| Corus 86 ist Randale-Rapper und Querschläger im Underground. Fitnessstudios sind seine Welt. Gewalt und Krawalle seine Vergangenheit. Auf Reckless Records, dem Label von DJ Reckless, droppte der Braunschweiger jetzt sein drittes Album „Muskeln, Gold, Bass & Bier“...
Bumbanet: Als erstes möchte ich gern die Bedeutung von deinem Namen klären. Ich habe gelesen, dass du 27 Jahre alt bist, wieso dann Corus86?
Corus86: 1986 wohnte ich in einem Hochhausviertel in meiner Stadt, direkt vor meiner Eingangstür hingen immer so’n paar Hänger ab, die waren schon ein paar Jahre älter als ich. Mit nen paar von denen haben gebreakt, nen paar haben immer so komische Zeichen gekritzelt und andere sind BMX gefahren. Wie gesagt, die hingen immer bei unserem Eingang rum. Zwei von denen haben inner Bude unter mir und meiner Familie gewohnt. Wenn ich also das Haus verließ kam ich immer an denen vorbei, und hab auch mal nen bisschen mit denen herumgestanden, fand’s damals natürlich sau geil. Als kleiner Pimpf mit Älteren abhängen ist immer cool. Ich hab also mitgekriegt was die da so veranstalteten und war begeistert. Irgendwann spielte ich mit nem Kumpel... irgendeinen Scheiß mit unseren „Masters of the universe“ Figuren, da meinte ich zu ihm, dass das voll langweilig wäre und wir mal richtig coole Sachen machen müssten, so wie die Hänger von der Eingangstür unten. Das Gekritzel fand ich am coolsten (nachdem ich mir beim kläglichen Versuch, auf einem viel zu großen BMX-Rad zu stehen, die Flosse an einer auf dem Boden liegenden Glasscherbe aufgeschnitten hatte, und mich beim Breakdance Kickwurm Versuch übelst eingesaut hatte). Ich kramte also aus dem Schreibtisch von meinem Vater nen Edding raus. Wir sind dann raus aus dem Haus, sind auf ein nahe gelegenes Parkdeck gegangen und haben jedem Auto, das dort parkte, einen Fallschirm auf die Motorhaube gemalt (keine Ahnung warum nen Fallschirm). Natürlich wurden wir dabei erwischt und mussten die ganze Scheiße wieder sauber machen (so um die 30 Autos). Das war so der erste Kontakt mit dieser Kacke. Das 1986, deshalb Corus86. Danach hab ich natürlich die übliche Kleine-Jungen-Scheiße weitergebaut, wie Klingelstreiche mit Kackhaufen anzünden und so’n Rotz.
Bumbanet: Nun bist du ja auch schon seit 1992 dabei und hast auch andere Bereiche des HipHops für dich entdeckt. Was bereitet dir mehr Spaß, das Rappen oder das Malen? Oder sind die Dinge für dich nicht miteinander zu vergleichen?
Corus86: Ich kann nicht wirklich sagen, dass mir eines der beiden Dinge mehr oder weniger am Herzen liegt, das was ich da mache kommt von ganz tief in mir. Ob ich nun male oder rappe, ich erzähl den Leuten meine Geschichte. Ich mache beides mit gleichem Engagement und Einsatz. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich nutze die Vorteile für mich und meine Gruppe, die Nachteile sind mir scheißegal.
Bumbanet: Meinst du, du bringst deiner Malercrew PBS nur durch Rap so viel Fame?
Corus86: Die Frage ist ja totaler Quatsch, erstens habe ich und meine Bande schon vor dieser CD 1A Straßenentertainment in Form von Partyzerstörung geliefert. Zweitens ist und war PBS, ob ich nun rappe oder nicht, deutschlandweit bekannt und anerkannt. Drittens ist PBS nie eine reine Writer Crew gewesen. Wir hatten immer schon Sprayer, Breaker, DJs und unseren Pöbelmob. Viertens, und das ist das Wesentliche, dreht sich dieser ganze Kacke doch nur um Fame. Das heißt, wenn ein Sprayer meint er müsste mit nacktem und vollgeschissenem Arsch durch eine laufende Fernsehsendung rennen um seiner Crew damit mehr Fame als allen anderen zu bringen, dann sollte dieser dreckige Penner dies tun. Diese Szene lebt davon, dass du einfach das machst worauf du Bock hast, um deine Mitstreiter zu ficken.
Bumbanet: Du selbst sagst über dich, dass du früher sehr krass auf Stress aus warst. Das hat sich geändert – wieso?
Corus86: Ich habe in alten Zeiten sehr viel Kaffee mit Schnaps getrunken, das geht übelst auf die Pumpe, und du läufst dann voll auf 180, dann ist klar dass du dann Nock hast Aktion zu machen, hehehehee. Irgendein Silvester habe ich mir dann gesagt, jetzt trinkst du nur noch ohne Kaffee und machst mal nen bisschen halblang, seitdem bin ich ein ganz possierliches Kerlchen geworden, heheheheh. Ne mal im Ernst, mit der Zeit wurde diese ganze Scheiße einfach ein wenig zu teuer, manchmal muss man aber tun was Mann tun muss. Heheheheehe!
Bumbanet: Du bist der erste Künstler auf dem Reckless Label, würdest du das als Vor- oder Nachteil bezeichnen?
Corus86: Ich denke es ist scheißegal, ob ich nun der erste Künstler auf einem Label bin oder nicht. Das interessiert keine Sau, wichtig für die Leute ist, dass sie gute Mucke um die Ohren gehauen bekommen und richtig ausrasten können.
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