gut, da ich sehe, das die Saat von früher heute Früchte trägt. Hip Hop ist größer denn je und hat sich etabliert und ist nicht wie prognostiziert wieder von der Bildfläche verschwunden. Das gleiche gilt für BMX. Von wieder durchstarten kann eigentlich keine Rede sein, da wir nie weg waren. Wir machen nur den ganzen Rummel drumherum nicht mit und deshalb bekommt man von uns in den Medien nicht so viel mit wie von all den anderen. Wir haben uns über mehr als zwei Jahrzehnte eine Fangemeinde erspielt und das ist mir persönlich mehr wert, als der kurze Megahype und dann will keiner mehr etwas von dir wissen, weil du verheizt worden bist.
Bumbanet: Ihr habt immer noch eine sehr große Fanbase, wie erklärst du dir diese Treue?
Hans Solo: Die Treue erkläre ich mir selbst so, das wir uns selbst immer treu geblieben sind. Wir basteln nicht an marktgerechten Designertracks um möglichst hohe Verkaufszahlen zu erzielen, sondern wir machen unser Ding vom ersten Ton bis zum Verkauf an den Endkunden komplett selbst. Musik entsteht bei uns einfach so und kommt meistens aus dem Bauch. Wir lieben auch das musikalische Experiment, was zwar nicht immer jedem gefällt aber es macht die Sache ehrlich und authentisch. Wir sind eben nicht wie viele andere gebunden an komische Verträge, wo letztenendes doch wieder irgendjemand bei irgendeiner großen Plattenfirma bestimmt, was veröffentlicht wird. Irgendwie sind wir ja auch eher Hip Hopper mit Punk Attitüde und recht anarchistisch veranlagt. Genau erklären kann ich das alles nicht, aber ich freue mich natürlich, das es ist wie es ist.
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