| Producer, DJ, Journalist, Moderator, Viva. Supreme, Mixery Raw Deluxe - HipHop. Eine Stunde Interview mit Falk aka Hawkeye...
Bumbanet: 1989 hast du mit Lord Wax (MB1000) deine erste Gruppe Walking Endustries gegründet, war das für dich gleichzeitig auch der Einstieg in den HipHop?
Falk: Das mit Lord Wax war eigentlich erst etwas später, so um 1992/93, Walking Endustries hatte ich vorher 1989 mit anderen Leuten gegründet, die dann irgendwann aber nicht mehr weitergemacht haben. Ich habe den Namen aber weiter benutzt und mit Lord Wax wieder reanimiert. Meine eigenen Anfänge liegen um 1983 herum, als der große Breakdance Hype in Deutschland war. Da war ich voll drauf, hatte meine weißen Handschuhe und meine Polyacryl Kappe.
Gebreakt habe ich vor unserer Bücherei in der Schule, weil da der Boden am besten war. 1986 hatte ich dann wieder aufgehört, weil ich einfach nicht gut genug war. Allerdings bin ich auch nicht wieder davon losgekommen, mich hat dann die Musik und das Malen gecatcht. Und seit dem hat es mich auch nicht mehr losgelassen.
Bumbanet: Und 1994 bist du dann als DJ aktiv geworden?
Falk: Ne, das war auch 1989, als ich arbeiten gegangen bin, um mir Turntabled zu kaufen. Wenn die mich nicht so früh gefeuert hätten, hätte ich mir auch zwei Turntables kaufen können, aber so hatte ich dann nur einen und ein Mischpult. Ich habe dann angefangen zu scratchen und 1994 war der Punkt gekommen, wo ich als DJ in Läden aufgelegt habe. Ich hatte eine Residency in Hannover in einem Laden namens Fish, das wurde damals vom Musikmagazin Intro organisiert und hiess Intro Intim. Da hatten jeden Mittwoch Rockbands die Möglichkeit live zu spielen, die haben keine Gage bekommen aber konnten sich dem Publikum präsentieren. Und warum auch immer, wahrscheinlich passt es gut zum Intro und deren bilateralen Verständnis von Musik, haben wir, Lord Wax und ich, HipHop aufgelegt. Die Rocktypen waren dann natürlich voll genervt und haben gefragt, ob wir nicht Slayer da haben, aber hatten wir nicht. Das haben wir zwei Jahre lang gemacht, dann ist das Fish wegen Drogenhandels geschlossen worden. Ich hatte dann längere Zeit nicht gedeejayt, aber seit drei Jahren bin ich wieder verstärkt dabei.
Bumbanet: Heute legst du auch viel Soul und Funk auf, war das damals auch schon so, oder hattest du nur strictly HipHop aufgelegt?
Falk: Wir haben sowohl HipHop aufgelegt wie auch Instrumentals von Rap Songs, und über den Film mit den Instrumentals sind wir dann auch auf Shadow, Portishead und Massive Attack gekommen. Diese TripHop Schiene fanden wir geil und haben dann auch eine TripHop-artige Platte gemacht. Ich erinnere mich, dass Rene, der heute Sureshot macht und der Chef von Showdown Records (Deichkind, u.a.) war, auch im „Fish“ aufgelegt hatte und auch teilweise dort abgechillt hat. Der kam dann zu mir und fragte, warum ich das mache, warum ich Original-Breaks spiele und dann die Rapsongs. Und dann hab ich ihm erklärt, dass die Leute raffen sollen wo die Quellen liegen, wo die Sachen herkommen. Deshalb war ich dann auch schon damals auf dem Funk Trip, weil da einfach die Wurzeln von HipHop liegen.
Das liegt auch daran, wenn man produziert sucht man nach Sachen aus denen man Rap Beats machen kann, man kann ja nicht Rap Beats aus Rap Beats machen. Das war der Grund, warum ich schon damals viel Musik neben HipHop-Musik gehört habe.
Bumbanet: Kam das dann erst nach und nach, dass du auch für andere Acts produziert hast, oder war das schon damals so?
Falk: Angefangen haben ich 1989 indem ich Pause Button Tapes gemacht haben und so. In unserer Stadt gab es einen DJ, den DJ Air-Knee von der Jazzkantine, und der hatte ein Studio damals. Da wollten wir so 1994 ein Britcore Stück produzieren für einen Rapper aus Hannover, Gas P von der Band Radical Storm. Richtig klassischer Klischee Britcore sollte das werden. Air-Knee nahmt 50,- DM pro Stunde. So hat der Beat am Ende 1200,- DM gekostet und war noch nicht fertig. Wir haben dann den Rapcrews in Hannover folgendes gesagt. Wir nehmen 250,- DM und machen euch einen Rapbeat, solange bis er fertig ist, egal wie lange das dauert. So hatten wir die Hütte dann voll mit den verschiedensten Leuten, aber von den Produktionen wurde glaube ich nie was releast, bis auf unsere Platte. 1995 haben ich mir dann mit Lord Wax das erste Equipment gekauft, da haben wir zum ersten Mal mit richtig professionellem Equipment ganz wacke Beats produziert. Wir haben damals ein Jahr gebraucht um halbwegs gut zu werden.
Da ging es aber auch schon gleich los, dass wir für andere, d.h. für Leute aus unserer Stadt, produziert haben. Dann hat sich das so geläppert, ich hatte vorher schon Tobi & Bo und Spax und so kennen gelernt, so hat sich dann eine Hand die andere gereicht.
Bumbanet: Später kamen ja dann auch noch weitere Produktionen und Remixe für größere Namen wie Grand Agent hinzu, das hat sich also alles Schritt für Schritt entwickelt?
Falk: Ja, es steigerte sich langsam. Das Ding ist auch, wenn du so lange in der HipHop Szene abhängst, egal ob du Musik machst oder nicht, lernst du automatisch Leute kennen. Ich hab ja auch seit 1994 den journalistischen Bereich bearbeitet. Da war z.B. mal ein Typ in einem Backstage-Bereich, der hatte so einen blauen, Overall-artigen Jogginganzug an, das sah sehr stylisch aus, ich wusste aber nicht, wer dieser Vogel ist. Der saß neben mir und ich hatte irgendeinen Scheiß gelabert und mich tot gelacht, weil ich so ein bisschen mürrisch drauf war, ganz klassisch halt wie bei den Moderationen später.
Der Typ hat also neben mir gesessen und sich dann auch tot gelacht, irgendwann hat er dann zu seiner Freundin, die auf seinem Schoss saß, gesagt „This dude is crazy“. Da dachte ich erst der wäre ein Ami. Dann ist er rausgegangen und ich hab die Leute gefragt, wer das überhaupt ist, die meinten „ja das ist Curse“. „Wer ist Curse ?“, das war noch vor „Sonnenwind“. So hab ich halt Curse kennen gelernt. Spax habe ich beim CD kaufen beim Saturn Hansa kennen gelernt, du lernst also automatisch, durch die Beschäftigung mit dem Thema, die anderen Leute kennen. Die wachsen ja neben dir auch mit dem Thema auf. heute ist Spax ein bekannter Name, als ich ihn damals traf, kannte ihn noch niemand. Curse war damals auch noch ein Insider-Geheimtipp. Man entwickelt sich also sozusagen parallel, man tauscht sich aus. Man muss einfach reisen, man muss zu den Jams reisen, das gibt’s natürlich heute nicht mehr so, aber früher war das möglich, da hast du die Leute kennen gelernt. Heute gehen halt alle in einen HipHop Club, da kannst du nur noch die Leute aus deiner eigenen Stadt kennen lernen.
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